- 09.12.2008, 12:30:33
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Evangelische Kirchen und Diakonie fordern "Klimaänderung" im Umgang mit Asylsuchenden
Aktion "Protect" als Zeichen der Solidarität mit Flüchtlingen - Bünker: Einsatz für Flüchtlinge "in die Krippe gelegt" - Chalupka: "Gegen ein Klima des Misstrauens"
Wien (OTS) - "Mit der Aktion 'Protect' möchten wir ein Zeichen
setzen, dass sich Österreicherinnen und Österreicher der großen
Tradition dieses Landes, das hunderttausende Schutzsuchende
aufgenommen hat, bewusst sind und bewusst gegen ein Klima des
Misstrauens, des Generalverdachts und der Intoleranz auftreten",
sagte Diakonie-Direktor Michael Chalupka bei einer Pressekonferenz am
Dienstag, 9. Dezember, in Wien. Getragen wird die Aktion vom Diakonie
Flüchtlingsdienst in Kooperation mit den Evangelischen Kirchen in
Österreich. Literatinnen und Literaten wie Josef Haslinger und Julya
Rabinowich unterstützen die Aktion.
Der Einsatz für Asylsuchende, Flüchtlinge und MigrantInnen sei Kirche
und Diakonie quasi "in die Krippe" gelegt, sagte der
evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker bei der
Pressekonferenz. Kirche und Diakonie hätten ihre anwaltliche Funktion
wahrzunehmen, wo Menschen mit Migrationshintergrund in ihren Rechten
verletzt werden. So fordern die Evangelischen Kirchen und die
Diakonie weiterhin ein "grundrechtlich geregeltes Antragsrecht beim
Bleiberecht". Die Vorschläge der neuen Regierung, dass Gemeinden oder
NGOs Verpflichtungserklärungen für gut integrierte AusländerInnen
übernehmen, seien "kein geeignetes Mittel".
Auf Quotenregelung bei Familienzusammenführung verzichten
Begrüßt wird hingegen der Vorstoß der EU, den Flüchtlingsschutz
solidarischer auf die Mitgliedsländer zu verteilen. Bünker: "Es geht
nicht an, dass die sowohl finanziell als auch logistisch schwächsten
Länder der EU die gesamte Arbeitslast für das Herz Europas zu tragen
haben." Kritisiert wird hingegen die "schroffe Zurückweisung" der
Ideen der EU-Kommission durch die österreichische Bundesregierung,
die Argumentation für eine solidarische Aufteilung von Flüchtlingen
in Österreich werde dadurch "unglaubwürdig", das "Florianiprinzip"
sollte nicht zum Grundsatz gemacht werden, warnen Kirche und
Diakonie. Nach den Vorstellungen der Evangelischen Kirchen und der
Diakonie sollte "unbedingt auf die Quotenregelung bei der
Familienzusammenführung verzichtet" werden, der positive
Integrationseffekt von Familiennachzug sei ausreichend bekannt,
betonte Bischof Bünker, der "die evangelischen Christinnen und
Christen und alle Menschen guten Willens" dazu aufrief, die Aktion
"Protect" zu unterstützen.
Wenn auch im Regierungsprogramm im Bereich Integration "fast
ausschließlich schwammige Absichtserklärungen" stünden, sei zumindest
positiv, dass Österreich als Zuwanderungsland gesehen werde, sagte
Diakonie-Direktor Chalupka. Es brauche allerdings eine massive
"Klimaänderung", damit sich AusländerInnen in Österreich "willkommen
fühlen". Die Regierung sollte "endlich zur Besinnung kommen", denn
derzeit bestimmen, so Chalupka, Abwehr, "Draußenhalten" und
Generalverdacht den Umgang mit Asylsuchenden. Eine "beschämende
Situation" angesichts der langen Tradition Österreichs im positiven
Umgang mit Flüchtlingen.
Als sie 1977 nach Österreich kam, sei sie noch "offen empfangen"
worden, sagte die Schriftstellerin und Übersetzerin Julya Rabinowich.
Heute würden Flüchtlinge nicht nur mit ihrer traumatischen
Vergangenheit, sondern auch mit den vorgefassten Meinungen vieler
Österreicherinnen und Österreicher kämpfen. Gemeinsam mit Seher
Cakir, Josef Haslinger, Sabine Gruber, Vladimir Vertlib und Ekaterina
Wladigerova wird Rabinowich an einer Benefizlesung am Freitag, 12.
Dezember, im Kasino am Schwarzenbergplatz teilnehmen. Von ihren
Erfahrungen als tschetschenischer Flüchtling berichtete bei der
Pressekonferenz Suchra Sulieva, die heute als Germanistin und
Dolmetscherin für den Diakonie Flüchtlingsdienst arbeitet. Zwei Jahre
habe sie auf die Anerkennung als Flüchtling warten müssen, ohne die
Unterstützung durch den Diakonie Flüchtlingsdienst sei der Neustart
in Österreich nicht möglich gewesen.
(Service: Spendenkonto Aktion "Protect" 287 119 66300, Erste Bank,
BLZ 20111; Benefizlesung "fremd.worte", 12. Dezember, 20.00 Uhr,
Kasino am Schwarzenbergplatz, 1010 Wien; Karten zu 15 Euro unter
www.burgtheater.at oder Tel. 01/514 444 140)
Rückfragehinweis:
epdÖ
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
Dr. Thomas Dasek
mailto:[email protected]
http://www.evang.at
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