• 20.11.2008, 09:41:26
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Keine Gesundheitsreform ohne Spitäler

NÖ Ärztekammer warnt vor neuerlichem Anlauf einer "Pseudo-Gesundheitsreform" auf dem Rücken der Patientinnen und Patienten

Wien (OTS) - Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer
kann die Mahnungen des ehemaligen Rechnungshofpräsidenten Dr. Franz
Fiedler nachvollziehen. Dieser ortet in Bezug auf das
Gesundheitssystem vor allem im Spitalswesen massives
Einsparpotenzial: "Wir können diesen Ansatz sehr gut nachvollziehen.
Berechnungen haben ergeben, dass eine ambulante Gesundheitsleistung
im Spital etwa das Doppelte einer Leistung im niedergelassenen
Bereich kostet. Das scheint jedoch niemanden zu interessieren", so
der Ärztekammerpräsident.

Denn alle Entwicklungen gehen in eine andere Richtung. Bei den
Kassen soll saniert werden, im Spitalsbereich verhält man sich jedoch
so, als wäre das Geld abgeschafft. "Die Verantwortungsträger beim
Land Niederösterreich beispielsweise werden in den kommenden Jahren
nach eigenen Angaben zwei Milliarden Euro in den Ausbau der Spitäler
investieren. Geschützt durch den Länderfinanzausgleich", so Dr.
Reisner weiter.

Föderalismus fördert höhere Kosten statt Bürgernähe

Genau das mahnt auch Dr. Fiedler ein. Aus seiner Sicht scheitern
sinnvolle Reformansätze an "pervertiertem Föderalismus", der statt
größerer Bürgernähe nur höhere Kosten verursacht. Die "Landesfürsten"
gäben zwar gern Millionen aus, nehmen selbst aber keine ein. "Wer
aber nie selbst für Steuererhöhungen geradestehen muss, dem falle es
leichter, Geld allzu großzügig unters Volk zu streuen", so Dr.
Fiedler wörtlich. Der Rechnungshof ortet auch nach seiner Amtsperiode
alleine im Spitalsbereich Optimierungsmöglichkeiten weit jenseits der
Milliardengrenze. Die Zahlen sind durch internationale Vergleiche und
Studien belegbar.

Im Spitalsbereich wird also mit vollen Händen ausgegeben, von den
niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte werden stattdessen winzige
Einsparmöglichkeiten im "Centbereich" etwa durch Umstellungen von
Patientinnen und Patienten auf Generika verlangt. "Eine Relation, die
wir nicht nachvollziehen können", so Präsident Dr. Reisner.

Wer Geld in den teuren Bereich pumpt, macht auch die Leistungen
teurer

Die Folgen sind aus Sicht des Ärztekammerpräsidenten klar und
logisch: "Wer Geld in den teuren Bereich pumpt und damit auch
Leistungen dorthin verlagert, wird entweder für das gleiche Geld in
Summe weniger Leistungen bekommen oder für die gleichen Leistungen in
Folge mehr Geld bezahlen müssen." Ärztekammer und Rechnungshof sind
sich daher einig, dass sinnvolle, echte Reformansätze genau in die
Gegenrichtung zielen müssen.

Wer also eine echte Gesundheitsreform durchführen will, die ihren
Namen auch verdient, darf die Spitäler als Hauptkostenfaktor genauso
wenig außer Acht lassen wie die steigende Lebenserwartung der
Patientinnen und Patienten. "Gesundheitsversorgung kann sicher nicht
billiger werden. Aber die kommende Regierung sollte jedoch darauf
achten, dass die vorhandenen Ressourcen so eingesetzt werden, dass es
bei der benötigten und gesetzlich festgeschriebenen Verpflichtung zur
Gesundheitsversorgung der ganzen Bevölkerung zu keiner
unkontrollierbaren Kostenexplosion kommt, die letztendlich wieder von
der Bevölkerung selbst zu finanzieren ist", so Präsident Dr. Reisner
abschließend.

Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Niederösterreich, Michael Dihlmann, Pressesprecher
Tel. 0664/144 98 94, E-Mail: [email protected]

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