• 18.11.2008, 12:14:58
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Falter: Mutter des verschwundenen Aeryn Gillern erhebt schwere Vorwürfe gegen Polizei

"Desinteressiert und homophob"

Wien (OTS) - Im Gespräch mit der Wiener Stadtzeitung Falter machte
die Mutter von Aeryn Gillern, des vor rund einem Jahr unter
rätselhaften Umständen in Wien verschwundenen Amerikaners, im
Zusammenhang mit der Suche nach ihrem Sohn der Wiener Polizei schwere
Vorwürfe. "Desinteressiert und homophob" hätten sich die Polizisten
verhalten, sagt Kathy Gilleran im Falter-Interview.

Aeryn Gillern, der bei der UNO gearbeitet hatte, verschwand am 29.
Oktober 2007 spurlos, nachdem er nackt aus der Homosexuellensauna
Kaiserbründl im ersten Wiener Gemeindebezirk gelaufen war. Laut
Polizei soll er durch einen Sprung in den Donaukanal Selbstmord
begangen haben.

Die Mutter, die nicht an einen Selbstmord ihres Sohnes glaubt,
behauptet unter anderem, dass weder der Donaukanal noch die Wohnung
Aeryn Gillerns nach Spuren eines möglichen Verbrechens durchsucht
worden seien. Außerdem erwähnte Kathy Gilleran, die in den USA selbst
als Polizistin gearbeitet hat, der Stadtzeitung Falter gegenüber
homophobe Äußerungen und bewusst falsche Informationen der Ermittler:
So soll die Mutter gefragt worden sein, ob sie stolz darauf sei,
einen schwulen Sohn zu haben. Die Polizisten hätten außerdem eine
Aids-Infektion als Grund für den Selbstmord angegeben, obwohl ein
HIV-Test das Gegenteil beweist. Einen Sportrucksack, den Aeryn
Gilleran am Tag seines Verschwindens im Kaiserbründl liegen ließ,
hätten die Ermittler nicht einmal durchsucht.

In einem Brief an US-Senatorin Hillary Clinton schrieb Kathy
Gilleran: "Ich habe niemals zuvor soviel Rohheit, Grobheit und
Unprofessionalität erlebt (...) Wenn ich sage, dass das Verhalten der
Polizei an Sadismus grenzt, dann übertreibe ich nicht."

Der Fall Aeryn Gillern ist äußerst mysteriös: Der US-Amerikaner
verschwand, ohne eine Spur zu hinterlassen. Nichts deutet auf einen
Selbstmord hin. Auf dem Weg zwischen Kaiserbründl und Donaukanal am
Abend seines Verschwindens, den Aeryn Gillern nackt zurückgelegt
haben dürfte, sah ihn niemand.

Die Polizei sagte gegenüber dem Falter, dass die Beschwerden im
Rahmen einer internen Untersuchung geklärt und danach gegebenenfalls
Sanktionen ausgesprochen würden.

Autor des Artikels:
Joseph Gepp,
Falter - Redaktion Stadtleben
01/53660-959

Rückfragehinweis:

Florian Klenk
   Stv. Chefredakteur 
   Falter 
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