- 03.11.2008, 08:42:05
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Retten wir auch die Immofinanz-Aktionäre - von Alexis Johann
Wenn Vertrauen die neue Größe ist, haben geprellte Anleger neue Rechte
Wien (OTS) - Muss die Rettung der Finanzindustrie fair verlaufen?
Nein, muss sie nicht. Erhalten Banken Kapitalspritzen, soll das der
Stabilisierung des Standortes dienen. Werden Spareinlagen staatlich
garantiert, soll das die Kaufkraft sichern. Weil das so ist, fixiert
das Bankenpaket "rationale" Spielregeln, die nichts mit Fairness zu
tun haben: Banken und Versicherungen verpflichten sich im Gegenzug
"besondere Risiken" aufzugeben. Klar, staatliche Mittel sollen nicht
verzockt werden. Das eingespritzte Kapital soll KMU sowie Haushalten
bei Finanzierungen zugute kommen. So weit, so rational. Aber halt:
Wer auf den Staat zurückgreift, muss die Bezahlung der Chefetage auf
ein "angemessenes Maß" begrenzen, darf keine "unangemessenen Prämien"
ausschütten, heißt es im neuen Gesetz. Hier findet ein Dogmenwechsel
statt: Entlohnung, die der Arbeitsmarkt bestimmt, wird gesetzlich
geregelt. Fairness und Vertrauen werden von inoffziellen zu
offiziellen Spielregeln des Marktes geadelt.
Wer das zu Ende denkt, weiß: Das Rettungspaket muss weiter greifen.
In den vergangenen 52 Wochen haben die Anleger der Immofinanz
insgesamt 3,4 Milliarden Euro verloren, die Anleger der Immoeast 6,3
Milliarden Euro. Was haben diese Anleger falsch gemacht? Sie haben
sich auf Aussagen der beiden Gesellschaften verlassen, was mit dem
zur Verfügung gestellten Geld passiert. Sie haben sich auf
unabhängige Gutachter verlassen, die den Wert der
Immobilienportefeuilles und damit den "inneren Wert" der Aktie sowie
deren Verzinsung beziffert haben. Sie haben sich auf die
Aufsichtsräte verlassen, die im Namen der Constantia Privatbank das
Management jährlich von Verfehlungen entlastete. Sie haben sich auf
die Börse und die FMA verlassen, deren Regelwerk Verstöße - wie
mutmaßliche, unangemeldete Rückkaufprogramme - unterbindet. Sie haben
sich auf staatliche Kontrollorgane verlassen, die Bankgeschäfte auf
Werthaltigkeit prüfen. Sie haben sich auf Vermögensberater
verlassen, die gesetzlich zu ordentlichen Beratungen verpflichtet
sind.
Und dann? Ein 900-Millionen-Euro-Darlehen ist irgendwo verschollen.
Der Immobilienwert? Niemand kann ihn beziffern. Wer die Aktien als
Tilgungsträger für Hypothekarkredite eingesetzt hatte oder damit
Pension ansparte, hat alles verloren. Vor allem das Vertrauen in die
Börse und seine staatliche Aufsicht. Ein Rettungspaket für den
Finanzplatz müsste demnach auch ihre Verluste, wie jene der Meinl-
und AvW-Anleger abdecken. Und dabei dürfte, wenn Vertrauen die neue
Größe ist, keine Sekunde gezögert werden.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/300
http://www.wirtschaftsblatt.at
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