- 27.10.2008, 15:40:45
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Caritas-Weltpräsident erinnert nächste Regierung an Entwicklungshilfe
Kardinal Rodriguez aus Honduras, der dem Caritas-Dachverband "Caritas Internationalis" mit Sitz in Rom vorsteht, sprach bei großer Caritas-Konferenz im Wiener Kardinal-König-Haus
Wien, 27.10.08 (KAP) Einen eindringlichen Appell, die staatliche
Entwicklungshilfe massiv aufzustocken, hat Caritas-Weltpräsident
Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga am Montag an die künftige
österreichische Bundesregierung gerichtet. Der Erzbischof von
Tegucigalpa (Honduras), der dem Caritas-Dachverband "Caritas
Internationalis" mit Sitz in Rom vorsteht, sprach bei einer
europäischen Caritas-Konferenz im Kardinal-König-Haus. Rodriguez
Maradiaga äußerte die Befürchtung, dass die OECD-Staaten ihre schon
in den 1970er-Jahren eingegangene Verpflichtung, 0,7 Prozent ihres
Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit auszugeben,
angesichts der Finanzkrise aufweichen würden. Derzeit stellten die
Staaten im Schnitt ohnehin erst 0,28 Prozent zur Verfügung.
An der Konferenz nahmen Bischöfe, europäische
Caritas-Verantwortliche, Caritas-Mitarbeiter sowie Entwicklungs- und
Sozialexperten - darunter ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer - teil. Am
Montagabend nahm Rodriguez im Wiener Rathaus den "Viktor
Frankl-Preis" entgegen. Der Große Preis des Viktor-Frankl-Fonds wird
für ein Lebenswerk im Bereich einer "sinnorientierten humanistischen
Psychotherapie" vergeben. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die
in Wissenschaft, Lehre oder Therapie international rezipierte,
hervorragende Leistungen erbracht haben.
Der Kardinal erinnerte an die vor einem Monat in New York abgehaltene
UN-Ministerkonferenz über die Erreichung der
Millenniums-Entwicklungsziele bis 2015. Die bisherige Bilanz sehe
sehr mager aus. Die globalisierte Welt sei geteilt. Es gebe jene, die
massiv profitierten, und jene, die verloren hätten. Den Verlierern
werde durch die immer schärferen Abschottungsmaßnahmen der Gewinner
zudem noch verboten, aus ihrem Elend zu flüchten.
In dieser Situation sei es das Bemühen der Kirche und vieler in der
Zivilgesellschaft Engagierter, zu einer Globalisierung der
Solidarität zu gelangen, sagte der für den "Global Marshall Plan"
tätige Caritas-Weltpräsident. Es gehe um eine gerechte Verteilung der
Güter, so dass wirklich niemand ausgeschlossen werde.
Als besonders großes Problem bezeichnete Rodriguez den Klimawandel,
der starken Einfluss auf die weltweite Armutsentwicklung hat: "Der
Klimawandel macht viel vom Fortschritt in den Entwicklungsländern
zunichte".
Als Beispiel nannte der Kardinal den verheerenden Hurrikan "Mitch",
der 1998 Zentralamerika verwüstete und dabei in seinem Heimatland
Honduras 50 Jahre Fortschritt in der Entwicklung rückgängig gemacht
habe. Mittlerweile hätten sich die Warnungen von Wissenschaftlern
bestätigt, dass solche, von extremen Wetterverhältnissen verursachte
Katastrophen zunehmen würden.
Rodriguez forderte deshalb die Regierungen auf, insbesondere im
Bereich des Klimawandels über die Millenniumsziele hinaus aktiv zu
werden. "Der Klimawandel betrifft alle Menschen, doch die Armen
werden von den Auswirkungen ungleich härter getroffen", so der
Kardinal: "Es ist paradox, dass gerade die Ärmsten für die von den
anderen verursachten Umweltverschmutzung bezahlen müssen". Die
internationale Gemeinschaft habe sich dazu bekannt, den Ausstoß von
Treibhausgasen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent und bis 2050 um 80
Prozent zu senken.
Gründe für ein mögliches Scheitern der Millenniums-Entwicklungsziele
sieht der Kardinal hauptsächlich in einem akuten Mangel an
Vorstellungskraft über die gemeinsame Zukunft. Dabei übte er Kritik,
dass im allgemeinen Denken immer noch die Einteilung in "Dritte Welt"
und "Erste Welt" existiere. Die Idee von der "One World" (Eine Welt)
müsse sich durchsetzen.
Vor dem Vortrag im Kardinal-König-Haus betonte Kardinal Rodriguez
Maradiaga bei einem Gottesdienst in der Konzilsgedächtniskirche in
Wien-Lainz die Notwendigkeit, sich auf den Dienst in den Werken der
Barmherzigkeit - der Caritas im ursprünglichen Sinn - auch geistlich
vorzubereiten. Unerlässlich sei das tägliche Lesen des Wortes Gottes,
der Bibel. (ende)
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