- 27.10.2008, 15:29:03
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Weltbischofsynode: Leichtfried zieht positives Resümee
St. Pöltner Weihbischof vertrat Österreichische Bischofskonferenz bei Beratungen in Rom - Viele Forderungen der Synode in Österreich bereits gut verwirklicht - Wort Gottes in der Kirche aber noch lebendiger machen
Wien, 27.10.08 (KAP) Eine sehr positive Bilanz der Weltbischofssynode
über die Bibel hat der St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried
gezogen. Leichtfried war Delegierter der Österreichischen
Bischofskonferenz bei der Synode, die in den vergangenen drei Wochen
in Rom tagte. Bei einer Pressekonferenz in Wien am Montag arbeitete
er einige wesentliche Schwerpunkte der Bischofsversammlung heraus:
Die Frage nach der Lebendigkeit des Wortes Gottes in der Kirche, die
Einsicht auf die Unverzichtbarkeit der historisch-kritischen Methode
in der Bibelwissenschaft und die starke ökumenische Ausrichtung der
Synode.
Viele Forderungen der Synode nach einer stärkeren Einbindung der
Heiligen Schrift in das kirchliche Leben seien in Österreich schon
recht gut umgesetzt, meinte Leichtfried. Die Bibel stehe den Menschen
hierzulande aufgrund materieller und institutioneller Voraussetzungen
"weit offen", so der Bischof, was in anderen Ländern keine
Selbstverständlichkeit sei.
In Entwicklungsländern würden die Kirchen damit kämpfen, überhaupt
preiswerte Bibelausgaben auf den Markt zu bringen; viel Gläubige
könnten sich aber auch solche Ausgaben nicht leisten. Wenn Sekten
dann mit Gratisausgaben die Menschen für ihre Sache zu ködern
versuchen, sei dies ein großes Problem. Leichtfried mahnte in diesem
Zusammenhang mehr weltkirchliche Solidarität ein, um die Verbreitung
der Heiligen Schrift zu fördern. Ungeahnte Herausforderungen stelle
zudem auch der Analphabetismus in manchen Ländern dar, berichtete der
St. Pöltner Weihbischof.
Häufig sei bei der Synode die Bedeutung der geistlichen Schriftlesung
als "Nahrung für viele Christen" betont worden. Viele Bischöfe hätten
über einen erfreulichen Zuwachs von Bibelgruppen berichtet. Außerdem
sei die Bedeutung der Predigt hervorgehoben worden. Darauf habe auch
sein eigener Debattenbeitrag abgezielt, so Leichtfried. Es gehe ihm
darum, dass Priester genügend Zeit und Energie für die
Predigtvorbereitung aufwenden könnten.
Weiters plädierte Leichtfried einmal mehr für eine verstärkte Aus-
und Weiterbildung der Priester im Bereich von Bibelwissenschaft und
Predigt. Es gehe um eine gelungenere Verbindung von Theologie,
Exegese und Spiritualität, brachte der St. Pöltner Weihbischof sein
Anliegen auf den Punkt: "Priester sollten noch stärker als bisher
biblisch leben".
Bibel verbindet Konfessionen
Ausdrücklich hob Leichtfried die starke ökumenische Prägung der
Synode hervor. "Die Bibel ist das gemeinsame Buch, das die
christlichen Konfessionen verbindet", so der Bischof. Es habe viele
Berichte über erfreuliche ökumenische Initiativen in allen
Kontinenten, etwa bei der Übersetzung und Verbreitung der Heiligen
Schrift, gegeben. Ein deutlich spürbarer Akzent sei die Anwesenheit
von Vertretern wichtiger orthodoxer Patriarchate und Kirchen, des
Lutherischen Weltbundes und der anglikanischen Gemeinschaft gewesen.
Als Höhepunkt in dieser Hinsicht bezeichnete Leichtfried die
gemeinsam gebetete Vesper in der Sixtinischen Kapelle mit Patriarchen
Bartholomaios I. Zum ersten Mal in der Geschichte habe ein orthodoxer
Patriarch eine Rede vor einer katholischen Bischofssynode gehalten,
so Leichtfried.
Nicht weniger bedeutend sei auch die Rede des Oberrabbiners von
Haifa, Shear-Yashuv Cohen, zu bewerten. Einmal mehr sei die
einzigartige Verbundenheit von Christentum und Judentum deutlich
geworden.
Umfangreiche Schlussbotschaft
Zur gemeinsamen Schlussbotschaft der Synode meinte Leichtfried, dass
diese "zu lang, aber eindrücklich und in vielen Passagen sehr
gelungen" sei. Sie bringe die verschiedenen Diskussionsthemen und
Dimensionen der Bischofsversammlung gut zum Ausdruck. So werde etwa
auch dazu aufgerufen, alle Medien und Möglichkeiten zu nutzen um das
"Wort des Lebens" zu verkünden. Die Aufmerksamkeit gelte hier auch
neuen Kommunikationsformen wie dem Internet.
Zwei Gruppen von Menschen würden in dem Schlussdokument besonders
erwähnt: Zum einen die Armen und Unterdrückten, die die ersten
Adressaten der "Botschaft der Gerechtigkeit und der Hoffnung" seien.
Zum anderen diejenigen, die auch heute noch um des Evangeliums willen
verfolgt werden. Die Bibel sei auch heute noch ein "gefährliches
Buch", dessen Besitz in manchen Ländern strafbar sei und die Besitzer
ins Gefängnis bringt, erinnerte Leichtfried. Die verfolgten Christen
würden Zeugnis von der Kraft des Wortes Gottes geben.
Wie der St. Pöltner Bischof weiters sagte, habe sich einmal mehr auch
bestätigt, dass Papst Benedikt XVI. ein ausgezeichneter Zuhörer sei.
Nur zweimal habe der Papst selbst das Wort ergriffen, sonst habe er
aufmerksam die Beratungen verfolgt. (forts.)
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