• 27.10.2008, 13:41:42
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Kothgasser: "Unsere Freiheit ist ein kostbares Gut"

Salzburger Erzbischof feierte am Nationalfeiertag im Stephansdom den Festgottesdienst "für Heimat und Vaterland" - Kritik an "Maßlosigkeit von Menschen", die Ausdruck in der Finanzkrise findet

Wien, 27.10.08 (KAP) Mit einem Festgottesdienst "für Heimat und
Vaterland" ist am Sonntagabend im Wiener Stephansdom der
österreichische Nationalfeiertag begangen worden. Der Salzburger
Erzbischof Alois Kothgasser appellierte dabei an die Gläubigen und
alle Bürger des Landes, mit "Geschenk der Freiheit" behutsam
umzugehen. "Unsere Freiheit ist ein äußerst kostbares Gut. Der Blick
rund um den Globus zeigt, wie viele Menschen nur davon träumen
können, was für uns selbstverständliche Wirklichkeit geworden ist",
betonte Kothgasser am Beginn des Gottesdienstes. Mit der Feier zum
Nationalfeiertag, die heuer zum zweiten Mal stattfand, will die
Kirche am 26. Oktober auch einen geistlichen Akzent setzen. Zum
Abschluss des Gottesdienstes wurde die Pummerin geläutet.

In seiner Predigt übte der Salzburger Erzbischof Kritik an der
Maßlosigkeit von Menschen, die "ständig ihre Grenzen überschreiten".
Ein Ausdruck dessen sei die Finanzkrise, die ihre Ursache offenbar
"in der Maßlosigkeit und Unverantwortlichkeit jener" habe, "die
grenzenlos geworden sind im Begehren und im Besitzen". Es sei viel
Zeit und Geld verloren gegangen, "weil wir uns selber und unsere
Vorteile mehr gesucht haben, als das Wohl und das Heil der Menschen",
mahnte Kothgasser.

Überhaupt müsse man sich die Frage stellen, warum die Menschen heute
Grundrechte des menschlichen Daseins "mit Füßen treten". Entscheidend
sei, wie die Gesellschaft mit ihren Schwächsten umgehe. "Das ist die
Prüfungsfrage schlechthin für alle Verantwortlichen in Kirche und
Staaten und letztlich für jeden von uns", hob der Erzbischof hervor.

"Wo Gott nicht mehr ist, ist auch der Mensch nicht mehr", zitierte
Kothgasser den evangelischen Theologen Heinz Zahrnt. Wo keine
Verantwortung mehr vor einem "gerechten und liebenden Gott"
existiere, werde der Mensch verantwortungslos und zum "Hasser und
Zerstörer" des Menschseins. Vieles hänge in Zukunft davon ab, ob die
Menschheit ihre eigenen Grenzen anerkenne, sagte Erzbischof
Kothgasser. Dazu brauche sie das "Maß der Liebe" aus dem Evangelium.

O-Töne von Erzbischof Kothgasser sind unter
"www.katholisch.at/o-toene" abrufbar. (forts.)
K200809706
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