- 22.10.2008, 18:17:48
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Wiener Zeitung: Unterbergers Tagebuch: "Nicht so in Österreich"
Ausgabe vom 23. Oktober 2008
Wien (OTS) - Das ist die skandalöseste Aussage, die je ein Chef
des ORF gemacht hat: "Hätte es in den USA einen funktionierenden
öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegeben, wäre vor vier Jahren jemand
anderer Präsident geworden." Alexander Wrabetz macht damit unverhüllt
klar, worin der ORF seine Aufgabe sieht: die Ergebnisse von Wahlen
direkt zu beeinflussen.
Manche werden sagen: Für diese Erkenntnis hätte es nicht des
Wrabetz-Satzes bedurft; da genügt es doch, die ORF-Berichte zu
verfolgen. Dennoch ist ein so offenes Eingeständnis mehr als
demaskierend. Die trotz aller Seherverluste noch immer mächtigste
Medienorgel des Landes sieht sich als politische Kampfmaschine.
Außerhalb von Belarus müsste das eigentlich zum Rücktritt führen.
Nicht aber in Österreich - obwohl Wrabetz diesen Satz ausgerechnet
bei der Ankündigung einer "unabhängigen" Studie über den
"öffentlichen Wert" des ORF formuliert hat (die pikanterweise neben
Bund und ORF nur vom Land Wien unterstützt wird). Deren Ergebnis wird
genauso wenig überraschen wie Wahlergebnisse im Wrabetz-Land.
*
Die Lage der AUA ist so katastrophal, dass man Käufer nun schon
mit Steuermitteln ködern muss, den maroden Laden eventuell doch zu
übernehmen. Diese nun regierungsoffiziell eingestandene Situation hat
noch vor wenigen Tagen die AUA-Verantwortlichen (Vorstand,
Betriebsrat, ÖIAG, Finanzminister, Regierung und Sozialpartner) nicht
an einer Lohnerhöhung gehindert, die jenen in florierenden Branchen
gleicht. Der zaghafte und kurzfristige Versuch der AUA, die Sache
doch wenigstens ein paar Zehntelprozent billiger zu machen, wurde mit
empörten Streikdrohungen und dem Gewerkschaftsargument quittiert,
dass da jemand den Käufern einen "Rabatt" schenken wolle.
Weltweit kürzen Fluggesellschaften die Gehälter ihrer Mitarbeiter,
streichen Flüge, schließen Büros, verkaufen Maschinen oder motten sie
ein.
Nicht so in Österreich. Bei der AUA stellen sich ja Käufer in
Schlangen und mit dicken Scheckbüchern an. Sowie mit der
Bereitschaft, auch alle Altschulden zu übernehmen (die nicht zuletzt
von der politisch erzwungenen Übernahme der vorletzten Firma des
berühmten Erfolgsmanagers Niki Lauda herrühren). Auf der Insel der
Ahnungslosen ist es wirklich schwer, keine zynische Satire zu
schreiben.
http://www.wienerzeitung.at/tagebuch
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Tel.: 01/206 99-478
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