• 09.10.2008, 10:09:23
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Zunehmende globale Konjunkturschatten über Österreichs Wirtschaft

Ergebnisse des OeNB-Konjunkturindikators vom Oktober 2008

Wien (OTS) - Infolge der Nachwirkungen des Energie- und
Rohstoffpreisschocks und der internationalen Finanzmarktkrise haben
sich die globalen Konjunkturaussichten zuletzt weiter stark
eingetrübt. Aufgrund ihrer starken Exportabhängigkeit kann sich
Österreichs Wirtschaft nicht von dieser Entwicklung abkoppeln und
wird in der zweiten Jahreshälfte 2008 nahezu stagnieren. Gemäß den
Ergebnissen des OeNB-Konjunkturindikators erwartet die OeNB für das
dritte Quartal 2008 ein Wachstum des realen BIP von 0,2% (saison- und
arbeitstägig bereinigt, im Vergleich zum Vorquartal), im vierten
Quartal wird die österreichische Wirtschaft voraussichtlich nicht
mehr wachsen (+0,0%). Für das Gesamtjahr 2008 ergibt sich aufgrund
der lebhaften Entwicklung zu Jahresbeginn immer noch ein Wachstum des
realen BIP von nahezu 2%. Die stark rückläufige Entwicklung im
Verlauf des Jahres signalisiert jedoch ein wirtschaftlich sehr
schwieriges Jahr 2009. Eine Rezession ist aus heutiger Sicht freilich
nicht wahrscheinlich, sofern nicht weitere unerwartete Schocks
auftreten. Gegenüber der letzten Veröffentlichung des
Konjunkturindikators vom Juli 2008 wurde die Wachstumsprognose für
das dritte Quartal 2008 um 0,2 Prozentpunkt nach unten revidiert.

Die drei Jahre dauernde Hochkonjunkturphase der österreichischen
Wirtschaft ist mit dem zweiten Quartal 2008 endgültig zu Ende
gegangen. Bereits im zweiten Quartal wuchs das reale BIP schwächer
als im langjährigen Durchschnitt. Das Wachstum wurde angesichts
günstiger außenwirtschaftlicher Rahmenbedingungen und der hohen
Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Unternehmen bis zuletzt im
Wesentlichen von der Exportwirtschaft getragen. Vom privaten Konsum,
der üblicherweise in der Reifephase des Konjunkturzyklus die
wichtigste Konjunkturstütze darstellen sollte, gingen hingegen keine
nennenswerten Impulse aus. Die hohe Sparneigung und die gestiegene
Belastung der Haushaltseinkommen durch den starken Preisauftrieb
zeichnen gleichermaßen für diese Entwicklung verantwortlich.
Insgesamt ist der nun zu Ende gegangene Konjunkturaufschwung in
keiner Phase selbsttragend geworden. Deswegen reagiert die
österreichische Wirtschaft - die als kleine offene Volkswirtschaft
ohnehin schon stark von globalen Entwicklungen abhängt - jetzt
empfindlich auf externe Schocks. Dazu zählen neben den starken
Anstiegen der Rohöl-, Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise in den
letzten Jahren derzeit vor allem die von den Finanzmarktturbulenzen
ausgehenden Effekte.

Die Preise auf den Rohstoff- und Nahrungsmittelmärkten bilden sich
seit einigen Wochen wieder zurück, bleiben aber sehr volatil. Im
vierten Quartal 2008 werden jedoch Basiseffekte der Ende 2007
begonnenen Rohstoffpreishausse den Preisauftrieb zusätzlich dämpfen.
Demgegenüber werden die konjunkturellen Folgen der Finanzmarktkrise
noch länger nicht ausgestanden sein. Die Wirtschaft im Euroraum ist
bereits im zweiten Quartal geschrumpft, und auch die Aussichten für
das zweite Halbjahr haben sich merklich eingetrübt.
Parallel zu den internationalen Entwicklungen haben sich auch die
Stimmungs- und Finanzmarktindikatoren in Österreich markant
verschlechtert. Sie signalisieren für das zweite Halbjahr 2008 eine
weitere Konjunkturabkühlung. Österreichs Wirtschaft wird daher -
ähnlich wie im Euroraum - im weiteren Jahresverlauf nahezu
stagnieren.

Die vorliegende Prognose ist mit außergewöhnlich hoher
Unsicherheit behaftet. Das österreichische Finanzsystem ist zwar im
internationalen Vergleich nur in geringem Maße direkt von der
Finanzmarktkrise betroffen, aus heutiger Sicht lassen sich jedoch
weder das tatsächliche Ausmaß der Finanzmarktkrise noch deren
Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und unsere wichtigsten
Handelspartner endgültig abschätzen.

Die nächste Veröffentlichung des OeNB-Konjunkturindikators ist für
Jänner 2009 vorgesehen.

Rückfragehinweis:
Oesterreichische Nationalbank
Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit
Tel.Nr.: (++43-1) 404 20 DW 6666
http://www.oenb.at

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