Finanzmarktkommunikation: In der Krise mit einer Stimme sprechen
Hamburg (ots) -
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Investor Relations-Abteilungen und Pressestellen müssen in der
Krise mit einer gemeinsamen Stimme sprechen. Fehler in der
Kommunikation können ganze Konzerne in existenzielle Schwierigkeiten
bringen, so ein Fazit des gestrigen IR-Forums 2008 von euro adhoc.
Gut 70 Experten für Finanzkommunikation diskutierten in Frankfurt
gemeinsam mit Wirtschaftsjournalisten und Analysten über das Thema
"Investor Relations vor neuen Herausforderungen". Initiator der
Veranstaltung war euro adhoc, der internationale Publizitätsservice
für Pflichtmitteilungen von börsennotierten Unternehmen der
dpa-Tochter news aktuell.
Die gestrige Diskussionsveranstaltung stand ganz im Zeichen der
Finanzmarktkrise und der rasenden Veränderungen in der globalen
Wirtschaft. "Neue Märkte brauchen neue Regeln", sagte Journalist und
TV-Kommentator Hermann Kutzer, der das IR-Forum im Frankfurter Japan
Conference Center moderierte. Das Eröffnungsreferat hielt Dr.
Thorsten Kuthe, Partner bei der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek.
"Viele kleine Änderungen bei den Veröffentlichungspflichten führen zu
möglichen Fehlerquellen. Manches, was gut gemeint ist, wirft in der
Praxis Fragen auf, zu denen nicht immer Antworten vorliegen",
kritisierte Kuthe. Detailinformationen zu Geschäftsergebnissen und
Befreiungsmöglichkeiten bei der Ad-hoc-Publizität und zu
Pflichtmitteilungen im Bereich Directors' Dealings lieferte
anschließend Dr. Jan Gerrit Budäus, Referatsleiter WA 22 bei der
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Ein
weiteres Thema aus dem Bereich Veröffentlichungspflichten, das die
Experten für Investor Relations derzeit beschäftigt, ist die
systematische Digitalisierung von Unternehmenskennzahlen mit Hilfe
des Standards XBRL. "XBRL ist die neue Schlüsseltechnologie der
Kapitalmarktkommunikation", betonte der Geschäftsführende
Gesellschafter von ANUBO XBRL, Dr. Bodo Kesselmeyer. "XBRL-Daten auf
der Unternehmens-Website machen Finanzdaten für Suchmaschinen und für
in- und ausländische Investment Professionals zugänglich. Dies erhöht
massiv die Coverage durch Investment-Professionals." Weniger
euphorisch äußerte sich Franz-Josef Leven, Direktor des Deutschen
Aktieninstituts DAI, zu XBRL. Er machte deutlich, dass die Nachfrage
bei Analysten und Investoren noch viel zu gering ausgeprägt sei, um
XBRL zur gesetzlich definierten Vorschrift zu machen. Auch Kay
Bommer, Geschäftsführer des Deutschen Investor Relations Verbandes
DIRK, zeigte sich gegenüber der neuen Technologie skeptisch. "Der
Barcode XBRL funktioniert schlicht und einfach noch nicht." Der
Standard werde zwar in einigen Ländern erfolgreich angewandt, aber
für den deutschen Kapitalmarkt fehlen noch wichtige Anpassungen an
die nationalen Gesetze, so Bommer weiter.
Der zweite Block des IR-Forums beleuchtete aktuelle
Fragestellungen zu den Themen Non-Financials und Nachhaltigkeit.
Unternehmensdaten, die nur indirekt Auswirkungen auf Geschäftszahlen
wie beispielsweise Quartalsberichte oder Bilanzen haben, sind in der
Wahrnehmung von Analysten und Investoren in den letzten Jahren immer
wichtiger geworden. "Wir stehen am Anfang eines Paradigmen-Shifts.
Environment-, Social- und Governance-Faktoren werden zunehmend in die
Mainstream-Finanzanalyse eingehen. Das aktuelle Reporting genügt den
Anforderungen der Investment Professionals derzeit allerdings noch
bei weitem nicht", erläuterte Claudia Volk, Associate Director bei
der WestLB AG. "In Zukunft werden die Reports ähnliche Strukturen
aufweisen wie traditionelle Finanzberichte", so Volk weiter. Darauf
hofft auch die Firma Henkel, die auf Nachhaltigkeit setzt und dies
auch offensiv an den Finanzmarkt kommuniziert. "Nachhaltigkeit
bedeutet für uns Zukunftsfähigkeit. Wir engagieren uns nicht aus
Altruismus, sondern aus Überzeugung. Umweltschutz und sozialer
Ausgleich sind Vorrausetzungen für den langfristigen
Unternehmenserfolg", erklärte Christine C. Schneider, Manager
Sustainability Issuemanagement bei der Henkel AG & Co. KgaA.
Schneider ist davon überzeugt, dass der Kapitalmarkt die Transparenz
und die Anstrengungen des Unternehmens belohnen wird. "Der gemeinsame
Fokus und die glaubwürdige Umsetzung im Markt stärken unsere Marken
sowie die Reputation unseres Unternehmens", betonte Schneider.
Ähnlich argumentierte Joachim Ganse, Managing Director bei der
Unternehmensberatung Deloitte Deutschland. Er plädierte für die
Etablierung von aussagekräftigen "Sustainable Key Performance
Indicators", um die Werthaltigkeit eines Unternehmens zu definieren.
Cord Dreyer, Chefredakteur und Geschäftsführer der
Wirtschaftsnachrichtenagentur dpa-AFX, führte mit seiner Keynote in
den abschließenden Themenblock "Krisenkommunikation am Finanzmarkt"
ein. Dreyer machte deutlich, dass eine erfolgreiche
Krisenkommunikation nur unter bestimmten Voraussetzungen
funktionieren könne. "Positiv kann eine offene und proaktive
Krisenkommunikation nur dann wirken, wenn die Kommunikatoren sich
bereits ein glänzendes Netzwerk im eigenen Unternehmen sowie an
Märkten und in Medien aufgebaut haben." Außerdem appellierte er vor
dem Hintergrund der aktuellen Finanzkrise an die Unternehmen: "Lassen
Sie Pressestelle und IR mit einer Stimme sprechen. Fehler in der
Kommunikation können ganze Konzerne sehr schnell in existenzielle
Schwierigkeiten bringen." Ähnlich äußerte sich Bernhard Wolf,
Präsident des Deutschen Investor Relations Verbandes (DIRK):
"Überhastete oder hinausschiebende Kommunikation verspielt Vertrauen.
Krisenkommunikation ist ein Teil der IR." Ein Beispiel, wie
Krisenkommunikation am Finanzmarkt erfolgreich sein kann, gab Franz
Nieper, Leiter Investor Relations, Legal & Compliance bei der aleo
solar AG. "Die wichtigste Aufgabe der IR-Abteilung ist die des
Erwartungsmanagements. Die Krise ist ein Wendepunkt in einer
negativen Entwicklung. Die Aufgabe der IR in der Krise ist es daher,
die Veränderung der Erwartungen zu managen", machte Nieper deutlich.
Wie ein Unternehmen in die Krise geraten kann, erläuterte Rolf
Anders, Chefredakteur bei Dow Jones Newswires: "Massive
Kommunikationskrisen sind oft das Resultat unscheinbarer
Fehlentscheidungen zur kurzfristigen Schadensbegrenzung." In der
abschließenden Diskussion wies Roland Tichy, Chefredakteur der
Wirtschaftswoche, darauf hin, dass die eigentliche Gefahr bei einer
Krise deren Skandalisierung sei. Er hielt die Unternehmen an, offen
zu kommunizieren und betonte, dass es eine immer wieder kehrende
Regel gebe: "Die Verleugnung von Krisen nährt die Krise."
Die Referenten des euro adhoc IR-Forums 2008 im Überblick:
* Rolf Anders (Chefredakteur/Managing Editor, Dow Jones Newswires)
* Kay Bommer (Geschäftsführer, DIRK)
* Cord Dreyer (Chefredakteur und Geschäftsführer, dpa-AFX)
* Dr. Jan Gerrit Budäus (Referatsleiter WA 22, BaFin)
* Joachim Ganse (Managing Director, Deloitte Deutschland)
* Dr. Bodo Kesselmeyer (Geschäftsführender Gesellschafter, ANUBO
XBRL)
* Dr. Thorsten Kuthe (Partner, Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek)
* Franz-Josef Leven (Direktor, DAI)
* Franz Nieper (Leiter Abteilung Investor Relations, Legal &
Compliance, aleo solar AG)
* Christine C. Schneider (Manager Sustainability Issuemanagement,
Henkel AG & Co. KGaA)
* Roland Tichy (Chefredakteur, Wirtschaftswoche)
* Claudia Volk, Associate Director, CEFA, WestLB AG
* Bernhard Wolf (Präsident, DIRK)
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Hutchison 3G Austria | 8. Okt. 2008, 12:18
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