- 06.10.2008, 12:42:01
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Impfen in Österreich: Stellenwert der vermiedenen Krankheiten wird unterschätzt
Wien (OTS) - Impfungen gehören zu den einfachsten und wirksamsten
Maßnahmen in der Verhütung von Krankheiten. Dass Nicht-Impfen teuer
werden kann und der Stellenwert von vermiedenen Krankheiten in
Österreich unterschätzt wird, darauf einigten sich Experten bei der
Podiumsdiskussion am 2. Oktober anlässlich des Besuches des
international anerkannten Impfexperten David Bloom im Wiener
Museumsquartier.
"Kann der Verzicht auf Impfungen teuer werden? Kosten und Nutzen
von nationalen Impfprogrammen" - lautete der Titel der
Podiumsdiskussion. Dr. David Bloom, Professor für Wirtschaft und
Internationale Gesundheit an der Harvard Medical School in Boston
sprach in seinem Impulsreferat über den Zusammenhang von Gesundheit
und Wohlstand, den Wert von Impfungen und den Ertrag von
Impfprogrammen. In seinem Vortrag ging Bloom unter anderem auf eine
UNICEF-Studie ein, die sagt, dass zwei Drittel der Todesfälle von
Kindern zu verhindern sind. 19 Prozent der Todesfälle entfallen auf
Pneumonien, die durch eine Impfung verhütet werden könnten. Damit
kommen die Pneumonien noch vor den Durchfallerkrankungen mit 17
Prozent. Nur noch vier Prozent der Kinder sterben an Masern - dies
ist auf die Masern-Impfung zurückzuführen. Zusammengefasst sterben
jedes Jahr aber noch immer drei Millionen Menschen an Krankheiten,
die durch Impfungen zu verhindern wären.
Kosten und Nutzen von Impfungen gegeneinander abwägen
Bloom regte in seinem Vortrag an, dass man erstens Kosten und
Nutzen von Impfung zu Impfung unterscheiden müsse. Es gibt auch immer
mehr ökonomische Studien über Aufwendungen und Einsparungen durch
Immunisierung. Allerdings werde das immer noch zu eng gesehen. Denn
es wird der Gewinn an Lebensjahren oder die Verhinderung von
Krankheitskosten, Spitalsaufnahmen etc. gesehen. Doch der Nutzen geht
weit darüber hinaus. Wenn Kinder aufgrund von Krankheiten seltener in
die Schule gehen, zeigt das später im Leben einen negativen Effekt.
Sie werden schlechtere Jobchancen haben und häufiger an
Langzeit-Behinderungen leiden. Hier gibt es viele Auswirkungen, die
erst nach zehn oder 15 Jahren zu sehen sind, aber üblicherweise
vernachlässigt werden, betonte Bloom. Über die indirekten Kosten wie
beispielsweise den Arbeitsausfall von Eltern, die bei ihren kranken
Kindern zu Hause bleiben müssen, sprach unter anderem MR Dr. Wilhelm
Sedlak vom Impfreferat der Österreichischen Ärztekammer. Er
bezeichnete Impfprogramme auch als "intelligente Sparmaßnahme im
Gesundheitswesen". "Denn durch öffentliche Gelder in nationale
Impfprogramme kann ein Vielfaches an Folge- und Behandlungskosten
sowie Rehabilitationsmaßnahmen eingespart werden", so Sedlak bei der
Podiumsdiskussion. Die eingangs gestellte Frage: "Kann der Verzicht
auf Impfungen teuer werden", beantwortete Mag. Renate Czeskleba vom
Referat für Humanisierung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes,
mit "ja". "Dann wenn es zu Epidemien kommt, die viele Menschen
belasten und für das Gesundheitssystem und die Wirtschaft Kosten
verursachen", so Czeskleba. Eine Lösung bieten Impfungen,
beziehungsweise systematische evidenzbasierte Impfprogramme. Für
diese sind unter anderem nationale Gesundheitsziele, sowie
evidenzbasiertes Wissen über die Wirksamkeit von Impfstoffen
Voraussetzung.
"Die Kunst des Impfens bewegt sich heute im Spannungsfeld zwischen
Impflingen, Industrie, militanten Impfgegnern und der öffentlichen
Hand", so MR Jean-Paul Klein, von der Sektion III des
Bundesministeriums für Gesundheit, Familie und Jugend. Ein
Spannungsfeld sah Klein vor allem zwischen einem Überangebot
hervorragender Impfungen und der zunehmend mangelnden Bereitschaft
der Erziehungsberechtigten, ihre Kinder einer Unzahl von Impfungen zu
unterziehen. "Vor dem Hintergrund der von Herstellern und militanten
Impfgegnern getragenen medialen Konfrontation steigt angesichts eines
überladenen Impfangebotes die Gefahr, dass die Impfbereitschaft
besorgter Eltern auch bei den Kernimpfungen sinkt und dadurch der
Herdenschutz der österreichischen Bevölkerung gefährdet wird", so
Klein.
Zentrale Rolle der Apotheker bei Impfungen
Impfen ist eine der wichtigsten Maßnahmen zum Schutz der
Gesundheit. Dabei kommt auch den Apothekern eine zentrale Rolle zu.
"Wir Apotheker haben bei der Information über die Notwendigkeit von
Impfungen schon immer eine zentrale Rolle gespielt. Unsere Aufgabe
ist es, die Informationen über die Möglichkeit von Impfungen
gemeinsam mit den Ärzten in das Bewusstsein der Bevölkerung zu
bringen. Für uns ist es daher eine gesundheitspolitische Aufgabe,
Impfaktionen für die Bevölkerung in den Apotheken durchzuführen.
Impfen ist die einfachste, effektivste, gesündeste und vor allem auch
kostengünstigste Gesundheitsmaßnahme überhaupt", bekräftigte der
Präsident der Österreichischen Apothekerkammer, Mag. pharm. Heinrich
Burggasser in seinem Statement bei der Podiumsdiskussion.
Die Podiumsdiskussion fand mit freundlicher Unterstützung von
Wyeth statt.
Rückfragehinweis:
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