Attac: Zeit, das Casino zu schließen
Strukturelle Veränderungen nur gegen die Interessen der Finanzindustrie zu erreichen
Wien (OTS) - "Es ist Zeit, das Casino zu schließen", sagt
Attac-Finanzmarktexperte Christian Schoder zur Diskussion um die
Neuregulierung der Finanzmärkte. "Eine nachhaltige Stabilisierung der
Finanzmärkte ist nur gegen Interessen der Finanzindustrie zu
erreichen. Jede weitere Hilfe für die gescheiterten Zocker im
globalen Casino muss daher an einen Systemwechsel gekoppelt sein. Es
reicht nicht aus, auf die Lernfähigkeit der Verursacher der Krise zu
vertrauen - diese werden ohne effektive globale Regulierungen auch
weiterhin auf Kosten der Allgemeinheit die riskante Jagd nach dem
schnellen Profit fortsetzen. Die nächste schwere Finanzkrise ist so
nur eine Frage der Zeit."
Die jahrelange Ignoranz der Politik und der Finanzwelt gegenüber
warnenden Stimmen ist hauptverantwortlich für die aktuelle Krise.
Schon seit Jahrzehnten zeigen alternative
wirtschaftswissenschaftliche Ansätze, dass ungeregelte Finanzmärkte
für wirtschaftliche Instabilität verantwortlich sind. Politik und
Wirtschaft stützen sich jedoch nach wie vor auf die monetaristische
Mainstream-Ökonomie, für die der völlig freie Markt die beste aller
Regulierungen ist. "Die stärkere öffentliche Kontrolle von Banken
hätte man ohne die völlig übertriebene Finanzmarktliberalisierung der
letzten 20 Jahre jedenfalls bedeutend günstiger haben können",
erklärt Schoder: "Die Finanzmärkte haben ein eigenes Universum
geschaffen und sich von ihrer grundsätzlichen und wichtigen Funktion,
nämlich Mittel für Investitionen bereit zu stellen, weitgehend
gelöst."
Die Attac-Vorschläge für mehr Stabilität auf den Finanzmärkte liegen
seit langem auf dem Tisch: Durch Transaktionssteuern, die Koppelung
der Aktienstimmrechte an die Haltedauer und das Verbot von Stock
Options muss das kurzfristige Investitionsverhalten eingedämmt
werden. Steueroasen, die großen Finanzinstituten unkontrolliert und
unbesteuert ihre riskanten Geschäfte ermöglichen, müssen geschlossen
werden. Ähnlich wie bei Medikamenten müssen riskante Finanzprodukte
(Derivate) einer Zulassungspflicht unterworfen, der "Over the
Counter"-Handel mit diesen Produkten muss untersagt werden.
Finanzinstitute, die sich rein auf Spekulation spezialisiert haben
(Hedgefonds) müssen strengstens reguliert werden. Für alle Fonds muss
es eine EU-weite strenge Regulierung geben. Gleichzeitig sollen jene,
die die Krisen verursachen, durch höhere Kapitalertragssteuern einen
größeren Beitrag zur öffentlichen Finanzierung leisten.
"Unregulierte Finanzmärkte haben dazu geführt, dass Gewinne
privatisiert und Verluste sozialisiert werden. Was wenigen Menschen
Millionen eingebracht hat, bedeutet für Millionen Menschen einen
Anstieg von Armut und sozialer Unsicherheit. Dem Zeitalter der
international deregulierten Finanzmärkte muss das Zeitalter der
international regulierten Finanzmärkte folgen", fordert Schoder.
Neues Buch: Attac: (Hg.) Crash statt Cash - Warum wir die globalen
Finanzmärkte bändigen müssen.
ÖGB-Verlag, 2008, ISBN: 978-3-7035-1348-0, EUR 19,90, 194 Seiten
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