- 09.09.2008, 12:22:20
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Diakonie-Kampagne will Menschen mit sozialen Problemen ein Gesicht geben
Chalupka: Kontrapunkt im Wahlkampf - Forderungskatalog an Politik
Wien (OTS) - Menschen mit sozialen Problemen ein Gesicht geben und
damit einen Kontrapunkt im Wahlkampf setzen - das will die neue
Kampagne der Diakonie Österreich, die am Dienstag, 9. September, bei
einer Pressekonferenz in Wien präsentiert wurde. "Über Menschen, die
besondere soziale Bedürfnisse haben, wird entweder gar nicht
gesprochen oder in einer Weise, die ihren Bedürfnissen nicht gerecht
wird", befindet Diakonie-Chef Michael Chalupka. Im Fokus der Kampagne
"Nähe ist Diakonie" stehen Menschen mit intellektueller Behinderung,
pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen sowie Menschen auf der
Flucht und MigrantInnen. Neben Plakaten zur Kampagne erstellte die
Diakonie eine Forderungsliste an die zukünftige Bundesregierung und
einen Fragenkatalog für Wählerinnen und Wähler, beides zu finden im
Internet unter www.diakonie.at.
Meichenitsch: Flächendeckende integrative Schulausbildungen
Menschen mit intellektueller Behinderung kämen in den Argumenten der
wahlwerbenden Gruppen kaum vor, obwohl ihre Teilnahme an der
Gesellschaft noch lange nicht gegeben sei. Chalupka: "Wir haben es
geschafft, dass es normal ist, dass Kinder mit Behinderungen in die
Schule gehen. Was wir schaffen müssen, ist, dass es als abnormal
gilt, wenn eine Schule keine Schülerinnen und Schüler mit
Behinderungen aufnimmt." Katharina Meichenitsch, Sozialexpertin der
Diakonie, wies auf die Defizite im Bereich der Frühförderung hin.
Angebote wie die frühe Kommunikationsförderung müssten in ganz
Österreich kostenlos zur Verfügung stehen, derzeit gebe es diese
Förderung nur in einem Bundesland. Notwendig seien flächendeckende
integrative Schulausbildungen sowie angepasste Ausbildungsformen, die
auf die Bedürfnisse von Jugendlichen mit intellektueller Behinderung
zugeschnitten sind. Rund 17.000 Menschen arbeiten derzeit
österreichweit in geschützten Werkstätten, allerdings ohne eigene
Sozialversicherung. Für sie fordert die Diakonie einen
Pensionsanspruch, "um Teilnahme am Leben zu ermöglichen", bemerkte
die Sozialexpertin.
Riedl: Zuwanderung als Chance
Im Bereich Asyl und Migration erneuerte Christoph Riedl,
Geschäftsführer des Diakonie Flüchtlingsdienstes, die Forderung nach
einer unabhängigen Bleiberechtsbehörde. Menschen, die schon seit
mehreren Jahren in Österreich leben, sollen im jeweiligen Bundesland
Anträge auf ein Bleiberecht einbringen können, wobei auch das
persönliche Umfeld, Gemeinde und Bezirkshauptmannschaft eingebunden
werden sollen. Aufgabe der neu zu schaffenden unabhängigen
Bleiberechtsbehörde wäre es, "die Anträge von Betroffenen aufgrund
transparenter und menschenrechtskonformer Kriterien" zu überprüfen.
Weiters fordert die Diakonie ein Ministerium für Integration, das
Migrationsthema dürfe nicht länger nur unter dem Sicherheitsaspekt
behandelt werden. MigrantInnen dürften nicht mehr an eine "gläserne
Decke" stoßen, der öffentliche Dienst etwa sollte für MigrantInnen
geöffnet werden. Von ernsthafter Integration könne nur die Rede sein,
"wenn diese auch rechtliche Gleichstellung, soziale Chancengleichheit
und die Wahrung und Förderung kultureller Vielfalt bedeutet". Darüber
hinaus brauche es eine "rasche und faire" Abwicklung von
Asylverfahren, denn: "Zuwanderung muss als Chance und nicht als
Bedrohung begriffen werden."
Mit den Plakaten, die auch an alle evangelischen Pfarrgemeinden
ausgeschickt wurden, und der Website will die Diakonie-Kampagne den
dringendsten Handlungsbedarf aufzeigen, denn, so Chalupka
abschließend: "Die Politiker wissen, wie es gehen könnte, umgesetzt
wird es jedoch nicht."
Rückfragehinweis:
epdÖ
Tel.: (01) 712 54 61 DW 12
Dr. Thomas Dasek
mailto:[email protected]
http://www.evang.at
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