• 02.09.2008, 08:33:33
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Falter: Ariel Muzicant nennt Abu-Nidal Urteil eine "Sauerei"

Kultusgemeinde-Präsident: "Ich kann mich über die Blindheit der Richter nur noch ärgern"

Wien (OTS) - In der morgen Mittwoch erscheinenden Ausgabe der
Wiener Stadtzeitung "Falter" übt Ariel Muzicant, der Präsident der
israelitischen Kultusgemeinde, schwere Kritik an der Justiz.
Angesprochen auf jenes erstinstanzliche Urteil, mit dem ein
6-Millionen Euro Konto der einst auch in Wien wütenden Abu-Nidal
Gruppe (AN0) freigegeben wird, sagt Muzicant wörtlich: "Ich halte
dieses Urteil für eine Sauerei. Damals wurden vor dem Tempel eine
schwangere Frau und ein 86-jähriger Mann umgebracht. Deren Angehörige
leben heute noch. Sie werden um ihren Schadenersatz geprellt".

Ein Gericht hatte kürzlich das einst von Terroristen der ANO
angelegte Konto mit der Begründung freigegeben, die Terrortruppe habe
sich aufgelöst und die Terroristen von einst seien nur "privat"
unterwegs. Die Staatsanwaltschaft Wien jedoch geht davon aus, dass
das in Wien gebunkerte Geld "unzweifelhaft" an Terroristen in Nahost
gehen werde. Die Abu-Nidal-Gruppe ist für den Mord an Stadtrat Heinz
Nittel, sowie für die Anschläge auf die Wiener Synagoge und den El-Al
Schalter am Flughafen Schwechat verantwortlich. Muzicant verweist im
"Falter" darauf, dass die Kultusgemeinde seit den Anschlägen durch
die ANO in den 80er Jahren pro Jahr drei Millionen Euro für
die Bewachung jüdischer Einrichtungen zu tragen hat. "Das meiste
müssen wir selbst bezahlen", so Muzicant. Der Präsident übt auch
Kritik an einzelnen Richtern: "Ich kann mich über die Blindheit
österreichischer Richter nur noch ärgern. Schon der Holocaust-Leugner
David Irving wurde ja mit dem Argument vorzeitig entlassen, er werde
sich bessern. Bereits im Flieger leugnete er wieder die Existenz von
Gaskammern. Es würde mich nicht wundern, wenn das Abu-Nidal-Geld
wieder zur Finanzierung des Terrors dient."

Muzicant übt auch Kritik am laufenden Wahlkampf: "Heute noch
scheuen sich SPÖ und ÖVP davor, manche Kader der FPÖ als das zu
bezeichnen, was sie sind: Kellernazis. Dabei haben viele
FPÖ-Politiker den Holocaust und die Gaskammern geleugnet."

Rückfragehinweis:

Dr. Florian Klenk
   Falter. Stv. Chefredakteur
   Marc Aurelstraße 9, 1011 Wien
   Tel: +43-1-53660-924
   Mobil: +43-676-4061106
   [email protected]
   www.falter.at

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