• 26.08.2008, 09:18:37
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Falter: Neue Enthüllungen über Terrorkonten-Prozess in Wien

Millionenkonto der Abu-Nidal-Gruppe freigegeben. Urteil bestätigt, dass Geld einst Terroristen gehörte. Verfassungsschutz und Staatsanwalt warnten vor Anschlägen.

Wien (OTS) - Ein spektakuläres, der Wiener Stadtzeitung Falter
vorliegendes erstinstanzliches Urteil in einem Wiener Terror-Prozess
empört die Opfer des Terroristen Abu Nidal und es verstört
Staatsanwälte und Geheimdienstler. Wie gestern verlautete, wurden vom
Wiener Landesgericht ein eingefrorenes Sechs-Millionen Euro
freigegeben, weil es doch nicht der Abu-Nidal Gruppe (ANO) gehöre, so
eine Gerichtssprecherin. Doch in der schriftlichen Fassung des
Urteils liest es sich völlig anders. Das Geld, so führt Richter
Thomas Hahn aus, sei unter der "Verfügungsgewalt" der ANO gestanden
und von dieser in Wien gebunkert worden. Nun seien die Terroristen
von einst aber nur noch "privat" und daher ungefährlich. "Die
mutmaßlichen Terroristen bekommen das Geld und wir gehen leer aus",
protestiert ein Opfer der Anschläge auf die Wiener Synagoge im August
1981. Der Anwalt der verdächtigen Halime N., Farid Rifaat, begrüßt
das Urteil. Seine Mandantin sei nur eine unschuldige Hausfrau.

Das Gericht sieht es anders: Abu Nidals Vertrauter, der
Geschäftsmann Samir Najmeddin, habe die Millionen durch Waffendeals
mit der DDR für die Terrororganisation beschafft. Seine Frau, die in
Wien angeklagte Halime N., habe es das Vermögen in den Achtziger
Jahren auf Wiener Konten angelegt. Diese Halime N., genannt die
"Sanfte" wurde im Jahr 2000 wegen Mitgliedschaft in der Abu-Nidal
Gruppe in Wien verhaftet. Sie kam auf Kaution frei - und floh in den
arabischen Raum. Nun erhält sie auch ihre Millionen zurück.

"Eine naive, eine gefährliche Entscheidung", sagt ein in den Fall
eingearbeiteter hoher Justizfunktionär, der namentlich nicht genannt
werden will, zum Falter. Das Geld, so behauptete es auch der Wiener
Staatsanwalt Walter Geyer in einem Schriftsatz, der dem Falter
exklusiv vorliegt, werde im Falle einer Freigabe ja "unzweifelhaft",
"für terroristische und damit für kriminelle Anschläge im Nahen Osten
verwendet werden". Der Prozess offenbarte auch, dass die Tochter Abu
Nidals jahrelang in Wien Alsergrund lebte.

Auch das Bundesamt für Verfassungsschutz ist besorgt. Ein für den
arabischen Raum zuständiger Wiener Verfassungsschützer bemerkte laut
dem Falter vorliegenden Akten, dass die Organisation weiterhin im
Libanon aktiv sei. Der Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz,
Peter Gridling, weiß sogar von Terror-Drohungen der Abu Nidal Gruppe
gegen Österreich zu berichten. Der Wiener Verfassungsschutz, so
berichtete er, habe über "befreundete westliche Diensten" mehrere
ernst zu nehmende Drohbotschaften erhalten. In einer hieß es: "Wir
werden das Geld in jedem Falle bekommen. Wir bevorzugen eine
friedliche, politische Lösung. Das Geld bleibt eine Schuld des
Staates Österreich an die ANO (Abu Nidal Organisation, Anm.). Wir
werden es auf jeden Fall von dort holen."

Rückfragehinweis:

Dr. Florian Klenk
   Falter. Stv. Chefredakteur
   Marc Aurelstraße 9, 1011 Wien
   Mobil: 0043 676 406 1106
   Büro: 0043 1 53660-924
   mailto:[email protected]

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