Linz (OTS) - Das Thema Schlaganfall betrifft jeden, die Gefahr
einer dauernden Behinderung ist so groß wie bei keinem anderen
Krankheitsbild. Die Auswirkungen eines Schlaganfalles machen in 55
Prozent aller Schlaganfälle ein Weiterleben in gewohnter Art und
Weise für die Betroffenen und deren Familien unmöglich. Zudem steigt
die Lebenserwartung der Bevölkerung stetig an: Der Schlaganfall ist
statistisch gesehen eine Alterserscheinung, nicht zuletzt aus diesem
Grund widmet die OÖGKK gemeinsam mit dem Land OÖ dem Krankheitsbild
"Schlaganfall" breite Aufmerksamkeit und startete daher das
gemeinsame Projekt "Integrierte Versorgung Schlaganfall" - kurz
"IVS". Unter dem Motto "WISSEN. ERKENNEN. HANDELN - GEMEINSAM GEGEN
SCHLAGANFALL" sollen Verbesserungen und Standards in der
Schlaganfallversorgung gemeinsam geplant und umgesetzt werden.
Letztlich sollen das Wissen über richtiges Handeln beim akuten
Schlaganfall und die Vorsorge verbessert werden.
In der Versorgung eines Schlaganfalles spielt der Faktor Zeit eine
zentrale Rolle, aus diesem Grund ist ein funktionierendes
"Notfallmanagement" innerhalb von drei Stunden ab dem Schlaganfall
Ausgangspunkt für eine effiziente Versorgung. Das richtige Erkennen
eines - möglichen - Schlaganfalles und der sofortige Notruf durch die
Betroffenen oder deren Angehörige ist unumgänglich. Die ärztliche
Hilfeleistung muss so rasch wie möglich eingeleitet werden.
IVS - Therapie für die Therapie
Integrierte Versorgung bedeutet, die Abstimmung zwischen den am
"Schlaganfall-Prozess" beteiligten Institutionen aus Sicht der
Krankenversorgung zu verbessern: Transport - Diagnose - Therapie -
Anschlussheilverfahren - Reha - Betreuung durch den niedergelassenen
Arzt/ die niedergelassene Ärztin. Weiters sind bei den Versorgern
(Spitäler ...) hausinterne Verbesserungen durch den Vergleich und die
Diskussion von Daten vorgesehen, daraus sollen für alle am
Versorgungsprozess beteiligten gemeinsame Ziele und Standards
entwickelt werden.
Anlass und Ausgangspunkt für das Projekt IVS war
- das österreichische Gesundheitsqualitätsgesetz (GQG) aus dem Jahr
2004, das vorschreibt, Patientenorientierung, Transparenz,
Effektivität und Effizienz nachhaltig zu entwickeln, umzusetzen und
regelmäßig zu evaluieren.
Weitere Ziele von IVS, die in OÖ berücksichtigt werden, sind die
Sicherung der Gesundheitsversorgung auf hohem Niveau, Regionen- und
sektorenübergreifende Planung, Steuerung und Finanzierung, Schaffung
einer Datengrundlage und Austausch von Informationen, sowie
umfassende Informationen für die Bevölkerung.
Schlaganfall - Neuerkrankungen ("Inzidenz") pro Jahr
Internationale Zahlen ergeben 250 Schlaganfälle je 100.000
Personen, das ergibt für OÖ eine Zahl von 3.500 - 4.000
Neuerkrankungen pro Jahr. Schlaganfall ist statistisch gesehen eine
Alterserscheinung: 50 Prozent der Betroffenen sind älter als 75
Jahre, 65 Prozent älter als 65 Jahre. Die Sterblichkeit
("Mortalität") im ersten Jahr nach dem Schlaganfall beträgt laut
Literatur 37 Prozent der Betroffenen, 20 - 30 Prozent sterben bereits
innerhalb des ersten Monats - in der Folge geht dieser Wert
kontinuierlich zurück auf unter 10 Prozent. 55 Prozent der
Betroffenen müssen mit bleibenden Behinderungen unterschiedlichen
Ausmaßes leben.
Schlaganfall-Prävalenz (Vorhandene Kranke mit Krankheitsbild)
Bezüglich der vorhandenen Krankheitsfälle sprechen internationale
Zahlen von ca. 1,14 Prozent der Gesamtbevölkerung (in Studien finden
sich Angaben von 580 - 800 auf 100.000 Einwohner). Aufgrund dieser
internationalen epidemiologischen Daten ergeben sich für OÖ ca.
14.000 Betroffene. Ca. 85 Prozent der Schlaganfälle sind Ischämische
Infarkte (Verschluss eines Gefäßes), 15 Prozent sind Blutungen.
Juvenile ("Jugendliche") Insulte machen fünf bis zehn Prozent der
Gesamtzahl aus.
Schlaganfall: Kosten
Schlaganfall ist eine der volkswirtschaftlich bedeutendsten
Erkrankungen, 20.000 Österreicher pro Jahr (jeder vierte Mann und
jede fünfte Frau bis 85 Jahre) sind betroffen, 6.500 davon sind
berufstätig. Nach Berechnungen des "Erlangener Schlaganfallregisters"
(D) kommen die lebenslangen Kosten bei Schlaganfällen pro Fall auf
43.000 Euro. Allein im ersten Jahr nach dem Ereignis fallen Kosten
von 18.500 Euro an, 37 Prozent davon für die Rehabilitation, der Rest
für die Therapie. In den ersten vier Jahren nach einem "Stroke"
(englisch für Schlaganfall) entstehen 40 Prozent der Kosten für die
ambulante Behandlung, 22 Prozent für die stationäre Behandlung, 21
Prozent für die Rehabilitation und 17 Prozent für bezahlte
Pflegemaßnahmen. Die mittlere Dauer der Belagstage im Krankenhaus
beträgt bei SchlaganfallpatientInnen in OÖ neun Tage (Quelle:
IVS-Datawarehouse). Die Reha dauert im Schnitt vier Wochen, bei
manchen Patienten um zwei bis drei Wochen länger, sehr schwer
betroffene Patienten und Patientinnen sind gelegentlich Monate in der
Frühreha und dann noch in einem Zentrum, dies sind aber Ausnahmen.
"Time is brain": Drei Stunden Zeit für gerettetes Hirngewebe
Wichtig ist, dass ein Schlaganfall innerhalb von drei Stunden ab
Eintritt des Ereignisses medizinisch behandelt wird: Jede Minute
zählt. Die Verantwortung für die rasche Einleitung des Transportes
haben wir alle. "Wissen - erkennen - handeln - gemeinsam gegen
Schlaganfall" betrifft also uns Alle. In Oberösterreich ist eine
hochwertige und flächendeckende medizinische Versorgung
sichergestellt. Im Zweifel - bei Eintritt eines Schlaganfall-Symptoms
- ist die sofortige Verständigung des Arztes oder der Rettung das
Gebot der Stunde!
Ziel: Mehr Bewusstseinsbildung - Reduktion der Schlaganfälle
Die internationale Fachliteratur lässt einen starken Zusammenhang
zwischen Blutdruck und Häufigkeit des Schlaganfalles vermuten. Je
besser der Blutdruck kontrolliert ist, desto besser ist das Ergebnis
bei den Neuerkrankungen. Da die Lebenserwartung aber ständig und
stetig steigt, und der Schlaganfall typischerweise eine Erkrankung
des höheren Lebensalters ist, steigt auch die Häufigkeit von
Schlaganfällen stetig. Ziel dieses Projektes ist es auch, diesem
Trend durch effektive Bewusstseinsbildung entgegenzuwirken und sowohl
die Zahl der Schlaganfälle als auch die Folgeschäden und
Behinderungen erheblich zu senken.
Rückfragehinweis:
OÖ Gebietskrankenkasse
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Mag. Michael Schumm
Tel.: 05 78 07 - 10 22 22
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