- 24.07.2008, 18:11:11
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Die Wahrheit ist manchmal bitter
"Presse"-Leitartikel, vom 25. Juli, von Josef Urschitz
Wien (OTS) - Auch wenn das viele Politiker nicht einsehen wollen:
Die AUA hat bei ihrer Partnersuche keine große Wahl.
Die AUA, ein stolzes Unternehmen mit aktuell 99 Passagierflugzeugen,
ist an der Börse gerade noch so viel wert wie 1,5 (in Worten:
eineinhalb) besser ausgestattete Jumbo-Jets. Das heißt im Klartext,
dass die internationalen Großanleger über das Unternehmen das Urteil
"Hopfen & Malz verloren" gefällt haben.
Seit einigen Tagen steigt der Kurs aber wieder überaus stark. Das
heißt übersetzt: Einige haben doch Hoffnung geschöpft, dass es noch
was werden kann. Diese Hoffnung nährt sich aus dem vagen Verdacht,
einige Noch-Regierungsmitglieder seien trotz Vorwahlgeplänkels so
weit zu Sinnen gekommen, dass sie der ÖIAG nun doch kurzfristig den
Auftrag für einen zumindest Teilverkauf des verbliebenen
AUA-Staatsanteils erteilen. Und dass dieser Teil dann an einen
strategischen Partner geht, der damit auch - im Sinne der heimischen
Fluggesellschaft - etwas anfangen kann.
Zuletzt konnte man sich ja nur mit Grausen abwenden: Da ging es im
Sturzflug bergab, begleitet von sinnentleerten Keppeleien im Stile
der Muppet-Show aus Parlaments-Hinterbänken. Da war von "Prüfung
aller Varianten", von "Standort" und anderen schönen, in Wirklichkeit
längst geklärten Dingen die Rede. Da wurden von Wichtigmachern die
abenteuerlichsten Varianten ins Spiel gebracht. Und dem Unternehmen
lief unterdessen die Zeit davon.
Dabei ist allen Experten - wohl auch dem AUA-Vorstand - längst klar,
wie der Hase läuft: Die österreichische Fluggesellschaft ist im
anlaufenden Konzentrationsprozess der europäischen Luftfahrt für
einen "Big Player" zu klein und für eine Nischenairline zu groß. In
dieser Sandwichposition muss sie sich mit einem Großen in welcher
Form auch immer arrangieren - oder sie wird abstürzen. Die viel
beschworene "Stand alone"-Lösung ist die bestgeprüfte: Sie hat einen
jahrzehntelangen Praxistest hinter sich - und nicht bestanden.
Das ist wirklich nichts Neues: Luftfahrtexperten prophezeien das seit
gut einem Jahrzehnt. Und so lange war das (teilweise unter wütendem
Dementi-Geheul aus der AUA-Zentrale) auch in dieser Zeitung zu lesen.
Man muss den diversen AUA-Vorständen und auch dem Haupteigentümer
ÖIAG also durchaus den Vorwurf machen, eine absehbare Entwicklung
durch (politisch motivierten) hinhaltenden Widerstand unnötig
verkompliziert zu haben.
Womit wir bei den jetzt möglichen Partnern wären: Die AUA und der
Flughafen Wien brauchen einen Partner, der ihnen in seinem Netz eine
spezielle Nischenrolle zuteilt. Das könnte beispielsweise ein
Verkehrsknoten für kleinere Airports in Osteuropa und im Mittleren
Osten sein. Eine Rolle, die die AUA jetzt schon mit ihrem
Osteuropa-Netz spielt.
Von den vielen möglichen Partnern, die genannt wurden, könnten nur
zwei diese Rolle ernsthaft unterstützen: AirFrance/KLM und Lufthansa.
Nur die beiden können ausreichend Passagiere für dieses Netz
"hereinschaufeln". Wir wollen ja der sicher fundierten
Boston-Consulting-Studie nicht vorgreifen: Aber zu einem viel anderen
Schluss kann die auch nicht kommen.
Und jetzt sehen wir uns einmal die Perle der AUA (und des Wiener
Flughafens), nämlich das Osteuropa-Netz, genauer an: Das lebt
derzeit, weil der österreichische Markt dafür zu klein ist,
hauptsächlich von Passagieren, die über die deutsche Airline (und die
Star-Alliance-Partner) nach Wien kommen. Die Lufthansa muss diesen
Verkehr aber nicht über Wien leiten. Wenn sie ausgebootet wird, ist
das viel gerühmte Osteuropa-Netz also erst einmal tot. Außer es
gelingt der Air France, schnell ausreichend Ersatz zu beschaffen.
Aeroflot, Air China oder Mittelost-Geschäftsleute mit zu viel Geld
ergeben in diesem Universum keinerlei Sinn.
Eine Wahrheit, gegen die sich viele sträuben mögen, der man aber ins
Gesicht sehen sollte. Denn eines ist klar: So gut und
serviceorientiert die AUA auch sein mag - Fluggesellschaften dieser
Größenordnung braucht in einem Europa ohne nationale
Fluggesellschaften - und das Konzept der nationalen Airline ist
wirklich mausetot - niemand mehr. Außer, sie können etwas, das andere
nicht können. Oder sie bringen einem stärkeren Partner so viel
Nutzen, dass er sie innerhalb seines Netzwerkes als eigene Marke
leben lässt. Wie das beispielsweise Niki Laudas "fly Niki" bisher
erfolgreich unter den Fittichen der (freilich selbst strauchelnden)
Air Berlin praktiziert. Wenn sich diese Erkenntnis bis in die
Noch-Regierung durchspricht und auch zu entsprechenden Aktionen
führt, dann gibt es wieder Hoffnung.
Rückfragehinweis:
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