• 03.07.2008, 12:23:37
  • /
  • OTS0168 OTW0168

Bartenstein: Die nicht verbrauchte Kilowattstunde ist die effizienteste

Entwurf für "Grünbuch Energieeffizienz" - Klimaschutz und Energieeffizienz als zentrale Herausforderung - alle Möglichkeiten ausnützen, aber keine Produktionsverlagerungen

Wien (BMWA/OTS) - "Die nicht verbrauchte Kilowattstunde ist die
effizienteste Kilowattstunde. Wir müssen uns daher mit
Energieeffizienz auseinandersetzen, denn die ist im Kontext der
möglichen und wichtigen Klimaschutzmaßnahmen eine der
Top-Prioritäten. Steigerungen bei der Energieeffizienz ergeben sehr
oft Win-win-Situationen: es drohen keine Benachteiligungen oder
sonstige Unannehmlichkeiten und sie nützen dem Klima.", sagte
Energieminister Martin Bartenstein zu dem von der E-Control im
Auftrag des Wirtschaftsministeriums erstellten Entwurf für ein
"Grünbuch Energieeffizienz". Die Eckpunkte des Grünbuchs wurden heute
von Minister Bartenstein gemeinsam mit E-Control-Geschäftsführer
Walter Boltz und dem früheren deutschen Bundesumweltminister Klaus
Töpfer vorgestellt.

Steigerungen der Energieeffizienz seien notwendig, wenn auch nicht
leicht zu erzielen, wobei die hohen und immer noch steigenden
Energiepreise die Umsetzung unterstützen, so Bartenstein. Erschwerend
sei in Österreich vor allem die Kompetenzlage: Der Großteil der im
Grünbuch aufgezählten 28 Maßnahmen falle in den Zuständigkeitsbereich
der Länder. Aber, so der Minister: "Es gibt in der Energiepolitik
keine Einzellösungen, kein Entweder-Oder, sondern man muss an allen
Rädern drehen, die zur Verfügung stehen."

Angesichts internationaler Energieperspektiven, die ohne
Gegenmaßnahmen bis zum Jahr 2050 ein Anwachsen der CO2-Emissionen um
130 Prozent auf 62 Milliarden Tonnen vorhersagen (wobei weniger als
ein Drittel aus den OECD-Ländern kommen werde, so dass auch die
Schwellenländer in die Pflicht zu nehmen seien), bilde Klimaschutz
und Energieeffizienz die zentrale Herausforderung unserer Zeit,
betonte Bartenstein. Weltweit werde daher der Fokus auf mehr
Energieeffizienz, stärkeren Einsatz von erneuerbaren Energieträgern
und die Diversifizierung von Lieferländern gelenkt. Energieeffizienz
werde daher ein Schwerpunkt der aktuellen französischen
Präsidentschaft und beim informellen Energie-Rat am 4. und 5. Juli in
Paris sein, sowie beim Treffen der Energieminister der G8 und auch
beim G8-Gipfel. Die Bedeutung der erneuerbarer Energieträger sei
daran zu erkennen, dass im Vorjahr insgesamt 150 Milliarden Dollar
investiert worden sind. Bartenstein: "Die Finanzmärkte dieser Welt
reagieren bereits und lassen Geld in diese Sparte fließen, weil dort
Geld zu verdienen sein wird."

Man müsse sich bewusst sein dass im internationalen Zusammenhang
Kernkraft wieder eine größere Rolle spiele. Aber für Österreich, so
Bartenstein, "ist und bleibt Kernkraft sicher keine Option". Aber man
müsse kritisch beobachten, was rund um Österreich vorgehe, da die
G8-Staaten vermehrt auf diese aus österreichischer Sicht nicht
nachhaltige Energie setzen.

Der Bruttoenergieverbrauch in Österreich, so Bartenstein, sei seit
1990 um 36 Prozent gestiegen. Dieser Zuwachs sei aber lediglich zu 27
Prozent durch erneuerbare Energieträger abgedeckt worden. Österreich
habe gut ein Viertel dieses Zuwachses durch erneuerbare Energieträger
abdecken können, in den 15 "alten" EU-Ländern sei dieser Anteil nur
bei rund 15 Prozent gewesen.

Ein besonders großes Effizienz-Potenzial sieht Bartenstein im
Bereich der Raumwärme, der rund dreißig Prozent des Endverbrauches
ausmache, bei der privaten Mobilität und bei den Privathaushalten.

Es gehe aber auch um den Abbau von Umwandlungsverlusten im
Stromnetz durch die Schließung der Lücken im 380 kV-Netz in Salzburg
und in der Steiermark, den Ausbau der Fernwärmeversorgung und in der
Errichtung von Kraft-Wärme-Kopplungen

Eine deutliche Absage kam vom Minister an eine
Produktionsverlagerung von energieintensiven Produkten in andere
Staaten: "Das wäre doppelt sinnlos, eine Lose-lose-Situation statt
einer Win-win-Situation. Und wir werden uns daher mit unseren
Bündnispartnern in der Europäischen Union stark dafür machen, das
nicht zu tun. Wenn wir energieintensive Industrien aus Europa
vertreiben, verlieren wir Arbeitsplätze und Standortqualität, und die
Produktion derselben Menge Stahl oder Zement in anderen Ländern
dieser Welt würde deutlich mehr CO2-Ausstoß ergeben, bei Stahl in
China etwa doppelt so viel wie aus einem sauberen europäischen Werk,
etwa in Linz."

Vorschläge mit einer Steuersenkung zum Ausgleich für die
steigenden Energiepreise zu reagieren, hält Bartenstein für
kontraproduktiv. Das sei ein falsches Signal und auch gar nicht
leistbar. Er spreche sich vielmehr für Hilfsmaßnahmen für jene
Menschen aus, die steigenden Energiekosten und die hohe Inflation in
besonderem Maß treffen: sozial Schwache und jene, die beruflich auf
einen PKW angewiesen sind. In Diesem Zusammenhang verwies Bartenstein
auch auf die seit 1. Juli wirksame Anhebung von Kilometergeld und
Pendlerpauschale sowie die Lohnnebenkostensenkung im
Niedriglohnbereich.

Das "Grünbuch Energieeffizienz"

Nach der heutigen Präsentation und Diskussion des Entwurfs für ein
"Grünbuch Energieeffizienz" erfolgt dessen Endabstimmung öffentlich
über den Sommer. Alle Stakeholder sind eingeladen, noch weitere
Inputs zu leisten. Ziel ist umfassender Leitfaden, der
Maßnahmenbündel für die wichtigen Bereiche beinhaltet und eine
Grundlage für die Umsetzung der Energie-Effizienz in Bund, Ländern
und Gemeinden liefert.

Weitere Details stehen auf der Website des Bundesministeriums für
Wirtschaft und Arbeit (www.bmwa.gv.at) in der Rubrik "Presse" im
Anschluss an diesen Text zur Verfügung.

Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
Ministerbüro: DI Holger Fürst, Tel.: (01) 711 00-5280
Referat Presse: Dr. Harald Hoyer, Tel.: (01) 711 00-5130
mailto: [email protected]
Internet: http://www.bmwa.gv.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | MWA

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel