- 27.06.2008, 16:52:33
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ORF verweigert sich nicht der Quotendebatte
ORF und Initiative sos-musikland.at eröffnen Gespräche über verstärktes Radio-Airplay für Musik aus Österreich und rasche Präzisierung gemeinsamer Quotenziele.
Wien (OTS) - Im Zug der laufenden Diskussion zum Thema
"Österreichische Musik im österreichischen Radio. Quote ja oder
nein?" hat sich der ORF bereit erklärt, in einen Diskurs mit den
heimischen Musikschaffenden und ihren Interessensverbänden
einzutreten. Ein erstes Gespräch mit Hörfunkdirektor Dr. Willy
Mitsche und den Senderchefs von Ö3 (Georg Spatt), FM4 (Monika
Eigensperger) und Ö1 (Prof. Alfred Treiber) fand heute im Wiener
Funkhaus statt.
Im Vorfeld hatten sich Musikschaffende und Interessenvertreter
unter dem Signet SOS-Musikland.at zusammengefunden, um die
Forderungen nach einer verstärkten Berücksichtigung heimischer Musik
in den öffentlich-rechtlichen Sendern des Landes zu präzisieren und
öffentlich zu untermauern. Unterstützt wird die Initiative erstmalig
von einer breiten institutionellen Koalition, namentlich der
Musiker-Komponisten-AutorenGilde, dem Österreichischen Musikrat
(ÖMR), der KulturGewerkschaft (KMSfB), dem Verband der
Österreichischen Musikwirtschaft (IFPI), dem Verband unabhängiger
Tonträgerunternehmen, Musikverlage und Musikproduzenten Österreich
(VTMÖ) und dem Fachverband der Audiovisions- und Filmindustrie
innerhalb der Wirtschaftskammer (FAF).
Eine verbindliche Vereinbarung gleichberechtigter Partner und ein
ständiger, konstruktiver Dialog erscheinen SOS-musikland.at als
wünschenswerte, aber keinewswegs einzig mögliche Lösung. Auch für
Privatradios könnten in Hinkunft staatliche Fördermittel, wie sie
aktuell vom Verband der österreichischen Privatsender gefordert
werden, mit freiwilligen Quotenvereinbarungen oder einer
Quoten-Regelung durch den Gesetzgebers verknüpft werden. Die konkrete
Formulierung von Zielen und begleitenden Maßnahmen nach dem Muster
der erfolgreichen "Charta der Schweizer Musik" zur gesetzeskonform
angemessenen Berücksichtigung heimischen Repertoires im
Programmangebot wird derzeit ORF-intern diskutiert. Als nächster
Schritt wurde eine weitere Verhandlungsrunde noch Ende Juli 2008
vereinbart.
Seitens der Plattform SOS-Musikland.at wurden folgende Forderungen
an den ORF eingebracht:
1. Die Formulierung von dynamischen Richtgrößen für die
Marktanteilsentwicklung österreichischen Musikrepertoires,
abgestimmt auf das Programmprofil jedes Senders. Ziel: die
schrittweise Erreichung der Marktanteils-Werte des
europäischen Durchschnitts (derzeit rd. 40%)
2. Die kooperative Schaffung eines "Dialog-Organs", das auch eine
gemeinsame Kommunikationsbasis nach innen und außen bietet.
3. Kurz- und mittelfristige Quoten-Zielvereinbarungen, zusätzliche
Vereinbarungen über Kern-Zeiten und Neuheiten-Anteile der Radio-
Playlists.
4. Vereinbarung einer gemeinsam anerkannten statistischen Messgröße
(auf Basis der AKM-Auswertungen), anhand derer die
Marktanteilsveränderungen evaluiert werden können und die einen
internationalen Vergleich zulässt.
5. Eine rasche Finalisierung der Verhandlungen mit dem ORF und die
gemeinsame Unterzeichnung der Musikcharta Österreich noch 2008.
6. Die Notwendigkeit, den Musikstandort Österreich mittelfristig
auch durch einen gesetzlichen Rahmen allgemein abzusichern -
gemäß den Vorgaben der UNESCO zur Sicherung der kulturellen
Vielfalt in Österreich."Eine produktive und medial präsente heimische Musiklandschaft
stärkt auch die Position eines starken und inhaltlich vielfältigen,
öffentlich-rechtlichen Programmangebots", so
SOS-Musikland.at-Sprecher Hannes Eder. "Dem Ziel, den Marktanteil
lokalen Repertoires in allen Radioprogrammen des ORF (und in einem
zweiten Schritt möglichst aller Sender in Österreich, auch privater)
deutlich, verbindlich und nachhaltig zu steigern, sind wir nach einer
intensiven Verhandlungsrunde einen ersten Schritt nähergekommen".
"Wie immer der ORF seinen Musikanteil bemisst, man kommt um das
desaströse Faktum, daß Österreich an letzter Stelle der europäischen
Vergleichsstatistik liegt, nicht herum", erläutert Stephan
Dorfmeister, Sprecher des Indie-Verbands VTMÖ. "Weltweit sieht es
kaum besser aus: nur Venezuela und Neuseeland senden noch weniger
Musik aus eigener Produktion. Diesen wirtschaftlichen und kulturellen
Standort-Nachteil für die "Musiknation Österreich" gilt es raschest
zu beseitigen".
"Als Vergleichsbasis und Messlatte soll in Hinkunft ganz
selbstverständlich die gesamteuropäische Kultur- und Medienlandschaft
dienen, und deren Durchschnittswert für lokales Musikrepertoire in
den jeweiligen lokalen Radiosendern", so Peter Paul Skrepek,
Präsident der Musikergewerkschaft. "Wir sind zuversichtlich, sofern
der ORF und die Politik ihren Auftrag ernst nehmen, diese Werte
innerhalb von drei Jahren zu erreichen. Denn wer will schon
unterdurchschnittlich sein?!"
Rückfragehinweis:
www.sos-musikland.at FAF Audiovisions- und Filmindustrie WKÖ Georg Tomandl / Tel.: 0676 3472750 mailto:[email protected] Dr. Werner Müller / Tel.: 0664 5447258 / mailto:[email protected] IFPI Hannes Eder / Thomas Böhm / Tel.: 01 5356035 / maitlo:[email protected] KMSfB - Die Kulturgewerkschaft Musiker-Komponisten-AutorenGilde Peter Paul Skrepek / Tel.: 0664 614 5405 / mailto:[email protected] ÖMR ao. Univ.-Prof. Dr. Harald Huber / Tel.: 0664 4213373 / mailto:[email protected] VTMÖ Stephan Dorfmeister / Tel.: 0664 208 0283 /mailto:[email protected] Alexander Hirschenhauser / Tel.: 0664 256 0600 / mailto:[email protected]
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