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OTS0196   19. Juni 2008, 12:29

Spielregeln für die Rundfunkanstalten müssen jetzt klar definiert werden



Hamburg (ots) -

- Querverweis: Bildmaterial wird über obs versandt und ist
abrufbar unter http://www.presseportal.de/galerie.htx?type=obs -

Was der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Zukunft im Internet darf
und was nicht, muss jetzt klar definiert werden. Das letzte Wort in
dieser Sache werde aber aus Brüssel kommen, so das Fazit des
gestrigen media coffees der dpa-Tochter news aktuell in Berlin.
Kai-Hinrich Renner, Medienautor bei der Tageszeitung Die Welt,
moderierte die Veranstaltung "Im Sog des Internets - Was bleibt übrig
von Print, TV und Radio?". Rund 200 Pressesprecher, PR-Fachleute und
Journalisten waren Gast der Diskussionsrunde.

Kritisch äußerte sich Jürgen Doetz, Präsident Verband Privater
Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT), zur geplanten Kooperation
zwischen WDR und WAZ-Gruppe. Hier gebe es noch sehr viel
Klärungsbedarf. "Bei der angekündigten Kooperation ist noch vieles im
Unklaren. Die Spielregeln für diese neue Form der Zusammenarbeit
müssen noch geklärt werden." Um Antworten auf diese Fragen zu
erhalten, habe der VPRT bei der Rechtsaufsicht des WDR eine
Beschwerde eingereicht, so Doetz. "Die Kartoffel wird noch geschält -
und zwar in Brüssel." Doetz stellte allerdings grundsätzlich fest,
dass die herkömmlichen Medien auch im Internet-Zeitalter ihr Publikum
haben werden: "Um die klassischen Fernseh- und Radiomarken mache ich
mir auf lange Sicht keine Sorgen. Diese werden ihre Zuschauer und
Hörer auch im Netz behalten." Darüber hinaus unterstrich der
VPRT-Präsident, dass Inhalte auch in Zukunft ausschlaggebend für den
Erfolg eines Medienangebotes sein werden: "So lange man attraktive
Inhalte bietet, behält man auch seinen Platz."

Zustimmung zu dieser Feststellung erhielt Doetz von Bascha Mika,
Chefredakteurin der tageszeitung (taz). Sie betonte, dass die
Medienwelt in zwei Jahren wieder mit gänzlich neuen Geschäftsmodellen
im Netz konfrontiert sein werde. "Deshalb müssen wir uns jetzt ganz
klar auf unsere Inhalte konzentrieren", so die Blattmacherin. "Das
Requiem auf Print ist noch lange nicht gesungen." Besorgt zeigte sich
die taz-Chefredakteurin allerdings in Bezug auf den
Qualitätsjournalismus im Netz. "Wir müssen verhindern, dass
Journalismus für nichts und niemanden verschleudert wird. Der User
ist es inzwischen gewohnt, für hochwertige journalistische Inhalte
nichts zu zahlen. Das ist keine schöne Aussicht", beklagte Mika.

Dagmar Reim, Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB),
griff den aktuellen Entwurf der Ministerpräsidenten zum
Rundfunkänderungsstaatsvertrag auf und äußerte sich generell kritisch
zum Ansatz, die Präsenz der öffentlich-rechtlichen Sender im Web zu
regulieren: "Ich finde die Idee, jemandem zu sagen, was er im
Internet darf oder nicht darf, abstrus." Dabei verwies Reim auf die
finanzielle Situation ihres Funkhauses: "Der RBB kann finanziell
gesehen keine große Expansion im Internet vornehmen. Vielmehr müssen
wir durch die Online-Präsenz unsere bestehenden Gebühreneinnahmen
umschichten." Die RBB-Intendantin zeigte sich für die Zukunft von
Print, TV und Radio grundsätzlich optimistisch. "Die Medien haben
sich noch nie kannibalisiert. Fernsehen und Radio wird es auch
zukünftig geben, genau so wie Zeitungen."

Hinsichtlich der aktuellen Diskussion über die Präsenz der
öffentlich-rechtlichen Sender im Web kritisierte Frank Syré,
Chefredakteur des Nachrichtenportals zoomer.de, die deutsche
Medienpolitik: "Wir haben es in den letzten Jahren versäumt, den
Begriff Rundfunk mal auseinander zu nehmen und genau zu untersuchen,
wer eigentlich was darf." Syré prognostizierte, dass Online
Veränderungen weiter vorantreiben wird. "Der Zug zum Internet wird
Auswirkungen auf die klassischen Medien haben. So wird das Web zum
Beispiel neue Herausforderungen ans Fernsehen im Bereich der Formate
stellen." Ferner erlebe man derzeit "eine Nutzungsverschiebung ins
Internet", so Syré weiter. Allerdings gab er zu, dass das Internet
ein schwieriges Geschäftsmodell ist. Online-Werbung sei leider das
Einzige, was Anbieter wie zoomer.de finanziere.

Videobeitrag mit Interviews der Diskussionsteilnehmer (3:39
Minuten):
http://www.youtube.com/watch?v=gzx1qCVYCeE

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0196 2008-06-19 12:29 191229 Jun 08 EUN0012 0589



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