• 17.06.2008, 09:00:00
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Österreich braucht neue Spitalsfinanzierung

Wien (OTS) - IHS-Studie kritisiert vorhandenes System - Forderung:
"Mehr Transparenz und Leistungsorientierung" - Klare Vorschläge für
bevorstehende Gesundheitsreform - Pater Gregotsch: "Beweis für
Effizienzvorsprung der Ordensspitäler - leistungsgerechte
Finanzierung dringend nötig"

Vernichtendes Urteil des Instituts für Höhere Studien (IHS) über
die Spitals-Finanzierung in Österreich: Es gibt keine kostengerechte
Bezahlung für stationäre und ambulante Spitalsleistungen, das System
ist völlig intransparent und es existieren zehn unterschiedliche
Regelungen für neun Bundesländer.

IHS-Chef Univ.-Prof. Dr. Bernhard Felderer bei der Präsentation
der Studie am 17. Juni 2008 in Wien: "Die Spitalsfinanzierung sollte
einer Generalreform unterzogen werden, die sich mehr an den
Patientenbedürfnissen orientiert."

Die IHS-Studie zeigt deutlich, dass die Dotierung der Landesfonds
zur Spitalsfinanzierung nicht von der Patientenversorgung, sondern
von den Regeln des Finanzausgleichs geleitet ist. So werden etwa, je
nach Bundesland, zwischen 48 und 88 Prozent der stationären
Spitals-Endkosten über die leistungsorientierte Finanzierung
(LKF-System) gedeckt, der Rest der Kosten wird ebenfalls ganz
unterschiedlich aus verschiedenen Töpfen zugeschossen. In drei
Bundesländern werden nur rund 50 Prozent der stationären Kosten
leistungsorientiert vergütet, gerade dort, wo der Anteil der nicht
dem Land gehörenden Spitäler hoch ist. Dadurch wird die tatsächliche
Finanzierung verschleiert und die Wirtschaftlichkeit der Spitäler
nicht gefördert, heißt es in der Studie.

Ordensspitäler benachteiligt

Dadurch kommen auch die Ordensspitäler unter die Räder: Hier
müssen die Träger, also die Orden, bis zu vier Prozent
(Oberösterreich) aus eigenen Mitteln zuschießen. Und dies, obwohl die
Studie des IHS klar dokumentiert, dass die Ordensspitäler effizienter
arbeiten als etwa die Krankenhäuser der Länder. Während die Länder
bei den Spitälern, die ihnen gehören, die gesamten Kosten -
selbstverständlich aus Steuermitteln - tragen, müssen die Eigentümer
der Ordensspitäler pro Jahr rund 30 Millionen Euro Eigenmittel
beisteuern.

Das IHS dazu: "Die Ordensspitäler müssen das öffentliche
Gesundheitssystem mitfinanzieren und dafür zahlen, um Menschen
helfen zu dürfen."

"Dies ist auf Dauer nicht tragbar und nicht leistbar", so Pater
Leonhard Gregotsch, Leiter der Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler
Österreichs am 17. Juni 2008 im Rahmen der Festveranstaltung. "Die
Ordensspitäler arbeiten genauso wie die anderen Krankenhäuser
gemeinnützig und im Auftrag der öffentlichen Hand. Warum stellt man
uns schlechter, obwohl wir nachweislich effizienter arbeiten?"

Das IHS zieht daher aus dieser Studie den Schluss, dass die
Spitalsfinanzierung insgesamt leistungsgerechter ausgestaltet werden
müsse. "Gerade in einem regulierten System sollte vermehrt die
Effizienz von Spitälern überprüft werden, um Verschwendung zu
erkennen und zu vermeiden, da wichtige Marktmechanismen fehlen." Es
sei dringend zu hinterfragen, ob Länder gleichzeitig Regulator,
Nachfrager und Spitalsbetreiber sein sollen, betont das IHS.

Effiziente Ordensspitäler

Beim Vergleich der Spitalsleistungen schneiden die Ordensspitäler
in der IHS-Studie klar besser ab: Bei den Schwerpunkt- und
Zentralkrankenanstalten sind die Ordensspitäler um 10 Prozent
effizienter, also auch kostengünstiger, als alle anderen Spitäler,
bei den Standardkrankenanstalten (ohne Universitätskliniken)
beträgt der Effizienzvorsprung 12 Prozent (stationärer und
spitals-ambulanter Bereich). Das IHS hat bei diesen Berechnungen eine
international anerkannte Berechnungsmethode angewendet (Data
Evelopment Analysis, DEA) und auch bisher nicht beachtete Parameter
berücksichtigt.

Das IHS stellt fest: "In allen Berechnungsmodellen erweisen sich
die Ordensspitäler effizienter als die Landesspitäler."

Pater Leonhard Gregotsch dazu: "Würden alle Spitäler so effizient
arbeiten wie die Ordensspitäler, könnten viele Millionen Euro pro
Jahr eingespart und ein wesentlicher Beitrag zur Gesundheitsreform
geleistet werden." So aber würden weniger effiziente Spitalsanbieter
finanziell belohnt.

"Die Menschen in diesem Land verdienen sich mehr Transparenz im
Gesundheitswesen", erklärte Dr. Michael Heinisch, Geschäftsführer der
Vinzenz Gruppe, zu den Ergebnissen der IHS-Studie. Nur bei Bezahlung
eines fairen und transparenten Preises für erbrachte Leistungen könne
Wirtschaftlichkeit beurteilt und belohnt werden. Effizienz und
Qualität seien im Übrigen keine Widersprüche, das beweisen die
Ordensspitäler täglich, so Dr. Michael Heinisch.

Eine leistungsgerechte, bundeseinheitliche Finanzierung fordert
auch Direktor Adolf Inzinger, Gesamtleiter der Barmherzigen Brüder.
"Die IHS-Studie bestätigt, dass die Ordensspitäler weniger Geld für
gleiche Spitalsleistungen und geringere Subventionen erhalten als
andere gemeinnützige Krankenhäuser." Der Eigenmittelanteil privater
Spitalserhalter mit effizient geführten Häusern sollte daher dringend
abgeschafft werden.

Das IHS hat bereits vor zwei Jahren eine ausführliche Studie über
den Vergleich der Spitalsfinanzierung in Österreich und in anderen
EU-Ländern erstellt. Daraus wird ersichtlich, dass in praktisch allen
anderen Staaten die Spitäler unabhängig von der Eigentümerschaft von
der öffentlichen Hand gleichbehandelt werden. Bloß in Österreich
gehen die Uhren anders: Hier sind die geistlichen Krankenhäuser in
einigen Bundesländern finanziell schlechter gestellt. Eine
Gleichbehandlung wurde im Vorjahr im Rahmen der
Finanzausgleichsverhandlungen von nahezu allen Bundesländern
unterstützt.

Rückfragehinweis:
P. Leonhard Gregotsch
1010 Wien, Freyung 6/1/2/3
Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler Österreichs
Telefon: 01/535 12 87/13
mailto:[email protected]

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