- 07.05.2008, 11:53:02
- /
- OTS0155 OTW0155
Platter: Hinschauen statt Wegschauen!
Erklärung des Innenministers im Nationalrat
Wien (ÖVP-PK) - Als Innenminister kann und will ich den
unfassbaren, brutalen und erschütternden Inzest- und Missbrauchsfall
von Amstetten nicht unerwähnt lassen. Diesen Kriminalfall kann man
nicht zum bestimmenden Faktor unserer Sicherheit und der
Sicherheitspolitik unseres Landes machen. Es kann und darf nicht
sein, dass ein unvorstellbar grausamer und brutaler Mensch als
Synonym für die Sicherheit in unserem Land gesehen wird. Das sagte
Innenminister Günter Platter heute, Mittwoch, im Rahmen seiner
Erklärung zu aktuellen Fragen der inneren Sicherheit im Plenum des
Nationalrates. ****
Platter weiter: "Dieses brutalste und abscheulichste Verbrechen hat
die gesamte österreichische Bevölkerung zutiefst erschüttert. Es
macht uns fassungslos, weil es nicht vorstellbar ist, dass ein
Familienvater ein solches Verbrechen begehen kann. Und es macht uns
fassungslos, weil wir uns fragen, wie es geschehen konnte, dass
dieses fast ein Vierteljahrhundert währende Verbrechen unentdeckt
blieb. Tatsache ist, dass der Täter eine unvergleichliche Legende
inszeniert und geschrieben hat, mit der er alle getäuscht hat."
Was bis jetzt zu Tage gekommen ist, das übersteige das
Vorstellungsvermögen selbst der hart gesottensten und erfahrensten
Polizisten. Die Ermittlungen stehen noch relativ am Anfang, laufen
auf Hochtouren. Viele Fragen sind offen, jedes noch so kleine Detail
wird von den Ermittlern aufgegriffen, sagte Platter und bedankte sich
bei den ermittelnden Beamten, die mit Akribie und großem Einsatz rund
um die Uhr arbeiten, um die offenen Fragen zu klären.
In diesem Zusammenhang appellierte Platter an die Öffentlichkeit, den
Opfern jetzt den nötigen Respekt zu zollen und sie vor allem in Ruhe
zu lassen. "Sie brauchen jetzt neben der besten Betreuung, die wir
ihnen bieten können, vor allem eine Privatsphäre, die vor neugierigen
Blicken, vor Kameras und Mikrophonen sicher ist."
Für Platter stellen sich aber Fragen, die unsere Gesellschaft direkt
betreffen: Was kann die Gesellschaft, was können wir alle beitragen?
"Die Konsequenz kann nicht sein, dass wir präventiv jeden Keller,
jedes Zimmer, jede Ecke, jeden Hohlraum rund um die Uhr kontrollieren
und überwachen. Ich will keinen Überwachungsstaat, der jeden Menschen
als Problemfall und Sicherheitsrisiko ansieht. Was wir aber brauchen,
ist Zivilcourage! Die kann man nicht gesetzlich regeln oder
vorschreiben - dazu braucht es viel mehr: nämlich Bewusstsein,
Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und natürlich auch ein Stück
Mut: Hinschauen, statt wegschauen. Die Polizei braucht die
Bevölkerung als Partner. Hinweise aus der Bevölkerung sind ein
wesentlicher Faktor für die Aufklärung von Verbrechen."
Zu oft sei immer noch die Meinung, "Das geht mich nichts an", oder
"Was ich in meinen eigenen vier Wänden mache, hat niemanden zu
interessieren", so Platter. "Aber wenn es um Gewalt und Missbrauch
geht, sage ich dazu ein klares Nein. Es gibt bei häuslicher Gewalt
und Missbrauch innerhalb der Familie eine große Dunkelziffer. Hier
Licht ins Dunkel zu bringen muss Aufgabe, Auftrag und Ziel sein."
(Fortsetzung)
Rückfragehinweis:
Pressestelle des ÖVP-Parlamentsklubs
Tel. 01/40110/4432
http://www.oevpklub.at
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | VPK






