OTS0084 / 28.04.2008 / 10:40 / Channel: Chronik / Aussender: AUVA Allgemeine Unfallversicherungsanstalt
Stichworte: Gesundheit / Mobilfunk / Studie / Versicherungen / Wissenschaft


AUVA weist Persilschein für Mobilfunk zurück

Utl.: Entgegen Behauptungen des "Wissenschaftlichen Beirats Funk" keine Garantie für Unbedenklichkeit von intensivem Handy-Gebrauch =


   Wien (OTS) - Mit Entrüstung reagiert die AUVA auf die Aussendung
des Wissenschaftlichen Beirats Funk (WBF) vom 23. April über die
Unbedenklichkeit von intensivem Handy-Gebrauch. AUVA Experte
Dipl.-Ing. Dr. Hamid Molla-Djafari und Univ.-Prof. Dr. Wilhelm
Mosgöller von der Medizinischen Universität Wien entgegnen: "Wenn
bisher keine schädigenden Wirkungen erwiesen sind, bedeutet das noch
lange nicht, dass es keine gibt." 
   Interessanterweise sieht der WBF selbst - in einem Anhang
versteckt - Forschungsbedarf unter anderem bei "epidemiologischen
Studien zu möglichen Langzeiteffekten bei Kindern und Erwachsenen"
und hält einen "umsichtigen Umgang" mit diesen Technologien für
sinnvoll.
AUVA Studie weist Zellbrüche nach
   Aus unserem Alltag sind Handys als nützliche Kommunikationsmittel
kaum wegzudenken. Da das Handy nicht zuletzt auch ein Arbeitsmittel
ist, hat die AUVA gemeinsam mit der Medizinischen Universität Wien
und den Austrian Research Centers ein Forschungsprojekt zu diesem
Thema durchgeführt (s. Fußnote 1).
   Bis vor kurzem wurde nur die thermische Wirkung von
elektromagnetischen Feldern als gesundheitsrelevant angesehen.
"Thermische Wirkung" bedeutet, dass elektromagnetische Felder ab
einer gewissen Stärke den menschlichen Körper erwärmen. Mittlerweile
wurden aber auch nicht-thermische Wirkungen beobachtet. Zweck des
Forschungsprojektes war es herauszufinden, ob die elektromagnetischen
Felder von Mobiltelefonen unterhalb der (nur für thermische Wirkungen
geltenden) Grenzwerte gesundheitsrelevante athermische Wirkungen
haben können.
   In Versuchsreihen mit elektromagnetischen Feldern, die über
mehrere Stunden auf Menschen einwirkten, konnten bei bestimmten
Zelltypen DNA-Brüche nachgewiesen werden. So kam es bei der
Exposition von Bindegewebszellen weit unterhalb der derzeitigen
Grenzwerte zu DNA-Brüchen und Erhöhungen der Proteinsyntheseraten.
Besonders interessant dabei war, dass unterbrochenes Telefonieren -
also z.B. fünf Minuten Gespräch, zehn Minuten Pause - mehr DNA-Brüche
zur Folge hatte als Dauergespräche.
Keine akute Gesundheitsgefahr - Vorsicht ist dennoch angebracht
   Alles in allem sehen die Wissenschaftler keine akute und
kurzfristige Gesundheitsgefahr. Dennoch deuten die gefundenen
DNA-Brüche auf lange Sicht auf ein erhöhtes Krebsrisiko hin, das
jeder Handynutzer mit Hilfe von einfachen Verhaltenstipps minimieren
kann.
Zum Beispiel:
~
 - indem man beim Kauf ein Handy auf einen möglichst niedrigen SAR-
   Wert (s. Fußnote 2) achtet
 - indem man Headset oder Bluetooth, am besten jedoch die 
   Freisprechfunktion (den Handylautsprecher) verwendet
 - indem man nicht stundenlang mit dem Handy telefoniert
 - indem man im Auto Handylautsprecher, Headset oder Bluetooth, am 
   besten jedoch eine Freisprechanlage mit Außenantenne verwendet
 - indem man nicht unbedingt bei schlechtem Empfang, z.B. im Keller
   oder im Aufzug, mobil telefoniert, weil dann das 
   elektromagnetische Feld besonders stark ist
 - indem man das Handy nicht am Körper, sondern in der Hand- oder 
   Aktentasche trägt
~
Fußnoten:
1) Das ATHEM-Projekt hat neue wissenschaftliche Erkenntnisse in
bestmöglicher Qualität erbracht, die für die Risikobewertung bei
massivem Mobilfunkgebrauch relevant sind. Die Ergebnisse wurden unter
Einhaltung höchster Qualitätsstandards (doppelblinde Untersuchungen,
Reproduzierbarkeit, Falsifizierbarkeit, Negativ- und
Positiv-Kontrollen etc.) durchgeführt.
2) SAR steht für "Spezifische Absorptions-Rate". Sie gibt Auskunft
über die Absorption von elektromagnetischen Feldern im menschlichen
Gewebe. Der SAR-Wert wird in Watt pro Kilogramm angegeben. Die
Weltgesundheitsorganisation empfiehlt als maximal zulässigen
Grenzwert einen SAR-Wert von 2,0 W/kg. Viele moderne Handys liegen
aber bereits um Einiges unter diesem Grenzwert. Der für das jeweilige
Gerät geltende SAR-Wert ist im Benutzerhandbuch angeführt. 
Über die AUVA: Soziale Unfallversicherung für rund 4,4 Millionen
Versicherte
   Bei der AUVA sind rund 4,4 Mio. Personen gesetzlich gegen
Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert: 1,2 Mio. Arbeiter,
1,5 Mio. Angestellte, 370.000 Selbstständige sowie 1,3 Mio. Schüler
und Studenten. Die AUVA finanziert ihre Aufgaben als soziale
Unfallversicherung überwiegend aus Pflichtbeiträgen der Dienstgeber.
Diese zahlen 1,4 Prozent der monatlichen Bruttolohnsumme jedes
Dienstnehmers (bis zur Höchstbeitragsgrundlage von 3.930,00 Euro) als
Unfallversicherungsbeitrag ein.
   Prävention ist die vorrangige Kernaufgabe der AUVA, weil sich
damit das Schadensgeschehen ursächlich beeinflussen lässt.
Prävention, also die Verhütung von Unfällen und die Vorbeugung von
Berufskrankheiten, senkt die Kosten für die Heilbehandlung, die
Rehabilitation und die finanzielle Entschädigung von Unfallopfern am
wirksamsten. Die AUVA hat sich daher nie als "Verwalter" von
Arbeitsunfällen betrachtet oder sich darauf beschränkt, "nur" die
Haftung der Arbeitgeber im Falle von Arbeitsunfällen oder
Berufskrankheiten zu übernehmen. Die AUVA hat es immer als ihre
vorrangige Aufgabe angesehen, aktiv und offensiv Arbeitsunfälle zu
verhüten: etwa durch intensive Aufklärung über Gefahren am
Arbeitsplatz, Information oder Motivation der Arbeitgeber und
Arbeitnehmer, durch Forschung oder durch vorbeugende Betreuung von
besonders bedrohten Versicherten. In die Säule Prävention wurden 2007
rund 60 Mio. Euro investiert.
Rückfragehinweis:
~
   AUVA - Sicherheitsmarketing und Presse
   Dr. Wilfried Friedl
   Adalbert-Stifter-Straße 65, 1200 Wien  
   Tel.: +43 1 33 111-530
   E-Mail: wilfried.friedl@auva.at
   Web: www.auva.at
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