- 25.04.2008, 12:14:45
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OVS139: Neuer Anlauf für heimische IT- und Telekomstrategie - BILD/VIDEO
"Wenn man eine Firma so führt, ist sie im Konkurs" - IT-Taskforce wird mit "Internetoffensive Österreich" verschränkt - "Internet-Deklaration" für Herbst angestrebt

Wien (OTS) - Das Ziel, Österreich unter die Top-3-Nationen im
Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) zu führen,
hat sich nicht erst die aktuelle Regierung gesetzt. Schon im Jahr
2005 gab es einen "Masterplan" und anschließend eine "Taskforce", die
das Land in diese Position bringen sollte. Bis vor kurzem hat sich
allerdings nicht viel getan, konstatierten Experten gestern,
Donnerstagabend, bei einer Veranstaltung der APA-E-Business-Community
in Wien.
"Der IKT-Masterplan ist kein Plan, sondern eine Sprüche- und
Ideensammlung. Das können zwar großartige Ideen sein, aber die
verschwinden in der Schublade, sobald eine neue Regierung gewählt
wird. Wenn man eine Firma so führt, ist sie im Konkurs", erklärte
Alfred Harl, Obmann des Fachverbandes Unternehmensberatung und IT
(UBIT). Es seien zwar mehrere kleine Schritte - wie Masterplan,
Taskforce und Internetoffensive - gesetzt worden. Neben Visionen
brauche es aber auch Kompetenzen und Verantwortliche, erneuerte Harl
die Forderung des Verbands nach einem eigenen IKT-Beauftragten. Im
aktuellen Regierungsprogramm gebe es genau einen Absatz zum Thema
IKT, "das ist zu wenig".
"Durch den - inzwischen laufend aktualisierten - Masterplan sind die
politischen Entscheidungsträger sensibilisiert worden. Und die
Taskforce hat als beratendes Gremium der Bundesregierung Mitte
Februar ihre Ergebnisse vorgelegt. Allerdings sind diese nicht sofort
umsetzbar", relativierte Alfred Ruzicka vom Infrastrukturministerium
(BMVIT). Bundeskanzler und Vizekanzler hätten außerdem die
Schirmherrschaft über die neue Branchen-Initiative "Internetoffensive
Österreich" übernommen.
"Die Arbeiten der Taskforce werden nun in diese Wirtschaftsplattform
eingebracht, wobei es eine sehr starke personelle Verschränkung
zwischen den beiden Initiativen gibt", sagte der
Ministeriumsvertreter. Im Herbst werde dann eine
"Internet-Deklaration" als Basis für die IKT-Strategie der
Bundesregierung für die nächsten Jahre vorgestellt. "Das ist dann der
Startschuss für Verwaltung und Wirtschaft, Angebote sowie Dienste zu
präsentieren, die Begeisterung auslösen", so Ruzicka.
"Das Ministerium kann ja nicht verordnen, dass wir das Internet
stärker nutzen. Papier ist geduldig, wenn nicht Begeisterung entsteht
und alle mitmachen. Es gibt ausgezeichnete Ideen, gute Inhalte, aber
den notwendigen Schwung haben wir noch nicht zusammengebracht",
ergänzte Martin Bredl, Sprecher der Telekom Austria (TA). Das Dilemma
mit der IKT-Politik in Österreich sei, dass es dem Standort auch ohne
strategischer und nachhaltiger Planung "eigentlich ganz gut geht".
"Wir sind auch ohne Masterplan zurechtgekommen. Das Schreien nach
Förderungen und Subventionen hält sich bei uns in Grenzen", so Bredl.
Wichtig für die Branche und die Volkswirtschaft seien drei Faktoren:
Produktion, Investitionen und Nutzung. "Bei der Produktion sind wir
schwach, schließlich haben wir kein Unternehmen wie Nokia im Land.
Bei den Investitionen - vor allem im KMU-Bereich - und bei der
Nutzung steht uns allerdings nichts im Wege." Die Akzeptanz hänge
aber stark vom Angebot ab. "Bei der BBC können 250 Programme sieben
Tage nach Aussendung kostenlos per Streaming oder als Download
konsumiert werden. Wo ist das ORF-Portal, das das kann?", fragte
Bredl.
Gegen den Versuch, durch staatliche Planung und öffentliche
Förderungen privatwirtschaftliche Industrien zu gestalten, sprach
sich Andreas Dinkel von Capgemini Österreich aus. "Der Staat ist
beispielsweise bei der Schaffung der Infrastruktur und des
rechtlichen Umfeldes gefragt, aber nicht viel darüber hinaus", meinte
Dinkel. Der Berater plädierte außerdem dafür, Rankings und
Untersuchungen vorsichtig einzusetzen: "Auch wenn sie nötig sind, um
die Zielerreichung messbar zu machen, wird dann oft nicht mehr auf
das tatsächliche Ziel hingearbeitet, sondern nur noch auf gute
Bewertungen."
Eine "dramatische Situation" - trotz aller Offensiven und Initiativen
- sieht Christian Czaak von der Technologie- & Forschungsplattform
ECAustria. Bei internationalen IT-Konzernen setze sich der Trend zu
Globalisierung mit Entscheidungsbündelung in den ausländischen
Zentralen fort. Die österreichischen Töchter würden dabei immer mehr
zu reinen Vertriebsfilialen. "Auf den weltweiten Landkarten großer
Konzerne ist Österreich bestenfalls eine Stecknadel", so Czaak. Für
den Standort Österreich und die heimischen Klein- und Mittelbetriebe
würden sich dadurch aber auch neue Chancen bieten.
"Die Infrastruktur ist gut und die Nutzung steigt, aber der Standort
ist bei Innovation und Entwicklung gefordert", sagte Wolfgang
Leindecker von NextiraOne Austria. Skeptisch gab er sich bezüglich
der "Internetoffensive Österreich": "Nach den hochtrabenden Plänen
aus dem Jahr 2005 wirkt das auf mich wie eine Verkürzung von
Informations- und Kommunikationstechnologie auf den Bereich Internet.
Der Masterplan war da weitreichender und hat beispielsweise auch den
Standort sowie die Infrastruktur berücksichtigt."
"Ein IT-Masterplan mit konkreten Zielen, Umsetzungsinitiativen,
Finanzierungsmodellen und Zeitrahmen ist unabdingbar, damit sich
Österreich international einen Spitzenplatz sichert", pflichtete
Dieter Kittenberger von Hewlett-Packard (HP) Österreich bei. Die
Internetoffensive sieht er hingegen positiv: "Sie soll der Turbo
sein, jetzt fehlt nur noch das Benzin - also die nötigen
Rahmenbedingungen." Gefragt seien breitenwirksame Initiativen und
mehr Augenmerk auf IKT-Bildung und -Ausbildung.
"Es gibt viele Initiativen, aber das Gesamtkonzept fehlt. Das hätte
schon im Jahr 2005 angegangen werden müssen", gab sich Engelbert
Kerschbaummayr von Kapsch CarrierCom überzeugt. Wichtig sei außerdem,
mit Forschungszentren und Industriepartnern Innovationen zu
entwickeln. Dazu wäre aber eine ausreichende Unterstützung der
öffentlichen Hand notwendig. Die derzeitige Patt-Situation am
österreichischen Telekommarkt bedeute zudem Stillstand im Ausbau der
Breitband-Infrastruktur. "Die Folge ist, dass Österreich weiter ins
Hintertreffen geraten wird", so Kerschbaummayr.
Die Partner-Unternehmen der E-Business-Community sind:
- ANECON Software Design und Beratung GmbH www.anecon.com - Capgemini Consulting Österreich AG www.at.capgemini.com - diamond:dogs webconsulting GmbH www.diamonddogs.cc - DIMOCO Direct Mobile Communications GmbH www.dimoco.at - Dialog Marketing Verband Österreich www.dmvoe.at - economyaustria www.economyaustria.at - Gentics Software GmbH www.gentics.com - Hewlett Packard www.hp.com/at - IT Solution GmbH www.itsolution.at - Kapsch CarrierCom AG www.kapsch.net - Microsoft Österreich www.microsoft.com/austria - NAVAX Consulting AG www.navax.at - NextiraOne www.nextiraone.at - SER Solutions Österreich GmbH www.ser.at - Telekom Austria www.telekom.at - Wirtschaftskammer Österreich www.wko.at - APA-MultiMedia http://multimedia.apa.at
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Barbara Rauchwarter
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