OTS0014 / 18.04.2008 / 08:59 / Channel: Politik / Aussender: Kathpress
Stichworte: Interreligiöser.Dialog / KATHPRESS / Papstreise / USA / Washington


Papst: Interreligiöser Dialog ist Dienst an der Gesellschaft


utl: Benedikt XVI. würdigte in Washington bei Begegnung mit jüdischen,
islamischen, buddhistischen und hinduistischen Vertretern das
Miteinander der Religionen in den USA =
   Washington, 18.4.08 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat in den USA gegen
die gesamtgesellschaftliche Bedeutung des interreligiösen Dialogs
betont. Bei einem Treffen mit Vertretern anderer Religionen mahnte er
am Donnerstagabend in Washington, Begegnung und Dialog nicht nur als
Mittel zum gegenseitigen Verständnis zwischen den Religionen zu
sehen. Der interreligiöse Dialog sei auch ein Weg, der ganzen
Gesellschaft zu dienen. Mit einer wachsenden gegenseitigen Kenntnis
werde der Blick für gemeinsame ethische Werte frei. "Die Welt
erwartet ein gemeinsames Zeugnis für diese Werte", sagte der Papst.
Benedikt XVI. sprach von einer "enormen Verantwortung religiöser
Führer". Die Religionsgemeinschaften müssten die Gesellschaft mit
tiefer Ehrfurcht und Respekt für das menschliche Leben ausstatten;
sie hätten sicher zu stellen, dass die Menschenwürde anerkannt und
geschätzt wird. Zu ihren Aufgaben gehöre der Einsatz für Frieden und
Gerechtigkeit. Insbesondere aber sollten sie den neuen Generationen
nahe bringen, was "richtig, gut und vernünftig" ist. Zugleich lud der
Papst dazu ein, außer den Gemeinsamkeiten auch die Unterschiede ruhig
und klar zu diskutieren. Auf diese Art bleibe der Austausch nicht bei
gemeinsamen Werten stehen, sondern erforsche auch deren letzten
Grund.
Der interreligiöse Dialog dürfe nicht auf das Finden von praktischen
Strategien zur Friedensförderung reduziert werden, unterstrich
Benedikt XVI. Das tiefere Ziel sei, zentrale Fragen zu beantworten:
"Was ist der Ursprung und das Ziel der Menschheit? Was ist gut und
böse? Was erwartet uns am Ende unserer irdischen Existenz?"
Gegenwärtig würden diese Themen freilich oft an den Rand gedrängt.
Aufgabe spiritueller Führer sei, sie wieder ins Bewusstsein zu
rücken.
Als beispielhaft stellte Benedikt XVI. das Miteinander der Religionen
für die Gesellschaft in den USA vor. Das Land habe eine lange
Geschichte der Zusammenarbeit in verschiedensten Feldern des
öffentlichen Lebens. Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft
und Religionszugehörigkeit engagierten sich täglich gemeinsam im
sozialen und Erziehungsbereich. Die USA zeigten, dass eine einige
Gesellschaft aus einer Pluralität von Völkern erwachsen könne, so der
Papst. Voraussetzung sei, dass "Religionsfreiheit als grundlegendes
Bürgerrecht anerkannt wird".
Die Aufgabe, Religionsfreiheit zu wahren, sei nie abgeschlossen,
mahnte Benedikt XVI. weiter. Der gesetzliche Schutz der
Religionsfreiheit garantiere nicht, dass Menschen, vor allem
Angehörige von Minderheiten, von Diskriminierung und Vorurteilen
verschont bleiben. Jeder müsse dafür Sorge tragen, dass Menschen
ihren Glauben in Frieden ausüben und ihren Kindern weitergeben
können.
An dem Treffen im "Pope John Paul II Cultural Center" nahmen etwa 150
Vertreter von Judentum, Islam, Buddhismus und Hinduismus teil. Das
2001 eröffnete Zentrum beherbergt eine Forschungs- und
Dokumentationsstelle für das Wirken von Johannes Paul II. Ein
Schwerpunkt liegt auf dem interreligiösen Dialog. Besucher können in
einer interaktiven Galerie die Weltreligionen kennenlernen. (forts
mgl)
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