Wien (OTS) - "Da UniversitätsassistentInnen und DozentInnen durch
das Universitätsgesetz völlig entrechtet wurden, ist es unerlässlich,
die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Uni-Angehörigen bei der
anstehenden Novelle des Universitätsgesetzes auszubauen", fordert
Kurt Grünewald, Wissenschaftssprecher der Grünen. Der Senat, wo alle
universitären Gruppierungen vertreten sind, müsse daher gestärkt, die
Universitätsräte dagegen auf beratende und kontrollierende Funktionen
beschränkt werden. Für die Rektorswahl fordern die Grünen die
Wiedereinführung der Universitätsversammlung, die sich aus allen
Universitätsangehörigen zusammensetzt. "Seit dem 14. Jahrhundert
wählen die Universitäten ihre Rektoren selbst. Dieses Recht darf
keinesfalls beschränkt werden", so Grünewald.
Um Studierenden und dem Mittelbau wieder mehr
Mitbestimmungsmöglichkeiten zu gewähren, müsse die Zusammensetzung
des Senats geändert werden. Derzeit sind die ProfessorInnen dort
gesetzlich mit einer absoluten Mehrheit ausgestattet, die
StudentInnen stellen ein Viertel der Mitglieder, Mittelbau und
allgemeines Personal den Rest. "Die ProfessorInnen müssen im Moment
nicht das beste Argument haben, sondern sich nur einig sein", so
Grünewald. Die Grünen verlangen folglich die Abschaffung dieses
´Kastensystems´ mit ProfessorInnen und Mittelbau und die Einführung
einer gemeinsamen Kurie aller HochschullehrerInnen ab dem Doktorat.
Dieser sollten 65 Prozent der Sitze zukommen, den StudentInnen wie
bisher 25 Prozent und dem allgemeinen Personal zehn Prozent.
Keinesfalls dürfe der Senat von strategischen Entscheidungen
ferngehalten werden.
Entscheidend für die weitere Entwicklung der Universitäten ist die
massive Aufstockung ihrer Budgets. "Wir brauchen dringend eine
weitere Erhöhung der Hochschul- und Universitätsbudgets, um den
Studierenden eine hochwertige Ausbildung zu gewähren, den Lehrbetrieb
aufrecht erhalten zu können und unsere Forschungsleistungen jenen von
Vorbildnationen anzunähern. Österreich darf sich hier nicht mit dem
EU- oder OECD-Schnitt vergleichen, sondern mit Spitzennationen", so
Grünewald. Die Grünen fordern eine jährliche Anhebung des Uni-Budgets
um zehn Prozent, um im Jahr 2010 rund drei Mrd. Euro und damit ca.
1,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu erreichen.
Mittelfristig sollten es dann 2 Prozent werden. Ein entsprechender
Entschließungsantrag der Regierungsparteien gehe von einer geplanten
Steigerung von 1,5 Mrd. Euro aus und verfehle unter Berücksichtigung
der Inflation dieses Ziel klar.
Kritisch und maximal als vorübergehende Notlösung beurteilt Grünewald
Eingangstests und Zugangsbeschränkungen. "Angesichts der im
internationalen Vergleich niedrigen AkademikerInnenzahl und
Übertrittsquote ist es kurzsichtig und fatal, die Zahl der
Studierenden aufgrund der derzeit knappen Ressourcen an den
Universitäten zu reduzieren", so Grünewald. Stattdessen sollen zwei-
oder mehrsemestrige Studieneingangsphasen mit Studieninhalten
verwandter Fächer angeboten werden, an deren Ende sich die
StudentInnen anhand ihrer Leistungen und Interessen für ein Fach
entscheiden. Wie von der OECD eingemahnt wollen die Grünen durch
Aufstockung der Ressourcen die Zahl der Studierenden erhöhen und
Maßnahmen setzen, um auch Kindern aus bildungsfernen und
einkommensschwachen Hausaushalten eine höhere Ausbildung zu
ermöglichen.
Rückfragehinweis:
Die Grünen, Tel.: +43-1 40110-6697, presse@gruene.at
*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***
OTS0169 2008-04-10/12:04
101204 Apr 08
FMB0005 0443