OTS0248   4. Apr. 2008, 16:39

Europäische Entwicklungshilfe bleibt weiter zu niedrig!

Österreich Europameister bei Schuldeneinrechnung - OECD bestätigt Befürchtungen der NGOs


Die von der OECD (Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) heute in Tokio
veröffentlichten Zahlen der Entwicklungshilfeleistungen ihrer
Mitgliedstaaten für das Jahr 2007 sprechen eine deutliche Sprache:
Wie befürchtet stagnieren diese auf niedrigem Niveau. Europaweit
zeigen sich NGOs besorgt über diese Entwicklung. "Obwohl in den
letzten Jahren mehrmals eine drastische Steigerung der EZA-Budgets
insbesondere für Afrika zugesagt wurde, sieht es angesichts der
aktuellen Zahlen nicht danach aus", kritisiert auch Petra Navara,
Vorsitzende der österreichischen Dachorganisation Globale
Verantwortung - Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und Humanitäre
Hilfe. "Die Menschen in den Entwicklungsländern brauchen keine
Versprechungen mehr, sie benötigen konkrete Hilfe."

Im Jahr 2007 betrug die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit der
Europäischen Union lediglich 0,38% ihres Bruttonationaleinkommens
(BNE). Im Jahr 2006 lag dieser Wert noch bei 0,41%. Ein Grund für
diese Entwicklung liegt im Zustandekommen der Leistungen in den
vergangenen Jahren: Die meisten europäischen Staaten inkludierten
nämlich den Großteil ihrer an Entwicklungsländer gewährten
Schuldenerlässe in diese Zahlen. Österreich hat sich einmal mehr als
Europameister in dieser "Disziplin" behauptet. Mehr als die Hälfte
der gemeldeten österreichischen Entwicklungshilfeleistungen sind
Schuldenerlässe, die eine zwar erlaubte Zahlenkosmetik bringen, aber
den in Armut lebenden Menschen in den Entwicklungsländern keine neuen
Perspektiven eröffnen und keine frischen Gelder bereitstellen.

Ohne Einrechnung der Schuldenerlässe würde Österreich nur bei
einem Anteil von 0,24% seines BNE für EZA liegen anstelle der
offiziellen 0,49%, und innerhalb der EU-15 auf den blamablen 12.
Platz abrutschen. Nach dem Auslaufen der Entschuldungsmaßnahmen steht
Österreich vor einer enormen Herausforderung, das vereinbarte Ziel
von 0,51% seines BNE für das Jahr 2010 noch zu erreichen.

"Mit Blick auf die demnächst beginnenden Budgetverhandlungen der
österreichischen Regierung möchten wir die zuständigen Ministerien
nachdrücklich auffordern, den international eingegangenen
Verpflichtungen Österreichs hinsichtlich einer Aufstockung des
österreichischen EZA-Budgets nachzukommen", fordert Petra Navara. "Um
im Jahr 2010 die versprochenen 0,51% tatsächlich zur Verfügung
stellen zu können, bedarf es rasch anlaufender Maßnahmen seitens der
österreichischen Regierung." Nach wie vor gibt es in Österreich
keinen bindenden Stufenplan für die Erreichung der 0,7% des BNE bis
2015.

Die österreichische NGO-Dachorganisation AG Globale Verantwortung
beobachtet gemeinsam mit ihren europäischen PartnerInnen sehr genau,
ob Österreich und die anderen EU-Mitgliedstaaten ihre EZA-Versprechen
auch tatsächlich umsetzen. Der demnächst erscheinende "Aid Watch
Report", ein gemeinsamer Report von über 1.600 europäischen NGOs,
wird wie immer eine detaillierte und umfassende Darstellung der
europäischen EZA-Performance bieten.

GLOBALE VERANTWORTUNG - Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und
Humanitäre Hilfe.

Die Dachorganisation vertritt national und international die
Interessen österreichischer Nichtregierungsorganisationen, die in den
Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, entwicklungspolitische
Inlandsarbeit, Humanitäre Hilfe sowie nachhaltige globale
wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung tätig sind. AG
Globale Verantwortung ist Mitglied des europäischen Dachverbandes
CONCORD, European NGO Confederation for Relief and Development.

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0248 2008-04-04 16:39 041639 Apr 08 NEF0007 0473



AG Globale Verantwortung Zur Pressemappe

Rückfragehinweis: Mag. Gertraud Findl
Globale Verantwortung - Arbeitsgemeinschaft für Entwicklung und
Humanitäre Hilfe
Tel. 01-405 55 15-320 oder 0664-333 7389
Email: gertraud.findl@globaleverantwortung.at

Aussendungen von AG Globale Verantwortung abonnieren: als RSS-Feed per Mail



Errechnete Personen: