• 28.03.2008, 10:35:01
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Stellungnahme Rektor Bast zu Tibet-Krise

Wien (OTS) - Sport ist ebenso wenig gesellschaftspolitisches
Niemandsland, wie Kunst.Wenn sich China politisch mit den olympischen
Idealen schmückt, muss es sich daran messen lassen. Forderung nach
Beendigung von Gewalt und Repression gegen kulturelle Identität und
Vielfalt in Tibet ist daher gerade jetzt wichtig und legitim.

Wachsenden Ärger rufen die Reaktionen oder Nicht-Reaktionen der
diversen olympischen Sportorganisationen und deren politische
Patronanz zum aktuellen Thema Tibet bei Gerald Bast, dem Rektor der
Universität für angewandte Kunst Wien hervor:

Durch ein seit einigen Jahren laufendes Projekt des Instituts für
Konservierung und Restaurierung im nur wenige Kilometer von Tibet
entfernten nordindischen Dorf Nako mit einem buddhistischen
Tempelkomplex aus dem 11. Jahrhundert, sind wir für das Thema Tibet
wohl überdurchschnittlich sensibilisiert, zumal der Dalai Lama im
Vorjahr dieser Tempelanlage während der Restaurierungsarbeiten einen
Besuch abstattete.

Wie sich jetzt die nationalen und internationalen Repräsentanten
des Sports demonstrativ blind und taub stellen, ist angesichts der
aktuellen Ereignisse in Tibet nur mehr schwer erträglich. Ich sage
das als Vertreter einer Kunstinstitution, die sich - ebenso wenig wie
Sportverbände - als politische Organisation sieht, aber sehr wohl als
gestaltender und mit gesellschaftspolitischer Verantwortung
ausgestatteter Teil unserer Gesellschaft.

Wenn Demonstrationen gegen die kulturelle und wirtschaftliche
Marginalisierung einer Bevölkerungsgruppe mit politischer Repression
und gleichzeitiger Ausweisung nicht nur aller Journalisten sondern
überhaupt sämtlicher ausländischer BesucherInnen beantwortet werden,
dann wird ein Staat, der Olympische Spiele unter dem Motto "One World
One Dream" veranstaltet, unglaubwürdig.
Wenn Massenverhaftungen, Verletzte und Tote durch systematische,
totale Informationssperre aus dem internationalen öffentlichen
Bewusstsein gehalten werden sollen, dann sollte man dies nicht als
innerpolitische Angelegenheit, die mit dem Sport nichts zu tun habe,
schweigend hinnehmen.

Wenn die olympische Friedensfackel nur unter Militärschutz durch
diesen Teil Chinas getragen werden kann, dann sollten auch die
nationalen und internationalen Sportfunktionäre aus ihrer idyllischen
gesellschaftspolitischen Schein-Exklave gerissen werden.

Natürlich gibt es eine ganze Reihe von Staaten, die mehr oder
weniger offensichtlich fundamentale Menschenrechte verletzen, aber
ein Staat, der die Weltfestspiele des Sports veranstaltet, die den
olympischen Idealen des Friedens und der Völkerverständigung gewidmet
sind, muss sich daran auch in besonderem Maße messen lassen, zumal
sich dieser Staat - anders als es die Sportfunktionäre sehen wollen -
mit eben diesen Spielen und deren Idealen politisch wirksam schmücken
will. Eben deshalb ist es nicht nur legitim, sondern ein Gebot der
Stunde, gerade jetzt ein Ende von Gewalt und Repression gegen
kulturelle Identität und Vielfalt in Tibet zu fordern. Denn Sport
ist ebenso wenig wie Kunst ein gesellschaftspolitisches Niemandsland,
wenn es um die Einhaltung von Menschenrechts-Standards von der
Informations- und Meinungsfreiheit bis hin zur Wahrung der
persönlichen Integrität geht!

Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien

Rückfragehinweis:

Universität für angewandte Kunst Wien
   Öffentlichkeitsarbeit/Stabstelle des Rektors
   Mag. Anja Seipenbusch-Hufschmied/Leiterin
   Oskar Kokoschka-Platz 2, 1010 Wien
   mailto:[email protected]
   www.dieangewandte.at

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