• 27.03.2008, 18:00:01
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Nur lauter kleine Lücken

Wien (OTS) - Gott sei Dank. Die Spin-Doktoren haben - mit einigen
Tagen Verspätung - die Lösung gefunden: Die Regierung plant ja gar
keine neue Steuer, sondern lediglich die Schließung von
Besteuerungslücken, wie uns Christoph Matznetter nun erklärt. Na,
dann brauchen wir ja nicht mehr besorgt zu sein.

Dann brauchen sich auch die Bauern, Häusl- und
Eigentumswohnungsbesitzer nicht mehr zu sorgen, dass ihnen die Finanz
künftig noch näher tritt. Auch alle jene, die das Pensionsalter
erreichen wollen und dafür mit mehr als ertragsfaulen
Bausparverträgen vorzusorgen versuchen, können wieder unbesorgt
schlafen, und sie müssen nicht nächtens mit einem Geldkoffer durch
Vorarlberg Richtung Westen ziehen.

Wenn wir alle recht fest an Matznetters Lückenkonstruktion
glauben, braucht sich auch die ÖVP nicht mehr sorgen, dass die unter
Einfluss von Claus Raidl und Christoph Leitl leichtfertig gegebene
Zustimmung zu einer Vermögens . . . , pardon: zu einer
Lückenschließung ihre Wirtschaftskompetenz und Glaubwürdigkeit
("Keine neuen Steuern", "Senkung der Abgabenquote") beschädigt hat.

Oder haben wir Matznetter etwa falsch verstanden? Streut er uns am
Ende nur Sand in die Augen? Nein, lieb Vaterland, du kannst bestimmt
ganz ruhig sein. Schließlich hat ja Andrea Kdolsky vom Rechnungshof
gehört, dass im Gesundheitswesen drei Milliarden zu heben seien (wie
man neuerdings gerne sagt, wenn man schlicht "einsparen" meint). Sie
scheint bloß noch nicht herausgefunden zu haben, wo dieser Schatz
eigentlich liegt, der ja spielend alle "Lücken" stopfen würde.

Vielleicht findet sich der Schatzplan auf der Rückseite der
(bedauerlicherweise verloren gegangen) österreichischen
Unabhängigkeitserklärung? Oder ernsthaft gefragt: Vielleicht klären
uns Ärzte und Spitäler auf, warum sich seit Einführung der
"leistungsorientierten" Abrechnung bestimmte Krankheiten so rapid
vermehrt haben? Vielleicht erläutern uns Arbeiter- und
Wirtschaftskammer, warum sie für ihre Funktionäre so viel gut
bezahlte Leitungs-Posten in den diversen Krankenkassen brauchen?
Warum diese Kassen weiterhin Bagatell-Leiden finanzieren? Warum
jedoch andere Patienten so oft unnötig in die teuren Spitäler
geschickt werden? Lauter kleine (Wissens-)Lücken . . .

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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