OTS0143 / 06.02.2008 / 11:56 / Channel: Kultur / Aussender: Verlagsgruppe News
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Handke zur Wahl in Serbien: Kosovo-Autonomie "das Absurdeste, was es je gegeben hat." =


   Wien (OTS) - In einem politischen Interview für die morgen
erscheinende NEWS-Ausgabe nimmt Peter Handke ausführlich zur
Situation in Serbien nach der Wahl Stellung. Meldungen, er habe eine
Wahlempfehlung für den Nationalisten Nikolic abgegeben, bezeichnet er
als "völligen Unsinn (...) Ich habe nur gesagt: "Ich würde ihn
gewählt haben. Ich kenne ihn kaum, aber seine Radikale Partei wird im
Ausland verleumdet und ganz und gar falsch dargestellt. Wenn da immer
steht ,Ultranationalisten’, sollte man allen diesen Journalisten auf
die Finger hauen, weil sie ihre Arbeit schon wieder einmal nicht
gemacht haben. Nichts als Formeln, die man schnell zur Hand hat! Das
sind verletzte Patrioten, Leute, die einfach nicht glauben können,
dass durch Erpressung vom Westen her Politik gemacht werden kann."
   Die nun geplante Autonomie des Kosovo bezeichnet Handke als
"tragische Situation, die der Westen in die ganze Region
hineinbombardiert hat. Es gibt keinen Ausweg mehr. Viele Gruppen der
Albaner drohen jetzt: ,Wenn wir keinen Staat bekommen, werden wir
weiter Gewalt ausüben.’ Unter diesem Druck einem Land die
Unabhängigkeit zu geben ist ja das Absurdeste, was es je gegeben hat.
Leuten, die mit Gewalt drohen, einen Staat zu überlassen! Das hätte
etwas Karl-Valentin-haftes, wenn es komisch wäre. Irgendwann  wird es
nicht anders möglich sein, als dass wir alle ohne Grenzen leben
können. Da wird dann dieser zweite albanische Staat auch dazugehören.
Aber im Moment ist die Zeit noch nicht reif. Um das Wort Demokratie,
das mir immer schwerer über die Lippen geht, doch noch zu verwenden:
Man hätte im Kosovo ein bisschen mehr Demokratie walten lassen
sollen, damit das Volk sich daran gewöhnt. Durch die Verwaltung des
Westens ist jedenfalls gerade das Gegenteil eingetreten, Schmuggel
und Drogenhandel sind noch stärker geworden."
   Zum neuen französischen Präsidentenpaar sagt Handke nur: "Man ist
sonst immer froh, wenn man im Ausland ist und nicht die Zeitungen mit
den Politikergesichtern sehen muss. Aber sogar wenn man auf dem Mond
wäre, würde dieses Paar in der Mondzeitung stehen. So ist es eben:
man ist gierig auf Bilder, und immer auf die gleichen Visagen. Mich
geht das nichts an. Ich bin Ausländer und Enklavenbewohner und pflege
keine diplomatischen Beziehungen aus meiner Enklave."
   Meldungen, er denke daran, das Schreiben aufzugeben, bezeichnet
Handke als "Blödsinn. Ich habe nur in einem Interview gesagt, ich
kann mir vorstellen, dass meine epische Unternehmung irgendwann
einmal  vorbei ist (...) Ich habe jedenfalls noch genug  zu
schreiben." Sein in NEWS angekündigtes Theaterstück über die Kärntner
Partisanen habe er noch nicht begonnen: "Ich muss mir von Gott noch
ein paar Schaltpunkte eingeben lassen."
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