- 14.12.2007, 14:37:00
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Interview mit Prof. Roden zu seinem Forschungsprojekt: Zusammenhang zwischen Fettleber und Typ II Diabetes
Wien (OTS) - Prim. Prof. Dr. Michael Roden, Leiter der 1.
medizinischen Abteilung am Hanusch-Krankenhaus, ist in den letzten 15
Jahren vielfach für seine Forschungsarbeiten ausgezeichnet worden.
Besonders hervorzuheben ist die Verleihung des begehrten
Minkowski-Preises im Oktober 2006. Prof. Roden war der erste
Österreicher, der diese höchste Auszeichnung auf dem Gebiet der
Endokrinologie (Hormonforschung) erhalten hat. Mit dem 1961 erstmals
verliehenen Preis anerkennt die Europäische Gesellschaft für Diabetes
(EASD) kontinuierlich herausragende Leistungen von Ärzten und
Biochemikern unter 45 Jahren bei der Erforschung von Diabetes
Mellitus und damit verbundenen Krankheiten.
Heuer und nächstes Jahr fördert GlaxoSmithKline die
Diabetesforschung in Europa mit 1 Mio. Euro. Prof. Roden ist mit
seinem Forschungsprogramm "Lipid-Speicherung und die Funktion der
Mitochondrien - von der Fettleber zum Typ II Diabetes" einer von zehn
Antragstellern, die von der European Foundation for the Study of
Diabetes (EFSD) ausgewählt wurden bzw. 2008 noch werden und jeweils
100.000,- Euro erhalten.
Der Bitte, seine Forschungstätigkeit für Laien verständlich zu
erklären, kommt Prof. Roden gerne nach, indem er am Ursprung - bei
der Zelle - beginnt:
"Die Zelle ist wie ein Motor. Die Zellkraftwerke (Mitochondrien)
produzieren ATP (Adenosintriphosphat) und stellen damit allen
möglichen Stoffwechselvorgängen Energie zur Verfügung. Wird zuwenig
ATP produziert, kommt es zu einer Störung der Zellkraftwerke. Bei Typ
II Diabetikern und anderen hormonellen Erkrankungen liegt eine
Störung der ATP-Produktion im Muskel vor, so dass die Nahrungsstoffe
auch bei Überangebot nicht richtig genützt und weniger Energie
gewonnen werden kann. Das Zuviel an Fett wird im Muskel, aber auch in
der Leber gespeichert. Insulinresistente Patienten haben häufig eine
Fettleber, die nicht auf übermäßigen Alkoholgenuss zurückzuführen
ist. Die Folgen jedoch sind die gleichen und können bis zur tödlichen
Leberzirrhose führen.
Wir wissen nicht, ob in der Leberzelle selbst auch ein solcher
Defekt vorliegt. Die erste Herausforderung im Rahmen der
Forschungsarbeiten lag vor allem darin, eine Untersuchungsmethode zu
finden, bei der keine Gewebsproben entnommen werden müssen und bei
der der Patient keiner Strahlenbelastung ausgesetzt wird. Die von uns
entwickelte Anwendung der Magnetresonanzspektroskopie ermöglicht eine
schmerzfreie und ungefährliche Untersuchung. Die Untersuchungen
erfolgen im Rahmen einer langjährigen engen Kooperation mit dem MR
Center of Excellence der Med Uni Wien am AKH und sind in dieser Form
weltweit nur wenigen Institutionen möglich.
Erstmals können wir den Energiestoffwechsel von Leberzellen des
Menschen unter realen Bedingungen beobachten und wollen im Rahmen des
neuen Projektes (gefördert von der European Foundation for the Study
of Diabetes) so mögliche Ursachen für die nicht-alkoholische
Fettleber untersuchen. Mit Hilfe des Spektrums radiomagnetischer
Wellen sehen wir nicht nur, wie die Zuckeraufnahme und -speicherung
in den Zellen funktioniert, sondern verfolgen auch den
Energiestoffwechsel. Im Rahmen dieses Projektes soll nun geklärt
werden, ob bei Menschen mit Fettleber eine relevante Störung der
ATP-Synthese vorliegt und danach, ob diese auch durch Behandlung
modifizierbar ist.
Es ist vorstellbar, dass Menschen mit bestimmtem genetischen
Profil unterschiedlich auf verschiedene Diäten ansprechen. Die
Forschungsergebnisse sollen so von praktischem Wert sein, um optimale
Therapieansätze für verschiedene Patientengruppen zu finden.
Die Erforschung und Behandlung von hormonellen Erkrankungen wie
Diabetes ist ein wichtiges Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Aber
wir haben noch viel Aufklärungsarbeit vor uns."
Wir danken für das Gespräch!
Rückfragehinweis:
Mag. Martha Bousek
GlaxoSmithKline Pharma GmbH
Tel. + 43 1 97075-501
mailto:[email protected]
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