- 14.12.2007, 11:24:32
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IKG - Wien und Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden haben Bedenken gegenüber "38/08 A letter to the stars"
Wien (OTS) - Die Israelitische Kultusgemeinden und der
Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs sind
sowohl juridisch, als auch ihrem Selbstverständnis nach Vertreter der
jüdischen Bürger und Bürgerinnen Österreichs. Daraus leitet sich auch
der moralische Anspruch ab, für Rechte und Ansprüche der mehr als
65.000 durch die Nazis Ermordeten und etwa 130.000 in die Emigration
vertriebenen österreichischen Juden einzutreten.
Trotz des Geschehenen blieben die meisten der jüdischen Emigranten in
oft ambivalenter Art und Weise der Heimat verbunden. Durch das von
Prof. Dr. Leon Zelman geführte "Jewish Welcome Service" wurden es
seit Jahren, und wird es auch in Zukunft in kompetenter und
professioneller Art und Weise, den Überlebenden ermöglicht,ihre alte
Heimat wieder zu besuchen und in Zusammenarbeit mit der IKG und ihrem
psychosozialen Dienst ESRA diese Konfrontation und dieses Wiedersehen
auch emotional zu verkraften.
Die IKG, bzw. der Bundesverband haben längere Zeit gezögert und das
Projekt "A Letter to the stars" verfolgt, auch eingedenk des
Umstandes, dass das technisch ausgezeichnete PR-Konzept geschickt
über die Mängel hinwegtäuscht und das Projekt von einer Vielzahl von
Personen unterstützt wird, die damit einen Beitrag zur
Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in Österreich leisten
wollen.
Aus dem Bekenntnis zu ihrer oben erwähnten Verantwortung heraus
jedoch können IKG und ESRA nicht schweigen:
1. Bei dem mit großem medialem Einsatz agierenden Unternehmen " A
Letter to the stars" werden jedoch in showmäßig organisierten
"Events" sowohl die Gefühle der Überlebenden kommerzhaft
instrumentalisiert, als auch die österreichische Jugend mit zu
geringer fachlicher Vorbereitung durch Mausklick mit der Shoah
konfrontiert ("rent your survivor").
2. Bei Großveranstaltungen von 250 teilnehmenden Überlebenden ist die
fachliche Betreuung nicht gesichert, im Gegenteil, Fachleute warnen
vor der Gefahr einer "Retraumatisierung" durch das Event.
3. Durch derartige Events mit Kirtagscharakter und Aktionen wie dem
Schreiben von Briefen an Tote erfolgt weder für Überlebende noch für
die heutige österreichische Jugend, eine tiefergehende
Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte Österreichs.
IKG und ESRA haben daher erhebliche Bedenken gegenüber dem Projekt "
38/08 A Letter to the stars" und ersuchen die Organisatoren von "A
Letter to the stars" diese uneingeschränkt zu berücksichtigen.
Rückfragehinweis:
Israelitische Kultusgemeinde
Tel.: (01) 53 104-105
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