Leonard Orban gegen "lingua franca" in der Europäischen Union EU-Kommissar im Gespräch mit Abgeordneten und Bundesräten
Wien (PK) - Der für die Mehrsprachigkeit zuständige EU-Kommissar
Leonard Orban bekannte sich heute in einem Meinungsaustausch mit
österreichischen Abgeordneten und Bundesräten zur sprachlichen
Vielfalt in der Union und betonte mit Nachdruck, die EU verfolge
nicht den Grundsatz einer "lingua franca", sondern baue vielmehr auf
der Vielsprachigkeit auf. Dies sei auch eine Frage von politischer
Dimension, zumal gerade die kleineren Mitgliedstaaten in der
Anerkennung ihrer Sprache ein wichtiges Zeichen sehen, "dass sie am
Tisch sitzen". Orban plädierte dafür, auch weiterhin alle EU-
Dokumente in sämtliche offizielle Sprachen der Union zu übersetzen
und meinte, die hohen Kosten dürften kein Argument für diesbezügliche
Einschränkungen sein. Das Recht der Bürger zu verstehen und
verstanden zu werden sei Teil der Demokratie. Eine Abkehr von der
Übersetzungspraxis wäre wohl nicht die richtige Antwort auf die
vielfach geäußerte Kritik des mangelnden Dialogs der Union mit ihren
Bürgern, warnte Orban.
In dem Gespräch mit österreichischen MandatarInnen im Parlament
skizzierte Orban weiters die Prioritäten seiner Arbeit als Kommissar
und hob neben dem Stellenwert der Sprachenvielfalt auch die
Propagierung des Fremdsprachenunterrichts in der Union hervor. Orban
ging dabei von dem Grundsatz aus, dass das Erlernen von Fremdsprachen
allen, und nicht nur einem kleinen elitären Kreis zugänglich sein
müsse. Klar war er sich auch über die Bedeutung des Erlernens einer
Fremdsprache für die Integration von Zuwanderern. Neben der
politischen Dimension der Mehrsprachigkeit, die vor allem eine Folge
des wachsenden Regionalismus ist, wies Orban darüber hinaus auch auf
den Zusammenhang zwischen Mehrsprachigkeit und Wirtschaft,
Innovation, Forschung und Entwicklung hin.
Die Vizepräsidentin des Bundesrates Anna Elisabeth Haselbach (S), die
das Gespräch leitete, trat ebenfalls für die Übersetzung der EU-
Dokumente in alle Sprachen ein - dies vor allem aus praktischen
Gründen, wobei sie bemerkte, Politiker werde man nicht aufgrund der
Fremdsprachenkenntnisse. Weiters beteiligten sich an der Diskussion
mit Kommissar Orban auf österreichischer Seite die Abgeordneten
Elisabeth Hlavac (S), Beatrix Karl (V), Gertrude Brinek (V), Dieter
Brosz (G) und Bundesrat Albrecht Konecny (S).
Im Rahmen seines mehrtägigen Aufenthalts in Österreich wird Leonard
Orban u.a. das Europäische Fremdsprachenzentrum in Graz sowie eine
Europäische Mittelschule in Wien besuchen.
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