OTS0155 / 13.12.2007 / 12:07 / Channel: Politik / Aussender: Parlamentsdirektion
Stichworte: Besuch / EU / Orban / Parlament


Leonard Orban gegen "lingua franca" in der Europäischen Union EU-Kommissar im Gespräch mit Abgeordneten und Bundesräten =


   Wien (PK) - Der für die Mehrsprachigkeit zuständige EU-Kommissar 
Leonard Orban bekannte sich heute in einem Meinungsaustausch mit 
österreichischen Abgeordneten und Bundesräten zur sprachlichen 
Vielfalt in der Union und betonte mit Nachdruck, die EU verfolge 
nicht den Grundsatz einer "lingua franca", sondern baue vielmehr auf 
der Vielsprachigkeit auf. Dies sei auch eine Frage von politischer 
Dimension, zumal gerade die kleineren Mitgliedstaaten in der 
Anerkennung ihrer Sprache ein wichtiges Zeichen sehen, "dass sie am 
Tisch sitzen". Orban plädierte dafür, auch weiterhin alle EU-
Dokumente in sämtliche offizielle Sprachen der Union zu übersetzen 
und meinte, die hohen Kosten dürften kein Argument für diesbezügliche 
Einschränkungen sein. Das Recht der Bürger zu verstehen und 
verstanden zu werden sei Teil der Demokratie. Eine Abkehr von der 
Übersetzungspraxis wäre wohl nicht die richtige Antwort auf die 
vielfach geäußerte Kritik des mangelnden Dialogs der Union mit ihren 
Bürgern, warnte Orban.
In dem Gespräch mit österreichischen MandatarInnen im Parlament 
skizzierte Orban weiters die Prioritäten seiner Arbeit als Kommissar 
und hob neben dem Stellenwert der Sprachenvielfalt auch die 
Propagierung des Fremdsprachenunterrichts in der Union hervor. Orban 
ging dabei von dem Grundsatz aus, dass das Erlernen von Fremdsprachen 
allen, und nicht nur einem kleinen elitären Kreis zugänglich sein 
müsse. Klar war er sich auch über die Bedeutung des Erlernens einer 
Fremdsprache für die Integration von Zuwanderern. Neben der 
politischen Dimension der Mehrsprachigkeit, die vor allem eine Folge 
des wachsenden Regionalismus ist, wies Orban darüber hinaus auch auf 
den Zusammenhang zwischen Mehrsprachigkeit und Wirtschaft, 
Innovation, Forschung und Entwicklung hin. 
Die Vizepräsidentin des Bundesrates Anna Elisabeth Haselbach (S), die 
das Gespräch leitete, trat ebenfalls für die Übersetzung der EU-
Dokumente in alle Sprachen ein - dies vor allem aus praktischen 
Gründen, wobei sie bemerkte, Politiker werde man nicht aufgrund der 
Fremdsprachenkenntnisse. Weiters beteiligten sich an der Diskussion 
mit Kommissar Orban auf österreichischer Seite die Abgeordneten 
Elisabeth Hlavac (S), Beatrix Karl (V), Gertrude Brinek (V), Dieter 
Brosz (G) und Bundesrat Albrecht Konecny (S).
Im Rahmen seines mehrtägigen Aufenthalts in Österreich wird Leonard 
Orban u.a. das Europäische Fremdsprachenzentrum in Graz sowie eine 
Europäische Mittelschule in Wien besuchen.
HINWEIS: Fotos von diesem Besuch finden Sie - etwas zeitverzögert - 
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(Schluss)
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