- 11.12.2007, 10:45:50
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Berger eröffnet Enquete "60 Jahre Richterinnen in Österreich, 30 Jahre Gleichstellung in Europa"
Wien (SK) - "In der Justiz konnte für Frauen viel bewirkt werden:
Aktuell macht der Anteil der Richterinnen 47 Prozent aus, bei den
Neuzugängen sind es gar 64 Prozent", so Justizministerin Maria Berger
anlässlich der Eröffnung der Enquete "60 Jahre Richterinnen in
Österreich, 30 Jahre Gleichstellung in Europa". Der Weg dahin sei
allerdings ein steiniger gewesen, die beiden ersten österreichischen
Richterinnen, Gertud Jaklin und Johanna Kundmann, seien noch auf
zahlreiche Widerstände getroffen, erinnerte Berger in ihrer Rede.****
Die Justizministerin bedauerte, dass beide Richterinnen bereits
verstorben seien und deshalb ihrem Jubiläum, "das gleichzeitig ein
besonderes Jubiläum für die Justiz ist" nicht beiwohnen können.
Jedoch gebe es ein besonderes Dokument, das die Schwierigkeiten der
ersten beiden Richterinnen eindrucksvoll verdeutliche. 1968 habe eine
Tagung zum Thema "Die Juristin in der Justiz" stattgefunden, in den
Tagungsunterlagen sei eine Wortmeldung von Johanna Kundmann
nachzulesen, die "berührend und visionär" sei, so Berger. Kundmann
habe damals bedauert, dass die Ernennung der ersten beiden
Richterinnen den Tageszeitungen nur eine kleine Notiz wert gewesen
sei. Überdies beklagte sie das männerdominierte Berufsbild des
Richters, auf das sie die Probleme in ihrem Werdegang zurückführte.
Kundmann hatte dafür plädiert, dass es an der Zeit sei mit
Traditionen zu brechen und auch Frauen in der Justiz vorwärts kommen
zu lassen und sie gab der Hoffnung Ausdruck, dass dieses Problem in
fünfzig Jahren gelöst sei.
"Wir können heute, 40 Jahre nach dieser Einschätzung, ein
Zwischenresumee ziehen: Es hat nach der Ernennung der ersten beiden
Richterinnen noch etwa 30 Jahre gedauert, bis das Thema der
Gleichstellung von Männern und Frauen in der Arbeitswelt auf
europäischer Ebene auf die Tagesordnung gesetzt wurde", erläuterte
Berger. Am 9. Februar 1976 sei die erste Gleichstellungsrichtlinie
auf europäischer Ebene verabschiedet worden, diese sei
"rechtspolitisch ein großer Fortschritt gewesen und hat Maßstäbe
gesetzt". Sie könne als Ausgangspunkt für die europäische
Gleichstellungsarbeit gesehen werden, so Berger. Gerade an die
Rechtsakte der EU zu Gleichbehandlungsthemen, die neue
Handlungsmöglichkeiten gegen Diskriminierung eröffnen, würden große
Hoffnungen gesetzt, unterstrich Berger, "und vielleicht können wir in
zehn Jahren tatsächlich sagen, dass wir alle Probleme gelöst haben".
(Schluss) sw
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