- 12.11.2007, 09:30:55
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Unabhaengige GewerkschafterInnen: Offener Brief eines Lehrers an Wilhelm Molterer
Wien (OTS) - Wien 12.11.2007
Sehr geehrter Herr Vizekanzler!
Sehr geehrter Herr Finanzminister!
Ich bin einer der Lehrer, denen Sie dieses Wochenende in
aller Öffentlichkeit einen fürsorglich moralisierenden Brief
geschrieben haben, damit wir auch weiterhin "den jungen Menschen, die
uns anvertraut sind, eine gute Schulzeit und vor allem beste Chancen
im weiteren Leben ermöglichen mit großem fachlichen und pädagogischen
Wissen, oft mit Humor, manchmal mit Strenge. Und immer mit Herz".
Sie haben als ÖVP-Politiker jahrelang die Stundenkürzungen
und den Personalabbau von Schüssel-Gehrer mitgetragen. Heute führen
Sie Gesprächen mit LehrerInnen und Lehrern und wissen nun, "dass der
Schulalltag nicht immer einfach ist" und "die Lebensumstände sich
geändert haben". LehrerInnen und SchülerInnen haben die Folgen der
Einsparungen zu spüren bekommen. PISA und andere Studien zeigen,
wohin diese Politik geführt hat. Wo bleibt Ihre Einsicht in
bildungspolitische Notwendigkeiten, wo Ihr christlich-soziales
Gewissen angesichts einer Schul-"Organisationsform", die soziale
Auslese bewirkt?
Sie schreiben, dass Sie "hart arbeiten" an Ihrer "Bereitschaft,
das Bildungssystem weiterzuentwickeln". Eine "Organisationsform", die
den geänderten Lebensbedingungen von SchülerInnen und Eltern Rechnung
trägt, blockiert die von Ihnen geführte ÖVP immer noch.
Von Ihnen als Vizekanzler und Finanzminister brauchen Lehrerinnen
und Lehrer keine Belobigungen und keine Appelle, sondern die
Bereitstellung der erforderlichen Budgetmittel für die Schule und für
Schulreformen, die auf qualitative Verbesserungen für alle Kinder
abzielen, auf individuelle Förderung und soziale Integration.
Wenn Sie tatsächlich wollen, dass wir LehrerInnen für den
"wichtigsten Dienst an der Gesellschaft" die "entsprechende
Anerkennung in der Öffentlichkeit und vor allem von der Politik
erfahren", dann schreiben Sie keine Briefe, sondern sorgen Sie für
ein Budget, in dem Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst
vorgesehen sind, mit denen geleistete Arbeit, Inflation und
Wirtschaftswachstum abgegolten werden. Sorgen Sie dafür, dass die
10-semestrige Universitätsausbildung aller LehrerInnen nicht daran
scheitert, dass Sie und Ihre RegierungskollegInnen für eine bessere
Entlohnung der Volks- und HauptschullehrerInnen nichts übrig haben.
Sehr geehrter Herr Finanzminister, sorgen Sie dafür, dass dem
Bildungsbereich endlich die Budgetmittel zukommen, die eine
menschenfreundliche, weltoffene Schule braucht. Bildung kostet, aber:
Österreich ist eines der reichsten Länder der Welt.
Glück auf, trotz alledem!
Reinhart Sellner, Lehrer und Mitglied der ARGE LehrerInnen in der GÖD
Rückfragehinweis:
Unabhängige GewerkschafterInnen-ÖLI/UG
Reinhart Sellner: [email protected]
Internet: www.ugoed.at
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