• 02.11.2007, 12:56:29
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Bartenstein: "Wir nähern uns weiter der Vollbeschäftigung"

Den zwanzigsten Monat in Folge sinkt im Jahresvergleich die Zahl der Arbeitslosen - Maßnahmen gegen Fachkräftemangel - Steigerung der sozialen Sicherheit

Wien (BMWA-OTS) - "Seit dem Frühjahr 2006 verzeichnen wir sinkende
Arbeitslosenzahlen - mit einem Rückgang von 4,6 Prozent ist der
vergangene Oktober der zwanzigste Monat in Folge. Das ist ein kleines
und zugleich erfreuliches Jubiläum", sagte Wirtschafts- und
Arbeitsminister Martin Bartenstein heute bei einer Pressekonferenz zu
den neuesten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Mit einer
Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent - um 0,3 Prozentpunkte weniger als
vor einem Jahr - nähere sich Österreich weiter der Vollbeschäftigung.
"Der Rückgang der Arbeitslosigkeit zeigt gemeinsam mit dem Zuwachs an
als offen gemeldeten Stellen, dass die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt
ungebrochen anhält. Mit einer Beschäftigungsquote von 70,2 Prozent
gehört Österreich jedenfalls zu den beschäftigungsintensivsten
Ländern Europas", betonte Bartenstein. "Auch die Lehrstellenlücke ist
im Oktober gegenüber dem Vorjahresmonat signifikant geschrumpft - um
23,4 Prozent auf 1.882."

Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel

"Der Mangel an Fachkräften ist nicht nur ein österreichisches,
sondern ein europäisches und auch ein globales Phänomen", so
Bartenstein. Österreich müsse daher vor allem selbst für die
ausreichende Qualifikation seiner Arbeitskräfte sorgen. Dazu sei es
vordringlich, mit dem bewährten österreichischen System der Lehre als
duale Ausbildung in den Unternehmen und der Berufsschule die
Jugendlichen zu Fachkräften zu machen. Hier habe die Bundesregierung
mit dem Jugendbeschäftigungspaket, der Lehrlingsausbildungsprämie und
dem Blum-Bonus wichtige Vorsorgen getroffen.

Als zweiten Schritt nannte der Minister die
Qualifizierungsoffensive des AMS: hier seien als
arbeitsmarktpolitische Maßnahme der Bundesregierung zusätzliche
Mittel bereitgestellt worden, die zum Beispiel dem AMS das "Projekt
10.000" ermöglicht hätten: eine Qualifizierung von 10.000 Personen
(doppelt so vielen wie im Vorjahr) zu Metallfachkräften.

Die dritte Möglichkeit sieht Bartenstein im Zuzug von Fachkräften
aus dem Ausland, die aber den Mangel lediglich lindern, nicht
nachhaltig schmälern oder gar eindämmen könnten. Hier habe man gute
Erfahrungen mit Pflege- und Schlüsselkräften, Forschern und
Fachkräften in bisher drei Metall verarbeitenden Berufen (Schweißer,
Dreher und Fräser) gemacht. Mit der neuen Fachkräfte-Verordnung werde
daher die Berufsliste auf 50 erweitert und die Kontingentierung
aufgehoben. Bartenstein wertet es als ein "gutes Signal", dass
Arbeitnehmervertreter prinzipiell hinter der schrittweisen Öffnung
des Arbeitsmarktes stehen.

Für 2009 geht Bartenstein weiterhin davon aus, dass die Öffnung
des Arbeitsmarktes für Fachkräfte und Akademiker kommen sollte.

Weitere Schritte zu rascheren Integration arbeitsloser
Ausländer in den Arbeitsmarkt

"Wir wollen aber auch weitere Schritte zur Integration von
arbeitslosen Ausländern in den Arbeitsmarkt setzen", fuhr Bartenstein
fort. Dazu gehöre vor allem eine Intensivierung der Deutschkurse.
Bislang besuchen jährlich rund 9000 Menschen vom AMS veranstaltete
Deutschkurse. Das soll nun verstärkt werden: Mit Gruppenunterricht
von maximal zehn Personen im Ausmaß von vier Unterrichtsstunden pro
Tag über einen Zeitraum von acht bis zwölf Wochen sollten ab Jänner
des kommenden Jahres 5.000 Personen Deutschkenntnisse vermittelt
werden. "Das ist ein ganz konkreter Beitrag zur Verbesserung der
Chancen im Arbeitsmarkt, das ist gelebte und praktische Integration",
so Bartenstein.

Umfassendes "Flexicurity"-Paket zur sozialen Absicherung

Bartenstein ging sodann auf das am Mittwoch im Ministerrat
beschlossene "Flexicurity"-Paket für eine umfassende soziale
Absicherung auch für "Freie Dienstnehmer" und Selbstständige ein.
"Hier ist - nicht zuletzt dank der konstruktiven Zusammenarbeit mit
den Sozialpartnern und einer Konsens-orientierten Mitarbeit der SPÖ -
ein Meilenstein gelebter Flexicurity und in der Umsetzung des
Konzepts 'Gute Arbeit' gelungen", sagt der Minister.

Künftig werden die "Freien Dienstnehmer" in die
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentgeltsicherung mit einbezogen
und für Selbstständige die Möglichkeit einer Arbeitslosenversicherung
(auf freiwilliger Basis) eingerichtet. Nach dem Erfolgsmodell
"Abfertigung neu" wird es auch eine betriebliche Vorsorge in Zukunft
für alle geben, die einer Beschäftigung nachgehen.

Zur Attraktivierung der Bildungskarenz werde das
Weiterbildungsgeld von bisher 436 Euro auf das jeweils gebührende
Arbeitslosengeld erhöht, das derzeit durchschnittlich 738 Euro
beträgt, kündigte Bartenstein an. Außerdem werde die
Mindestbeschäftigungsdauer von drei Jahren auf ein Jahr herabgesetzt.
Auch Saisonbeschäftigte, die beim selben Arbeitgeber innerhalb von
vier Jahren mindestens zwölf Monate gearbeitet haben, werden künftig
Bildungskarenz in Anspruch nehmen können.

Modernisierung der Zumutbarkeitsbestimmungen

Ein weiterer Teil des Flexicurity-Pakets gelte der Modernisierung
der Zumutbarkeitsbestimmungen, führte Bartenstein weiter aus. Dazu
gehöre die präzise Definition der Mindestverfügbarkeit - mindestens
20 Wochenstunden bzw. 16 Stunden, wenn keine Betreuungsmöglichkeiten
für Kinder bis zum zehnten Lebensjahr oder bei behinderten Kindern
gegeben sind - und die Festlegung zumutbarer Wegzeiten mit zwei
Stunden täglich für Hin- und Rückweg bei Vollbeschäftigung
(eineinhalb Stunden bei Teilzeit, bei Betreuungspflichten Verkürzung
möglich). Weiters müssen auch Stellen angenommen werden, die von
AMS-Partnern vermittelt werden, sowie Arbeitsverhältnisse, die im
Rahmen eines Sozialökonomischen Betriebes oder eines Gemeinnützigen
Beschäftigungsprojektes angeboten werden. Die Sanktionen gegen
pfuschende Arbeitskräfte werden verschärft.

Eckdaten zum Arbeitsmarkt

Im Oktober 2007 ist die Zahl der Arbeit suchend gemeldeten
Personen um 4,6 Prozent bzw. 9,766 auf 204.840 gesunken. Nach
vorläufiger Fortschreibung des AMS liegt die Arbeitslosenquote nach
EUROSTAT-Methode derzeit bei 4,2 Prozent - 0,3 Prozentpunkte besser
als im Oktober 2006 - und damit Österreich auf Basis letzt
verfügbarer Werte an fünfter Stelle im europäischen Vergleich. Bei
gleichzeitigem Sinken der Arbeitslosenzahlen ist auch die Zahl der
Schulungsteilnehmer rückläufig: Ende Oktober waren im Vergleich zum
Vorjahr um 14 Prozent bzw. 8.802 Menschen weniger in
Schulungsmaßnahmen des AMS. Insgesamt ergibt das für die Zahl der
Arbeit Suchenden einen Nettoeffekt von minus 18.568 (-6,7%).

Die Zahl der Beschäftigten ist nach einer Schätzung des BMWA um
rund 60.000 (+1,8 Prozent) im Vergleich zu Ende Oktober 2006 auf rund
3.380.000 angestiegen. Offene Stellen waren im Oktober 2007 mit
37.862 um 3,6 Prozent (+ 1.324) mehr gemeldet als ein Jahr zuvor.
Darüber hinaus haben von den 204.840 vorgemerkten Arbeitssuchenden
35.951 eine Einstellzusage und erwarten aktuell keine Vermittlung
durch das AMS. Die Zahl der Langzeitarbeitssuchenden ist um 19,1
Prozent bzw. 1.367 Personen zurückgegangen. Die Dauer der
Arbeitssuche beträgt durchschnittlich 91 Tage und hat sich damit um
vier Tage gegenüber dem Vorjahr verkürzt.

Der Rückgang der vorgemerkten Personen zieht sich durch alle
Bereiche: Bei den Männern sind es minus 5.297 (- 4,9 Prozent), bei
den Frauen minus 4.469 (- 4,2 Prozent). Inländer: minus 5,1 Prozent
(- 8.954), Ausländer: minus 2,2 Prozent (- 812). Bei den über
50-jährigen Personen waren im Oktober 2007 um 334 weniger als Arbeit
suchend vorgemerkt als im Vorjahr, was einem Rückgang von 0,8 Prozent
entspricht.

Bei den Jugendlichen ist die Zahl der Arbeit Suchenden im
Jahresabstand um 2.850 oder 7,7 Prozent auf 34.349 zurückgegangen.
Das bedeutet in dieser Altersgruppe eine Arbeitslosenquote von 8,0%.
Damit liegt Österreich innerhalb der EU an drittbester Stelle (hinter
den Niederlanden und Dänemark, die Quote für die gesamte EU liegt bei
15,1%). 5.670 Jugendliche, um 412 oder 6,8 Prozent weniger als vor
einem Jahr, haben Ende Oktober eine Lehrstelle gesucht. Dem stehen
3.788 als offen gemeldete Lehrstellen gegenüber (+163/+4,5%), das
bedeutet, dass die Lehrstellenlücke massiv um 23,4% oder 575 Stellen
auf 1.882 geschrumpft ist.

Entwicklung in den Bundesländern

Den stärksten (relativen) Rückgang der Zahl der Arbeit Suchenden
verzeichnet Oberösterreich mit minus 7,6 Prozent. Danach folgen
Salzburg (-6,5 Prozent), Wien (-6,4 Prozent), Burgenland (-5,4
Prozent), Vorarlberg (-5,1 Prozent), Niederösterreich (-3,1 Prozent),
Steiermark (-2,3 Prozent), Kärnten (-2,3 Prozent) und Tirol (-0,5
Prozent).

Entwicklung nach Branchen

Nach Branchen betrachtet verzeichnet die Sachgütererzeugung mit
minus 7,3 Prozent den stärksten relativen Rückgang. Danach folgen der
Handel (-5,5 Prozent), das Bauwesen (-3,8 Prozent), der
Fremdenverkehr (-3,3 Prozent) sowie unternehmensbezogene
Dienstleistungen (-0,4 Prozent).

Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
Ministerbüro: Mag. Maria Mittermair-Weiss, Tel.: (01) 711 00-5108
Referat Presse: Dr. Harald Hoyer, Tel.: (01) 711 00-5130
mailto: [email protected]
Internet: http://www.bmwa.gv.at

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