• 23.10.2007, 10:44:37
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Zehn Jahre Österreichische Adipositas Gesellschaft - (k)ein Grund zum Feiern?

Wien (OTS) - Unter dem Motto "Gewicht ist uns wichtig"
diskutierten vom 19. - 21. Oktober 2007 auf Schloss Seggau zahlreiche
Expertinnen und Experten der Österreichischen Adipositasgesellschaft
über die Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten der Adipositas
(krankhaftes Übergewicht).

Adipositas wurde bereits 1996 von der WHO als Erkrankung erkannt
und definiert. Zu dieser Zeit galt sie in Österreich maximal als
kosmetisches Problem. Unter dem Eindruck der weltweiten Explosion der
Adipositas besonders in den USA wurde 1997 auch in Österreich eine
Adipositasgesellschaft gegründet. Sie setzte sich zum Ziel, über die
Erkrankung aufzuklären, Maßnahmen zur Einbremsung der
Gewichtsentwicklung der Bevölkerung einzuleiten und eine
entsprechende Behandlung verfügbar zu machen.

Hoffnungen und Befürchtungen

Ao. Univ. Dr. Prof. Hermann Toplak, Gründer der Österreichischen
Adipositas Gesellschaft warnt anlässlich des zehnjährigen Bestehens
der Gesellschaft und der alarmierenden Steigerung der
Adipositaszahlen auch in Österreich: "Wir haben heute mit 10-15 %
Adipositas je nach Bundesland etwa die Zahlen aus den USA von 1991
erreicht, hinken der Entwicklung also um15 Jahre hinterher. Wir
können nur hoffen, gemeinsam mit der Gesundheitspolitik bremsend
einzuwirken, damit uns eine weitere Verdoppelung des Problems wie in
den USA erspart bleibt". Die ÖAG konnte zur Bewusstseinsbildung in
dem Sinn beitragen, dass "Gewicht wichtig ist". In den nächsten
Jahren setzt sich die Gesellschaft zum Ziel, vor allem zur Ausbildung
für Ärztinnen und Ärzte und Gesundheitsberufe beizutragen.

Prävention statt Therapie

"Adipositas sollte eigentlich nicht therapiert werden müssen,
sondern verhindert werden", so ao. Prof. Dr. Thomas C. Wascher,
derzeitiger Präsident der Österreichischen Adipositas Gesellschaft.
Damit ist das Problem auch nicht durch ärztliche Intervention alleine
zu lösen, sondern stellt ein gesellschafts- und
gesundheitspolitisches Problem dar. Dabei gilt: "Die übergewichtigen
und dicken Kinder von heute sind die adipösen und kranken Erwachsenen
von morgen". Nur Vorsorgemaßnahmen, die bereits im Vorschulalter
beginnen und die durchgängig bis zum Ende der Schulpflicht Kinder und
Eltern erfassen, können hier langfristig und nachhaltig Erfolg haben.
Dabei müssen Ernährung, Bewegung und verhaltenstherapeutische
Maßnahmen berücksichtigt werden. Die Limitierung von Bewegung auf
zwei bis drei Schulstunden etwa in der Oberstufe eines Gymnasiums
stellt eigentlich eine grobe Fahrlässigkeit im Umgang mit der Zukunft
unserer Kinder dar.

Fettrestriktion alleine ist nicht der richtige Weg

Die Ernährungstherapie spielt eine zentrale Rolle in der
Behandlung des Übergewichtes. Traditionell galt die Fettrestriktion
als der Grundpfeiler dieser Therapie. In den letzten Jahren mehren
sich jedoch Hinweise, dass eine Reduktion der glykämischen Last
(Menge und Art der Kohlenhydrate in der Nahrung) viele Komponenten
des Syndroms besser zu beeinflussen vermag als die bloße
Fettrestriktion. "Die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten
Studie haben beispielsweise gezeigt, dass durch
Kohlenhydratrestriktion die Fettstoffwechselstörung des metabolischen
Syndroms auch ohne Gewichtsreduktion verbessert werden kann, während
eine Fettrestriktion nur dann zu einer Besserung führt, wenn es
gleichzeitig zu einer Gewichtsabnahme kommt", sagt Univ. Doz. Dr.
Bernhard Paulweber von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität
in Salzburg. In epidemiologischen Studien konnte außerdem gezeigt
werden, dass eine Ernährung mit hoher glykämischer Last zu einer
signifikanten Erhöhung des Risikos für Typ 2 Diabetes und
kardiovaskuläre Erkrankungen führt. Eine kürzlich veröffentlichte
Cochrane Analyse (Studienübersicht) zeigte, dass die Reduktion der
glykämischen Last zumindest mittelfristig auch bezüglich der
Gewichtsreduktion anderen Ernährungsstrategien überlegen ist.

Operation - was dann?

Von den Patienten immer häufiger angestrebt werden Operationen, da
sie das Problem scheinbar unabhängig vom Verhalten des Patienten
lösen können.

Bei der Enstehung der Adipositas spielen neben vielen anderen
Faktoren (z. B. Genetik) psychische und psychosoziale Faktoren wie
Depressionen, Persönlichkeitsstrukturierung, schwierige
Aufwuchsbedingungen und Lebenssituationen eine wichtige Rolle. "Diese
Faktoren müssen auch bei den Patienten und Patientinnen bedacht
werden, die sich einer operativen Behandlung ihres Übergewichtes
unterziehen. Das Ziel einer psychologisch-psychotherapeutischen
Behandlung besteht darin, frühzeitig Anpassungsprobleme an die neue
Situation zu erkennen und neue, konstruktivere Bewältigungsstrategien
zu entwickelt", erläutert ao. Univ. Prof. Dr. Johann Kinzl von der
Medizinischen Universitätsklinik für Psychiatrie in Innsbruck.

Was ist Adipositas?

Adipositas ist eine ernsthafte Erkrankung. Als Fettleibigkeit wird
eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper bezeichnet. Zu
einer solchen Anreicherung von Fett kommt es, wenn die Energiezufuhr
(vor allem durch Fett, Zucker und insgesamt kalorienreiche Ernährung)
den Energieverbrauch dauerhaft übersteigt. Die Adipositas führt zu
Folgeerkrankungen und einer kürzeren Lebenserwartung.

Als Maß für Übergewicht dient der sogenannte Body-Mass-Index
(BMI). Der BMI wird berechnet, indem man das Gewicht durch das
Quadrat der Größe (in Meter) teilt (kg/m2).

Normalgewicht entspricht einem BMI zwischen 19 und 25 kg/m2.

Übergewicht liegt zwischen 25 und 30 kg/m2 vor.

Von Fettleibigkeit (Adipositas) spricht man ab einem BMI von 30
kg/m2.

Ein Mensch mit 1,70 cm Größe und 70 kg hat beispielsweise einen
BMI von 24,2.

Wer ist die Österreichische Adipositas Gesellschaft?

Die Österreichische Adipositasgesellschaft ist die
medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft unter deren Dach sich
seit 1997 jene Expertinnen und Experten zusammengefunden haben, deren
zentrale Anliegen nicht nur die Forschung und der wissenschaftliche
Austausch auf diesem Gebiet, sondern insbesondere auch die
Verbesserung der medizinischen Versorgung der Betroffenen sind.
Adipöse Patientinnen und Patienten sind in der öffentlichen
Wahrnehmung unterrepräsentiert, werden in unserem Gesundheitssystem
häufig gar nicht als Patientinnen und Patienten anerkannt. Die
Österreichische Adipositas Gesellschaft versteht sich vor allem als
"Anwältin" dieser Patienten.

Rückfragehinweis:
Österreichische Adipositas Gesellschaft
Präsident: Ao. Univ. Prof. Dr. Thomas C. Wascher
Mail: [email protected]
Mobil: +436643824631
www.adipositas-austria.org

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