- 15.10.2007, 12:05:29
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Bures zu IFES-Umfrage: "Alte Muster gelten nicht mehr"
Wien (SK) - "Alte Muster, alte Rollenklischees gelten nicht mehr.
Frauen wollen gut ausgebildet sein und Beruf und Familie vereinbaren
können. Das Schlagwort der Vereinbarkeit muss jetzt endlich mit
Leben erfüllt werden", so das Fazit von Frauenministerin Doris Bures
bei der Präsentation der von ihr in Auftrag gegebenen Studie
"Rollenbilder und Wünsche der Frauen an die Politik". Bures
präsentierte die Ergebnisse am Montag in einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Imma Palme, Geschäftsführerin von IFES. "Ich habe
vor, sehr stark hinzuschauen, wie es den Frauen geht", so Bures, die
auch einen Migrantinnenbericht für den 22. Oktober ankündigte und
noch heuer den großen Frauenbericht für 2010 ausschreiben wird. Sich
die unterschiedlichen Lebenssituationen von Frauen genau anzusehen,
sei wichtig, damit die Politik die richtigen Schlüsse ziehen könne.
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"Aus der Studie wird klar, dass die große Mehrheit der Frauen sich
nicht mehr als Zuverdienerinnen sieht, sondern als eigenständige
berufstätige Frauen. Das eigene Einkommen bildet die Grundlage für
ein eigenständiges Leben, und Frauen geht es um individuelle
Freiräume und Selbstgestaltung. Die Politik wird sich in das Leben
der Frauen nicht einmischen, aber sie muss Rahmenbedingungen
schaffen, damit sie ein unabhängiges selbstbestimmtes Leben führen
können", erläuterte die Frauenministerin die zentralen Ergebnisse der
Studie.
1.000 Frauen in ganz Österreich wurden zwischen August und September
2007 zu Rollenbildern, beruflichem Selbstverständnis und Wünschen an
die Politik vom Meinungsforschungsinstitut IFES befragt. Auffallend
sei, dass es einen signifikanten Bildungseffekt gebe. Es sei
inzwischen selbstverständlich, dass Frauen nach der Schulausbildung
eine Berufsausbildung absolvieren und dann ins Arbeitsleben
eintreten. "Immer mehr Frauen sehen sich als berufstätige Frauen", so
Palme.
Das bedeute aber nicht, dass Frauen permanent Vollzeit arbeiten
wollen, sondern eine kurze Zeit des Berufsausstiegs für die
Kinderbetreuung nutzen wollen. Je besser die Frauen ausgebildet sind,
desto stärkere sei die Selbstverständlichkeit nach Vollzeitarbeit.
"Die Hälfte der befragten Frauen bestätigt, dass eine Frau ohne Beruf
ein halber Mensch ist. Das ist ein sensationelles Ergebnis", so
Palme. Bei den jüngeren Frauen sind immerhin dreiviertel dieser
Meinung.
Auf die Frage "Gibt es Probleme, die besonders die Frauen angehen, wo
die Politik helfen kann?", antworteten 23 Prozent der Frauen mit
"mehr Kinderbetreuungsplätzen, Kinderbetreuung allgemein", 15 Prozent
mit "gleiche Bezahlung, Chancengleichheit, Aufstiegschancen", 12
Prozent mit "Arbeitsplätze, Teilzeitarbeit, flexiblere
Arbeitszeiten".
33 Prozent der befragten Frauen stimmten der Feststellung zu, dass
"immer weniger Österreicherinnen Kinder bekommen wollen, weil die
Rahmenbedingungen nicht stimmen". 58 Prozent lehnten die
Feststellung, dass "Männer in ihrem Beruf im Allgemeinen mehr als
Frauen leisten" ab, führte die IFES-Geschäftsführerin aus.
94 Prozent der Befragten bezeichnen die Bekämpfung der
Arbeitslosigkeit als "sehr wichtig". Für 92 Prozent der Frauen sind
Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen und in der Familie "sehr wichtig"
und für 91 Prozent die Einführung von gleichem Lohn für gleiche
Arbeit. Dahinter rangiert bei den Frauen an vierter und fünfter
Stelle Maßnahmen zur Bekämpfung von Frauenarmut und gegen sexuelle
Belästigung am Arbeitsplatz. 81 Prozent stufen als "sehr wichtig" die
Gratis-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs ein, präsentierte Palme
Auszüge aus den Ergebnissen der Studie.
Aufgaben für die Politik
Frauen wollen Ausbildung und die Vereinbarung von Beruf und Familie.
Die neue Bundesregierung habe dafür einige Maßnahmen schon auf
Schiene gebracht, so die Frauenministerin. Etwa durch die
Flexibilisierung des Kindergeldes haben die Frauen jetzt die
Möglichkeit, aus verschiedenen Bezugsvarianten zu wählen, ohne dass
sie mit Klage und Rückforderungen bedroht werden. Frauen haben jetzt
auch die Chance, mit höherem Bezug schneller wieder in den Beruf
zurückzukehren, erklärte Bures.
Dies mache allerdings nur Sinn, wenn die Frauen auch einen
Betreuungsplatz für ihre Kinder haben. Daher sei die
Kindergartenoffensive der Bundesregierung ganz wichtig. Der Bund
unterstütze jeden zusätzlichen Platz, egal, ob er etwa von der
Kirche, einem Verein, oder einer Institution angeboten werde. Dabei
werde der Ganztagskinderbetreuungsplatz mehr gefördert, da er für die
Frauen der wertvollere sei, so Bures. Wenn jede vierte Frau die
Wichtigkeit von Kinderbetreuungsplätzen betone, dann sei das damit
klargestellt und keine weiteren Bedarfsuntersuchungen mehr notwendig,
betonte die Frauenministerin.
Eine "ewige Forderung" sei die nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit,
dies zeige auch diese Studie wieder. Hier müsse Schritt für Schritt
für mehr Einkommensgerechtigkeit gesorgt werden. Als erste
diesbezügliche Maßnahme führte Bures die Umsetzung des 1000
Euro-Mindestlohns an, der vor allem Frauen helfe und eine besser
Bewertung der Teilzeitarbeit bringe. Bures betonte die Wichtigkeit
der Sichtbarmachung von Problemen und forderte, dass "in großen
Unternehmen, ab einer gewissen Anzahl von Beschäftigten, ein Bericht
gelegt wird, wie viel Frauen und Männer verdienen und wie viel Geld
der Betrieb für Qualifikation und Weiterbildung ausgibt". Das sollte
auch an Wirtschaftsförderungen und Frauenförderpläne gekoppelt
werden, denn "Mädchen, die jetzt geboren werden, sollten über
verschieden Löhne für gleiche Arbeit nur mehr aus den
Geschichtsbüchern und nicht aus der Tageszeitung lesen".
Als weitere Maßnahme, die auf der "Wunschliste" der Befragten ganz
oben stehe, nannte Bures Maßnahmen gegen Gewalt in der Familie. In
einem ersten Schritt habe die Frauenministerin eine 60-prozentige
Erhöhung des Budgets für die Gewaltschutzzentren erreicht. "Keine
Frau darf in Zukunft in einer derartigen Situation mehr alleine
gelassen werden", unterstrich die Frauenministerin. Am 5. und 6.
November werde zu diesem Thema auch eine große internationale
Konferenz in Wien stattfinden, die Bures gemeinsam mit Innenminister
Platter und Justizministerin Berger durchführen wird.
Als nächsten Schritt wird das Wegweiserecht von drei auf sechs Monate
erhöht und ein neuer Straftatbestand bei wiederholter Gewalt in der
Familie geschaffen. Wie Umfragen bestätigen, ist jede fünfte Frau
einmal von Gewalt bedroht. "Fast alle Frauen sagen, hier muss was
getan werden. In diesem Bereich lebt die Frauensolidarität", so
Bures.
Die Studie habe nicht Maßnahmen erhoben, sondern die Wünsche der
Frauen dargelegt. "Mir war es wichtig, die Wünsche aller Frauen
festzuhalten und dann Maßnahmen zu treffen", betonte die
Frauenministerin abschließend. (Schluss) sl
Rückfragehinweis:
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