• 14.09.2007, 11:00:00
  • /
  • OTS0112 OTW0112

PVC und PVC-Produkte in Österreich - Expertise als Leitlinie für den (internen und externen) Umgang mit dem viel diskutierten Kunststoff

Wien (OTS) - Eine Faktensammlung zu den wesentlichen Fragen im
Zusammenhang mit dem wichtigen, aber nicht unumstrittenen Kunststoff
Polyvinylchlorid (PVC) präsentierte das renommierte österreichische
Institut für industrielle Ökologie am 10. September. Die im Auftrag
des Fachverbands Chemie erstellte Expertise "PVC HEUTE" beleuchtet
die ökologischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen des
Werkstoffs entlang des gesamten Lebenszyklus, wobei der Schwerpunkt
auf jenen Themenbereichen liegt, die in der Vergangenheit besonderer
Kritik ausgesetzt waren. Die österreichische PVC-Branche erhofft sich
von der wissenschaftlichen, neutralen Erfassung der aktuellen
Situation nicht nur Anregung für die eigene Arbeit an der
Nachhaltigkeit ihres Materials, sondern auch eine valide Grundlage
für die Gespräche mit Politikern und Beschaffungs-Experten des
öffentlichen Bereichs. In Österreich werden jährlich rund 100.000
Tonnen verarbeitet oder als Halb- oder Fertigprodukte importiert;
rund 90 Prozent davon gehen in langlebige Anwendungen vor allem im
Baubereich (Fenster, Rohre, Dichtungsbahnen und Bodenbeläge), in der
Elektro- und Elektronikindustrie (Kabel) und im Bereich Kfz/Transport
(Lkw-Planen).

"Die Ergebnisse belegen eindeutig, dass ein undifferenziertes
Verbot des Werkstoffs oder ein genereller Verzicht auf PVC, der von
einigen Seiten gefordert wird, jeder Grundlage entbehrt", fasst DI
Theodor Znidaric, Sprecher der PVC-Hersteller in Österreich, in einer
ersten Stellungnahme zusammen. "Obwohl die Experten in Einzelfällen -
etwa hinsichtlich einiger Anwendungsgebiete, bestimmter Zusatzstoffe,
spezifischer Entsorgungs- und Recyclingwege -
Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen, hält die Studie fest, dass die
Situation in wesentlichen der in der Vergangenheit diskutierten
Themenfelder bereinigt ist. Die PVC-Branche hat ihre 'Hausaufgaben'
gemacht und intensiv am ökologischen Profil des Werkstoffes
gearbeitet."

Bedeutende Fortschritte

Positive Schwerpunkte sieht das Institut für industrielle Ökologie
vor allem in der Rohstoffverfügbarkeit des zur Hälfte aus Salz
gewonnenen Kunststoffes, dem vergleichsweise geringen Energiebedarf
bei der Herstellung sowie bei den Emissions- und
Arbeitssicherheits-Daten der Chemischen Industrie. Im Bereich der
Rohstoffherstellungen fanden die Experten "keine Beanstandungen",
betonte der Leiter des Institutes für industrielle Ökologie, Doz. Dr.
Andreas Windsperger, bei der Studienpräsentation. Auch hinsichtlich
des Preises, der technischen Eigenschaften und der Gebrauchseignung
biete PVC generell Vorteile.

"In wesentlichen der kontrovers diskutierten Themenfelder ist die
Situation mittlerweile bereinigt", heißt es in der Studie. Dies gelte
unter anderem bei der Rohstoff-Herstellung und -Verarbeitung, der
Vermeidung von Blei- und Cadmiumstabilisatoren sowie in der
Abfallentsorgung (auch durch den heutigen Stand der Umwelttechnik bei
Abfallverbrennung und -deponierung).

Weich-PVC

Im Bereich der Verarbeitung von Weich-PVC empfiehlt die Studie,
den (bereits weit fortgeschrittenen) Ersatz des Weichmachers DEHP zu
forcieren. Unter den Alternativen seien die Phthalat-freien
Weichmacher jedenfalls als unbedenklich zu bewerten; mit Ausnahme von
DEHP seien auch die Phthalate von der EU als "ohne Risikopotential"
eingestuft und damit, so Windsperger, "als Übergangslösung" absolut
geeignet. Für Hart-PVC-Produkte stellt sich diese Frage allerdings
ohnehin nicht, da sie weichmacherfrei sind.

Recycling und Abfallbewirtschaftung

"Bei PVC sollte generell das stoffliche Recycling im Vordergrund
stehen, da bei diesem sowohl der fossile als auch der mineralische
Teil genutzt wird", empfiehlt die Expertise "PVC HEUTE" und hält
fest, dass sowohl für Hart- als auch für Weich-PVC Technologien und
geeignete Verfahren bestehen. Die für Hart-PVC-Produkte (Rohre,
Fenster) bestehenden Sammelsysteme seien auf die zu erwartenden,
zukünftig steigenden Sammelmengen auszurichten, ist eine der
Forderungen der Verfasser - zu der sich die Vertreter der PVC-Branche
bei der Studienpräsentation dezidiert bekannten. Inwieweit durch eine
Verbreiterung der in Österreich bestehenden Sammelsysteme für
Weich-PVC (Kabel, Bodenbeläge, Dachbahnen) eine Erhöhung der
Sammelquote - ebenfalls eine Forderung der Expertise - zu erzielen
sein wird, wird von den Experten derzeit unterschiedlich
eingeschätzt: Die bisherigen Erfahrungen zeigen relativ geringen
Rücklauf. "Die europäische PVC-Industrie hat sich - nicht zuletzt in
ihrer freiwilligen Selbstverpflichtung 'Vinyl 2010' - sehr
ambitionierte Verwertungs-Ziele gesetzt, an denen intensiv gearbeitet
wird", betont Znidaric. "Wie auch die Expertise festhält, stellt PVC
im Restmüll keine Umweltgefährdung dar, aber natürlich ist die
Verbrennung von PVC nicht die optimale Lösung im Sinne einer
nachhaltigen Stoffwirtschaft." Von öffentlicher Seite erwartet
Znidaric eine partnerschaftliche Zusammenarbeit bei der weiteren
Planung und Umsetzung der Sammel- und Verwertungsaktivitäten: "Die in
der Expertise für die Situation in Österreich skizzierten
Lösungsmodelle bieten dafür eine sehr gute Grundlage."

Brandverhalten

Eine sehr genaue Betrachtung des jeweiligen konkreten Einzelfalls
- die aber keineswegs einen generellen Verzicht auf Bauprodukte aus
PVC rechtfertige - erfordert laut Expertise das Brandverhalten von
PVC-Produkten. Hinsichtlich des Brandrisikos, der Personengefährdung
im Brandfall und der allfälligen Bildung persistenter toxischer
Substanzen bei Bränden ist PVC (zumindest) neutral und unbedenklich;
in der Frage des Brandverhaltens und der Folgekosten im Brandfall
(Rauchdichte, Korrosion) müsse durch entsprechende Vorschriften und
Ausschreibungen die individuelle Situation optimiert werden.

Handlungsbedarf

In jenen Bereichen, in denen die Expertise "PVC HEUTE"
Handlungsbedarf ortet und konkrete Maßnahmen empfiehlt, will die
Industrie an der Ausräumung noch bestehender Bedenken arbeiten:
Hinsichtlich des verwendeten Rohstoffs regt die Expertise eine
Herkunftsdeklaration an, da davon ausgegangen wird, dass einzelne der
Verbesserungen auf (West-)Europa beschränkt sind. Eine derartige
Kennzeichnung wird jedoch allenfalls auf EU-Ebene umzusetzen sein.
"Rascher wirksam wäre hier eine entsprechende Formulierung der
Ausschreibungen, um die Herkunft des PVC-Harzes aus
Produktionsanlagen mit bestmöglichen Technologien sicherzustellen",
skizziert PVC-Sprecher Znidaric eine Lösung. "Damit könnte für die
betreffenden Produkte ein ökologischer Standard vorgeschrieben
werden."

Der für DEHP-haltige Produkte - besonders im Medizinbereich -
vorgeschlagenen Kennzeichnungspflicht steht die PVC-Industrie
durchaus positiv gegenüber.

Als unbefriedigend bewertet die Expertise "PVC HEUTE" die
Recyclingraten von Weich-PVC-Produkten. "Obwohl der Anteil an
PVC-Produkten im Hausmüll gering ist und die Chlorfracht in der
Verbrennung nur zum Teil von PVC stammt, ist auch hier die Branche
gefordert Verbesserungen zum Recycling anzubieten", erklärt Znidaric:
"Allerdings hat etwa Wien erst vor kurzem kein Interesse an der
Errichtung eines Sammelsystems für PVC-Böden - wie es z.B. in
Oberösterreich bestens funktioniert und das auch andere
Weich-PVC-Produkte erfassen könnte - gezeigt."

Kein Grund für PVC-Vermeidung oder Materialverbote

Die PVC-Hersteller und -Verarbeiter werden als nächsten Schritt
intensiv das Gespräch mit den zuständigen Behörden und Institutionen
suchen und eine Revision der bisher undifferenziert ablehnenden
Haltung zu PVC fordern.

"Dabei kann die Expertise 'PVC HEUTE' als Basis für die
Überprüfung überholter politischer Entscheidungen dienen", ist
Znidaric sicher: "Sie zeigt deutlich, dass die von den Umweltexperten
geforderte 'ökologische Neutralität' des Werkstoffs PVC eindeutig
erreicht ist. Wir gehen davon aus, dass Polemik, Ausgrenzung und
generelle Abqualifizierung von PVC nun endgültig der Vergangenheit
angehört und Platz macht für eine faire Beurteilung der einzelnen
Produkte, Einsatzgebiete und Anwendungen im konkreten Fall."

Die gesamte Studie ist abzurufen unter www.oekoeffizienz.at.

Rückfragehinweis:
API PVC- und Umweltberatung, Telefon 01/712 72 77, [email protected]
Partners in PR, Dr. Paul Ferstel, Telefon 01/512 90 88, [email protected]

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NEF

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel