- 10.09.2007, 11:16:25
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Uni-Kliniken: Scharfe Ärztekritik an Bundesregierung
Uni-Ärzte warnen vor internationalem Absturz der Medizin-Universitäten- Gehälter und Berufsperspektiven für Topforscher zu schlecht
Wien (OTS) - Massive Kritik haben heute die Vertreter der
Uni-Ärztinnen und -ärzte an der Weigerung der Bundesregierung geübt,
den für die Uni-Kliniken vorgesehenen neuen Kollektivertrag mit
angemessenen Finanzmitteln auszustatten. Die Folge sei ein Engpass,
der die Prolongierung der unzumutbaren Arbeitsbedingungen an den
Kliniken bewirke: Seit der Privatisierung der Med-Unis sind
Dienstverhältnisse schlechter bezahlt, fast ausschließlich befristet
und jederzeit kündbar, Vorrückungen und Karrieremodelle sind nicht
mehr gesetzlich vorgesehen. Bewerbungen guter Wissenschaftler an den
Kliniken seien daher bereits signifikant zurückgegangen. Immer mehr
hochbegabte österreichische Ärztinnen und Ärzte wanderten ins Ausland
ab.
"Wir erleiden derzeit einen Brain Drain alarmierenden Ausmaßes",
warnte der Obmann der Angestellten Ärzte in der Österreichischen
Ärztekammer, Harald Mayer, gemeinsam mit den Betriebsratsvorsitzenden
der Medizinischen Universitäten, Thomas Szekeres (Wien, auch
Vize-Präsident der Ärztekammer für Wien), Gerhard Schuhmann (Graz)
und Martin Tiefenthaler (Innsbruck) in einer Aussendung. "Der
internationale Wettbewerbsnachteil ist eklatant. Wenn die Entwicklung
anhält, wird Österreich als Standort für Spitzenmedizin und
-forschung in kürzester Zeit dem Rest der Welt hinterherhinken."
Bereits mittelfristig werde es - auch aufgrund personeller Engpässe -
zu Konsequenzen für die PatientInnen der Universitätskliniken kommen,
warnen die hochrangigen Ärztevertreter. Wartezeiten und ein
eingeschränktes Spektrum an Therapieoptionen würden die Folge sein.
Mit dem Inkrafttreten des neuen Universitätsgesetzes vor drei Jahren
(1.1.2004) wurden beamtete Dienstverhältnisse auch an den
medizinischen Universitäten (Kliniken in Wien-AKH, Graz und
Innsbruck) abgeschafft und durch privatrechtliche Verträge ersetzt.
Die aus der Einrichtung eigener Medizinischer Universitäten samt
Aufbau separater Verwaltungsstrukturen resultierenden Mehrkosten für
die Dienstgeber (die Medizinischen Universitäten) wurden durch
Gehalts- und Personalreduktionen finanziert. Um international
halbwegs vergleichbare Bedingungen zu schaffen, verhandelte der
Dachverband der Universitäten mit der GÖD
(Hochschullehrergewerkschaft - Chefverhandler Dr. Richard Kdolsky)
fast vier Jahre lang einen Kollektivvertrag - mit Wissen der
Bundesregierung.
"Allen Beteiligten inklusive der ehemaligen Wissenschaftsministerin
Elisabeth Gehrer war dabei klar, dass man höhere Einstiegsgehälter
und ein klare Zukunftschancen benötigt, um in der internationalen
Topliga mitspielen zu können und dass dieser Kollektivvertrag mit
Mehrkosten verbunden sein wird, die aus den Globalbudgets nicht
finanziert werden können. Nunmehr ist die Regierung aber
offensichtlich nicht mehr bereit, die benötigten Kosten zu bezahlen",
so die scharfe Kritik Mayers. Die neuen Regierungsmitglieder fühlten
sich an Zusagen ihrer Vorgänger nicht mehr gebunden. "Das ist
unverständlich und kurzsichtig, da es unweigerlich zu einem Brain
Drain kommt und bald eine ganze Generation von hoch begabten
ÄrztenInnen und WissenschafterInnen die Medizinischen Universitäten
Österreichs meiden wird und die Patienten schlechter versorgt
werden."
Deshalb appellieren die Österreichische Ärztekammer, Bundeskurie
angestellte Ärzte, sowie die Betriebsräte der Medizinischen
Universitäten an die verantwortlichen Minister Vizekanzler Molterer
und Bundesminister Hahn, ihren Standpunkt, die Kosten für den
Kollektivvertrag nicht bedecken zu wollen, zu überdenken und zu
korrigieren. Andernfalls komme es für die Medizinischen Universitäten
zu einem nicht wieder gut zu machenden Schaden mit einer schlechteren
medizinischen Versorgung für die Bevölkerung und eingeschränkten
Forschungen in den medizinischen Wissenschaften.
Rückfragehinweis:
Pressestelle der
Österreichischen Ärztekammer
Tel.: (++43-1) 513 18 33
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