- 31.07.2007, 10:53:25
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Überzogene Sparvorschläge: Massive Kritik von Dorner an Leitl
Einsparpotenzial von zwei Milliarden in den Spitälern für Dorner "ein tolldreistes Märchen"
Wien (OTS) - Massive Kritik an den "unreflektierten Äußerungen"
von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl zum Gesundheitssystem
kommt heute vom Präsidenten der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK)
Walter Dorner. Das von Leitl konstant wiederholte angebliche
Einsparpotenzial von zwei-Milliarden Euro "sei ein tolldreistes,
pseudoökonomisches Märchen - unrichtig, irreführend und durch nichts
zu belegen", stellte Dorner in einer Aussendung am Dienstag klar.
Tatsächlich fehle in den Spitälern Geld. Dies sehe man an der
Diskussion über die unbezahlten Überstunden bei den Spitalsärztinnen-
und ärzten, die bereits eine Grenze von 120 Millionen Euro
überschritten hätten.
Die von Leitl immer wieder kolportierte Zahl sei "rein virtuell" und
nichts als eine ungeprüfte Übernahme von EU- bezw. OECD-Schätzungen
durch einen gesundheitspolitischen und medizinischen Laien", erklärte
der ÖÄK-Präsident. Selbst im Gesundheitsministerium existiere derzeit
keine Gesamtrechnung, wie sie eine seriöse Betrachtung der
Gesundheitsfinanzen erforderte. Würde jedes vierte Spital geschlossen
- dies entspricht in etwa der Größenordnung der Einsparung - müssten
viele Österreicherinnen und Österreicher "bald die Flugrettung
beanspruchen, wenn sie ein akutes Leiden haben und ein Viertel der
heute im Spital Beschäftigten stünden auf der Straße", so Dorner. Er
erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass auch der niedergelassene
Bereich "finanziell ausgeblutet werde". "Wir haben damit kein
Auffangbecken da für die Patienten, die sonst in den Spitälern
behandelt würden. Ich denke, diese Tatsachen reflektieren sehr
anschaulich die unsoziale Haltung, die hinter derartigen Vorschlägen
der Wirtschaftskammer steckt", erklärte der Ärztepräsident.
Seriöse Ökonomen sähen überhaupt nur ein Sparpotenzial in den
Spitälern, wenn gleichzeitig Leistungen in den niedergelassenen
Bereich ausgelagert und neue Modelle der gesundheitlichen Versorgung
geschaffen würden, berichtete Dorner. Das Geld dürfe aber nicht
anders wohin versickern. Wenn nun von Akut- zu Pflegebetten
umgeschichtet würde, so blieben ja trotzdem Betreuungsaufgaben und
der dafür notwendige Pflegeaufwand zu finanzieren. Die
Wirtschaftskammer sei daher gut beraten, "sich um ihre eigenen
Agenden zu kümmern und nicht in der Gesundheitspolitik Miesmacherei
zu betreiben".
Rückfragehinweis:
Pressestelle der
Österreichischen Ärztekammer
Tel.: (++43-1) 513 18 33
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