- 09.07.2007, 09:53:20
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Rezeptgebührbefreiung über E-Card: Klares Nein der Ärztekammer
Bürokratiewelle in Arztordinationen befürchtet - Dorner verweist auch auf rechtliche Schlechterstellung für Patienten
Wien (OTS) - Sollte der Hauptverband daran festhalten, die
Deckelung der Rezeptgebühren sowie die Rezeptgebührenbefreiung über
die E-Card abwickeln zu wollen, dann wird er mit dem massiven
Widerstand der Ärzteschaft zu rechnen haben. Das stellte
Ärztekammerpräsident Walter Dorner "unmissverständlich klar". Unter
keinen Umständen werde man einer Regelung zustimmen, die einen
weiteren Bürokratieschub in den Arztordinationen und für
einkommensschwache sowie chronisch kranke Patienten eine zusätzliche
finanzielle Belastung bedeuten würde. ****
Die E-Card sei generell zur Bewältigung der gegenständlichen
Aufgaben "absolut ungeeignet". Mangels eines mobilen Lesegeräts seien
Ärztinnen und Ärzte etwa im Rahmen von Hausbesuchen oder bei Visiten
in Pflegeheimen nicht in der Lage, eine allfällige
Rezeptgebührenbefreiung abzufragen. "Derartige Patientenkontakte
können erst im Anschluss an die Visite in den Ordinationen
nachgefasst werden. Ein Rezept ist zu diesem Zeitpunkt aber längst
ausgestellt, ohne dass eine allfällige Rezeptgebührenbefreiung vom
Arzt überprüft werden konnte", kritisiert der Ärztechef.
Darüber hinaus komme es bei der Einbeziehung der E-Card zur
Feststellung der Rezeptgebühren-Obergrenze zwingend zu einer
zeitlichen Verzögerung um zwei bis vier Monate, da Apotheken zwei
Monate und Hausapotheken sogar vier Monate Zeit hätten, um Daten über
bezahlte Rezeptgebühren dem Hauptverband zu melden. Dorner
befürchtet, dass es hier zu umfangreichen Diskussionen mit den
angeblich bereits rezeptgebührenbefreiten Patienten in den
Arztordinationen kommen könnte. Der damit verbundene zusätzliche
administrative Aufwand und die nicht abschätzbaren Zeitverzögerungen
im Ordinationsbetrieb wären unzumutbar.
Schon derzeit würden niedergelassene Ärztinnen und Ärzte durch
zahlreiche legistische Maßnahmen "von einem Bürokratiewulst geradezu
erdrückt". Dorner führt als Beispiele Erfordernisse wie das
Arzneimittel-Bewilligungssystem (ABS), den Erstattungskodex (EKO)
oder auch die grundsätzlichen Probleme rund um die Implementierung
der E-Card an. "Ein weiteres Aufladen von administrativen Tätigkeiten
zu Lasten der ärztlichen Betreuung werden wir im Sinne unserer
Patienten unter keinen Umständen zulassen."
Der Ärztechef wies noch auf einen weiteren heiklen Punkt hin: die
Haftung für die korrekte Bestätigung der Rezeptgebührenbefreiung.
Diese würde dann ausschließlich bei den Ärzten liegen, wobei diese
auf die - allzu oft falschen - Daten aus dem E-Card-System
zurückgreifen müssten. Dorner: "Der Hauptverband will uns also in ein
System zwingen, wo er die Verantwortung an uns Ärzte abschiebt und
gleichzeitig als Grundlage dafür ein System hernimmt, das er selber
nicht professionell beherrscht."
Ärztekammer favorisiert "Kdolsky-Modell"
Für Dorner ist es unverständlich, warum der Hauptverband
unbedingt an einem schlechten System festhält, obwohl es mit dem
"Kdolsky-Modell" eine wesentlich bessere Alternative gäbe. Bei diesem
Modell ist vorgesehen, für die komplette Umsetzung der
Rezeptgebührendeckelung und -befreiung ausschließlich das so genannte
Leistungsinformationsblatt der Sozialversicherung heranzuziehen.
Laut Dorner hätte dieses Modell den wesentlichen Vorteil, dass
die Thematik ausschließlich zwischen Versichertem und zuständigem
Krankenversicherungsträger geregelt werde. "Dort gehört das auch hin,
nämlich in die Administration der Kassen, und nicht in die
Arztordinationen."
Zusätzlich hätten die Betroffenen dann auch automatisch eine
anfechtbare Unterlage in Händen, was für die Patienten deutlich mehr
Rechtssicherheit bedeuten würde. Dies sei bei der E-Card nicht
gegeben - "Hier müssten die Versicherten umständlich einen Bescheid
anfordern und diesen gegebenenfalls in der Folge gerichtlich
bekämpfen."
Dorner hofft nun, dass sich Kdolsky mit ihrem Modell doch noch in
der Regierung durchsetzen werde. "Wir werden jedenfalls einer
zusätzlichen Bürokratiewelle in den Arztordinationen unter keinen
Umständen zustimmen." Notfalls würde man auch überlegen, gänzlich aus
dem E-Card-Vertrag auszusteigen, so Dorner. (hpp)
Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle Dr. Hans-Peter Petutschnig Tel.: (++43-1) 51501/1223 od. 0664/1014222 Fax: (++43-1) 51501/1289 mailto:[email protected] http://www.aekwien.at
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