- 04.07.2007, 17:47:22
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"Presse"-Kommentar: Das Schicksal der "Banca Austria" (von Josef Urschitz)
Ausgabe vom 5. Juli 2007
Wien (OTS) - Man sollte sich von der Illusion trennen, dass es
Fusionen mit Headquarter-Garantie gibt.
Die größte österreichische Bank hat also in ihren früheren
Hauptgeschäftsbereichen - den Geschäften mit österreichischen Firmen-
und Privatkunden - nicht mehr viel zu reden. Sie ist nur noch eines
der drei "Haupt-Vertriebsnetzwerke" der in Mailand angesiedelten
Retail-Sparte (Privat- und Gewerbekunden) beziehungsweise der in
München domizilierten Corporate-Division für Groß-Firmenkunden der
italienischen UniCredit-Gruppe. Aus der BA-CA wird sozusagen eine von
Italien aus gesteuerte "Banca Austria".
sDas hört sich dramatisch an, ist es aber nicht: Die BA-CA ist an die
deutsche HVB verkauft worden, diese wiederum an die UniCredit, und
die fusioniert jetzt mit der Capitalia zur drittgrößten europäischen
Bankengruppe. Fusionen ergeben nur Sinn, wenn das in ihnen
schlummernde Synergiepotenzial gehoben wird. Das bedeutet Bündelung
der Kräfte, Konzentration der Entscheidungsprozesse, länder- und
konzernübergreifende Strukturen. Wenn die fusionierten Unternehmen
weiter parallel vor sich hin wirtschaften, dann erleiden sie ein
DaimlerChrysler-Schicksal.
So gesehen ist das, was jetzt in der UniCredit-Gruppe gerade
durchgezogen wird, aus regionalpolitischer Sicht bedauerlich, aber
nicht unüblich. Als Böhler den Konkurrenten Uddeholm geschluckt hat,
sind auch Kompetenzen von Schweden nach Österreich gewandert, und
nicht umgekehrt. Man kann jetzt, je nach Sichtweise, bedauern, dass
Strategien und Produkte für das österreichische Privat- und
Firmenkundengeschäft künftig den Segen aus dem fernen Mailand
brauchen. Oder sich freuen, dass die Hausbank jetzt Teil eines
europäischen Top-Players ist und entsprechende Ressourcen zur
Verfügung stellen kann.
Aber man sollte sich von den romantischen Vorstellungen trennen,
die sich hierzulande noch um Firmenübernahmen ranken. Beispielsweise
vom netten Märchen über "Headquarter-Garantien", das derzeit gerade
Kärntner Politiker im Zusammenhang mit dem Verkauf ihrer Hypo an die
Bayerische Landesbank so gerne erzählen. Und das eine nicht geringe
Anzahl ihrer Wähler auch zu glauben bereit ist.
Darf man dazu (auch anhand des BA-CA-Beispiels) anmerken: Im
Wirtschaftsleben ist es so, dass ein Mehrheitseigentümer seine
Eigentümerrechte auch ausübt. Ob das den vorherigen Eigentümern nun
passt oder nicht. Eine "Headquarter-Garantie" kann sich also zwar
darauf beziehen, dass das frühere "Hauptquartier" als Gebäude
bestehen bleibt und darin auch eine Gruppe werkt, die "Vorstand"
genannt wird. Aber anschaffen tut der Besitzer der Aktienmehrheit. Im
günstigsten Fall werden - wie bei der BA-CA - Top-Manager des
übernommenen Unternehmens in die Spitzengremium des Übernehmers
gehievt und können dort konzernweite Entscheidungen mitgestalten.
Aber zu glauben, dass es Besitzerwechsel gibt, bei denen alles beim
Alten bleibt, ist eine Illusion.
Und damit sind wir bei der grundsätzlichen Problematik von
grenzübersschreitenden Bankübernahmen: Geldinstitute sind als
Finanzdistributoren zentrale Institutionen einer Volkswirtschaft.
Wenn sie vollständig von fernen Zentralen gesteuert werden, denen
regionale Marktnähe fehlt, dann kann das zum Problem werden.
In Österreich ist es das noch nicht: Die beiden früheren "roten"
Großbanken BA-CA und Bawag sind zwar vollständig in ausländischer
Hand, die Hypo Alpe Adria ist teilweise an Bayern verkauft. Bei
anderen Großinstituten wie etwa der Erste Bank oder Raiffeisen ist
das aber definitiv nicht der Fall.
Und es gibt auch keinen Grund, da jetzt hysterisch zu werden und
irgendwelche Hürden aufzurichten. Denn grenzüberschreitende
Übernahmen sind keine Einbahnstraße. Gerade die österreichischen
Banken haben die Finanzwirtschaft Osteuropas ja sozusagen "volley"
übernommen. Dass die Kompetenz, die der BA-CA wirklich geblieben ist,
die für die osteuropäischen Länder (außer Polen) ist, spricht da
Bände. Man kann nicht die Kontrolle über das Bankgeschäft von mehr
als einem Dutzend Länder an sich ziehen - und dann jammern, dass ein
Teil der Kontrolle über den eigenen Markt an andere geht.
Die BA-CA spielt - man muss sich nur die Bilanzen ansehen - im
UniCredit-Konzern keine so schlechte Rolle, auch wenn sie klarerweise
nicht mehr die alte Bewegungsfreiheit hat. Aber ob der speziell von
der Wiener SPÖ gefeierte Verkauf an die HVB regionalwirtschaftlich
gesehen wirklich so toller Erfolg war, sollte man wohl ernsthaft
hinterfragen.
Rückfragehinweis:
Die Presse
Chef v. Dienst
Tel.: (01) 514 14-445
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