• 14.06.2007, 18:18:39
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Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Waldheim - die Bilanz

Wien (OTS) - Mit Kurt Waldheim begräbt Österreich eines der
schmerzhaftesten Kapitel seiner Geschichte. Er war in der Weltpolitik
der weitaus erfolgreichste Österreicher (als UNO-Generalsekretär und
auch wegen des Südtirol-Pakets). Er war aber zugleich so stark
angefeindet, dass er während seiner letzten Lebensjahre schwer
darunter litt. Bis zuletzt hoffte er vergebens auf Entschuldigungen,
die ihm aber nur von wenigen seiner Gegner zuteil geworden sind.

Das Delikt, das Waldheim ankreidbar gewesen ist, war ein
lächerliches: Er hatte in dem für einen Diplomaten typischen
Bestreben, Unangenehmes behübschend zu übergehen, in einem Buch einen
Teil seiner Kriegszeit übersprungen - nämlich jenen im
Partisanenkrieg am Balkan.

Diese Tatsache wurde zu einem Zeitpunkt, da Waldheim Kandidat für
das Bundespräsidentenamt wurde, von einer - übrigens bis heute immer
wieder - gut funktionierenden Denunziations-Maschinerie hochgespielt.
In der Folge entwickelte sich ein Medienhype sondergleichen, auf den
Waldheim und sein Team tollpatschig reagierten. Waldheim wurde in
US-Zeitungen als "Nazi-Schlächter" bezeichnet, linke NGOs, aber auch
der damalige Bundeskanzler Sinowatz verhöhnten ihn öffentlich. Das
Ergebnis war innerösterreichisch zwar ein triumphaler Sieg für
Waldheim und der Rücktritt einiger SPÖ-Politiker; außenpolitisch
entstand freilich schwerer Schaden für die Republik.

Obwohl keine Untersuchung eine Verwicklung Waldheims in
Kriegsverbrechen fand - lediglich seine räumliche "Nähe" zu diesen
wurde konstatiert -, waren er und damit auch Österreich vom ersten
Tag seiner Amtszeit an politisch gelähmt. Lediglich in arabischen
Ländern wurde er voll akzeptiert. Auch politische Freunde beteuerten
zwar seine Unschuld, gingen aber auf Distanz. Waldheims Lebenswerk
war unrettbar ruiniert, obwohl er sein Leben lang versucht hatte,
keine unangenehmen Kanten zu zeigen. Oder vielleicht gerade deshalb.

Seine Militärkarriere scheint wohl bester Beweis, dass Waldheim
nie das "wichtige Rad in der NS-Maschinerie" gewesen sein konnte, als
das er dargestellt wurde: In sechs Jahren Krieg, in denen einfache
Soldaten zu Generälen wurden, wurde Waldheim nur um einen einzigen
Rang befördert. Obwohl er sonst immer so ehrgeizig gewesen ist . . .

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

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Wiener Zeitung
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Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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