- 13.06.2007, 18:24:16
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Andreas Unterbergers Tagebuch
Mitten im Bild
Wien (OTS) - Mitten im Bild
Die Bundesländer können sich freuen: Der Bund hat ihnen die Sorge um
eines ihrer größten Probleme abgenommen, nämlich um die rasch
wachsende Zahl pflegebedürftiger Menschen. Vielerorts wird nun wohl
ein unwürdiges Spiel beginnen: Die Länder und Gemeinden werden alte
Menschen auf die häusliche Pflege verweisen, für die der Bund eine
Finanzierungsgarantie gibt. Und sie werden kaum noch in
(menschenwürdige) Pflegeheime investieren, für die weiter sie
zuständig wären.
Hätten ihnen nicht der Sozialminister (durch seine chaotische
Verhandlungsführung) und die ÖVP (durch ihren Zick-Zack-Kurs) diese
Umleitung ermöglicht, hätten die Länder hingegen selbst zugunsten der
Pflege sparen müssen: etwa bei ihren Beamten (die meist weit mehr als
Bundesbeamte verdienen), bei der Tsunami-artig anschwellenden Flut
von Sommerfestivals, bei Donauinselfesten, bei der landesfürstlichen
Hofhaltung, bei ihrer aufgeblähten Verwaltung.
"Mitten im Achten" sitzt künftig nur noch Helmut Elsner, aber
nicht mehr das groß bejubelte Herzstück der ORF-"Reform". Dieser
Jubel hatte noch vor kurzem dem (in Wahrheit rein ideologisch
motivierten) Putsch gegen die frühere ORF-Führung die Aura einer
Rechtfertigung geben sollen.
Hinter diesem größten Crash der ORF-Geschichte wird immer
deutlicher die Krise der "Zeit im Bild" sichtbar. Eine Sendung, die
vor lauter grüner Correctness und Neoliberalismus-Phobie um die
heikelsten wie spannendsten Aspekte einen weiten Bogen macht, in der
ORF-Redakteure vor allem ORF-Redakteure interviewen, ist schlicht
sehervertreibend. Allerdings haben auch die Wadelbeißereien in der
Koalition und die Fadesse der U-Ausschüsse den Exodus der Seher mit
ausgelöst.
Woran ist MiA gescheitert? Warum sind die Serien aus den USA
erfolgreicher? Die Antwort ist einfach - und schockierend: Kamera,
Technik usw. sind durchaus gleichwertig, aber die österreichischen
Drehbücher sind bei Filmen wie Serien einfach ein Schmarrn. Es geht
also nicht um Größe und Geld, sondern "nur" um Kreativität und
Gehirnschmalz. Genau damit haben wir aber eigentlich im globalen
Wettbewerb punkten wollen. Ein fataler Irrtum.
http://www.wienerzeitung.at/tagebuch
Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]
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