- 13.06.2007, 18:24:14
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 14. 06. 2007 Börsegang: Wann, wenn nicht jetzt? - von Angelika Kramer
Bei den Investoren ist noch genügend Geld vorhanden
Wien (OTS) - Zugegeben, es sind nicht die ganz grossen Kalliber,
die heuer den Weg an die Wiener Börse suchen. Keine Post, keine
Raiffeisen International und leider auch keine Strabag. Aber das ist
vielleicht ganz gut so. Zumindest für die Mittelständler wie Kapsch
TrafficCom oder Phion, die jetzt an die Börse drängen und denen so
die volle Aufmerksamkeit des Anlegerpublikums sicher ist. Kein
Mega-IPO wird den Kleineren also heuer die Show am Börseparkett
stehlen.
Umso verwunderlicher ist es deshalb, dass nicht noch mehr Unternehmen
den Sprung in die Öffentlichkeit des Kapitalmarktes wagen. Denn noch
selten waren die Rahmenbedingungen für einen Börsegang derart gut
wie jetzt. "Wenn nicht jetzt, wann dann. Das Umfeld für
Börsekandidaten ist optimal", tönt es deshalb auch von Fondsmanagern
in Deutschland, wo sich die Situation ähnlich wie in Österreich
präsentiert. So hat etwa auch der DAX ähnlich dem ATX in den
vergangenen Monaten einen fulminaten Höhenflug hingelegt.
Und in Wien rechnet die Vielzahl der Analysten mit einem Anhalten der
Hausse. Die meisten avisieren den Fall der 5000-Punkte-Hürde sogar
für die kommenden Wochen. Zumindest aber geht niemand für heuer von
einem Crash an der Wiener Börse aus.
Der Optimismus der Börsianer ist begründet: Bei den Investoren - die
Russen scheinen den österreichischen Markt ja erst zu entdecken - ist
nämlich reichlich Geld vorhanden. Das konnte man an der Überzeichnung
der Mega-Kapitalerhöhung der Immoeast, aber auch am regen Zustrom zu
etwas riskanteren Investments wie der A-Tec-Wandelanleihe oder der
Meinl Airport-Aktie beobachten.
Überhaupt stimmt das wirtschaftliche Umfeld zuversichtlich: Drei
Prozent Wachstum für heuer und kommendes Jahr scheinen durchaus in
Reichweite.
Und noch etwas spricht für einen raschen Börsegang: Momentan hat die
Regierung mit der Pflegedebatte, dem Karenzgeld oder den Eurofightern
genügenden Konfliktstoff. Aber wer weiss, womöglich verlagert sich
das Koalitions-Schlachtfeld bald auf die Börse, und die zurzeit
relativ günstigen gesetzlichen Rahmenbedingungen für Börsegänge
werden auf neues Konfliktpotenzial durchforstet.
Oder, was auch nicht ganz auszuschliessen ist, wir erleben
tatsächlich in Bälde Neuwahlen, was sicherlich auch die Börse in
Mitleidenschaft ziehen würde.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
http://www.wirtschaftsblatt.at
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