• 12.06.2007, 18:08:11
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DER STANDARD-Kommentar "Flexibel, aber richtig" von Karin Moser

Ausgabe vom 13.6.2007

Wien (OTS) - Baby Moritz hat noch nicht einmal den Bauch seiner
Mutter verlassen, schon muss sich diese Gedanken über einen
Betreuungsplatz für den Sohnemann machen. Denn die sind rar,
insbesondere für unter Dreijährige. Wenigstens darüber sind sich
Familienministerin und Frauenministerin einig. Wenn es darum geht,
diese Plätze auch tatsächlich zu schaffen, ist sie aber schon wieder
dahin, die Einigkeit.
Also hat man sich zuerst die Modifizierung des Kindergeldes
vorgenommen. "Flexibilisierung" heißt das im Regierungssprech. De
facto ist es eine Wahlmöglichkeit. Wer kürzer daheim bleibt, bekommt
künftig mehr Geld. Und wer einen Partner hat, mit dem er sich die
Kindererziehung teilt, darf länger zu Hause bleiben. Wer nicht, hat
Pech. Das stößt jetzt der Frauenministerin sauer auf. In letzter
Minute reklamiert sie noch Verbesserungen für Alleinerzieherinnen in
den Entwurf, sowie mehr Wahlmöglichkeiten, was die Bezugsdauer
anlangt.
Der Einwand, weitere Varianten würden einen administrativen
Mehraufwand bedeuten, ist lächerlich: Man müsste sich nur ein neues
EDV-Programm leisten. Eine Flexibilisierung, die ihren Namen
verdient, hätte auch den Vorteil, dass sich Eltern bereits vor
Karenzantritt ganz konkret Gedanken über ihren Wiedereintritt ins
Berufsleben machen müssten.
Beim "Kindergeld neu" stellen sich aber noch eine Reihe weiterer
Fragen: Warum etwa schafft man die Zuverdienstgrenze nicht gänzlich
ab? Schließlich geht es doch vorgeblich immer darum, insbesondere
Mütter schneller wieder an den Arbeitsplatz zu holen. Und
schließlich, untrennbar mit all dem verbunden: Wohin soll bitte Baby
Moritz, wenn seine Mutter nur 15 Monate zu Hause bleiben will? Das
neue Kindergeld macht nur Sinn, wenn endlich Betreuungsplätze
geschaffen werden.

Rückfragehinweis:
Der Standard
Tel.: (01) 531 70/445

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