• 11.06.2007, 17:12:36
  • /
  • OTS0264 OTW0264

WirtschaftsBlatt Kommentar vom 12. 6. 2007: Besser kleine Gewitter als ein Finanz-Tsunami - von Arne Johannsen

Steigende Zinsen sind schlecht für die Börsen, aber gut für die Anleger

Wien (OTS) - Der Mann am Telefon klingt überzeugend, das Angebot
verlockend: "Alles unter 25 Prozent Jahresrendite wäre eine
Enttäuschung", wirbt der Anlageberater für einen Private Equity
Fonds, der in China investiert. Das Offert klingt zwar fantastisch,
aber nicht absurd. An den Kapitalmärkten sind die Bäume in den
vergangenen Jahren in den Himmel gewachsen, Anleger konnten praktisch
nichts falsch machen. Und jetzt kommen die Spielverderber von den
Notenbanken und erhöhen die Zinsen. Die Börsen reagieren wie ein
Seismograph und knicken ein. Schon macht das böse Wort vom
"Konjunkturkiller" die Runde, weil steigende Zinsen das Wachstum
abzuwürgen drohen.

Doch Vorsicht, nicht überall, wo Panik draufsteht muss auch Panik
drinnen sein. Nüchtern betrachtet erleben wir derzeit nur eine
Normalisierung der Situation. Im historischen Vergleich sind
Leitzinsen zwischen vier und fünfeinhalb Prozent in guten
Konjunkturphasen immer noch günstig. Sicher erleichtern niedrige
Zinsen Investitionen, aber kein Unternehmen baut ein neues Werk, nur
weil es einen günstigen Kredit von der Bank bekommt. In erster Linie
müssen die Auftragsbücher voll sein, erst dann wird
Kapazitätserweiterung und deren Finanzierung ein Thema.

Und steigende Zinsen als Gift für die Börsen? Die Aktienmärkte
kannten in den vergangenen Jahren nur eine Richtung: Nach oben, nach
oben, nach oben. Kleine Warnschüsse, die daran erinnern, dass
Aktieninvestments keine Selbstläufer sind, sind in diesem Kontext
besser als ein lauter Knall, mit dem sonst alles irgendwann platzen
würde. So betrachtet sind steigende Zinsen zwar schlecht für die
Börsen, aber durchaus hilfreich für die Anleger.

Zudem erlebt eine Renaissance, was auch in schlechten Zeiten nie
wirklich aus der Mode kam: Das Sparbuch. Dort sind wieder halbwegs
attraktive Renditen zu erzielen, die auch nach KeSt und Inflation
noch etwas übrig lassen, wie das Allianz-Offert beweist. Und sind mit
sicheren Geldanlagen akzeptable Renditen zu erreichen, erhöhen sich
die Aufschläge für risikoreichere Anlagen - auch das keine schlechte
Entwicklung für Geldanleger.

Derzeit ist auf vielen Märkten zu viel Geld im Umlauf. Das treibt die
Preise für Aktien, Immobilien und bei Unternehmens-Übernahmen in
übertriebene Höhen. Moderate Zinsanhebungen wirken da wie kühlende
Gewitter im Hochsommer. Und die sind allemal besser als ein
Finanz-Tsunami.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder 280
http://www.wirtschaftsblatt.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PWB

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel