• 10.06.2007, 17:03:23
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WirtschaftsBlatt Kommentar vom 11.6.2007: G-8: In trauter Gemeinsamkeit die Welt retten - von Herbert Geyer

Heiligendamm war ein Treffen der lahmen Enten

Wien (OTS) - Was hat sich die Welt nicht gefreut, als in den
frühen 60ern ein rotes Telefon als Direktverbindung zwischen dem
Weissen Haus und dem Kreml eingerichtet wurde, damit John F. Kennedy
und Nikita Chruschtschow einander noch kurz anrufen könnten, ehe sie
auf den ominösen Knopf drückten, der die ganze Welt in eine Atomwüste
verwandeln würde. Gemessen daran ist es unzweifelhaft ein
Fortschritt, dass sich jetzt die Mächtigen der Welt einmal jährlich
an einen ruhigen Ort zurückziehen, um in trauter Gemeinsamkeit über
die Probleme der Welt zu plaudern.
An die Ergebnisse dieser Gespräche allzu hohe Anforderungen zu
stellen, wäre vermessen: Zwar fällt es im trauten Kreis der Mächtigen
sicher schwer, sich gegen die gemeinsame Rettung der Welt zu stemmen,
da zieht man schon mal eine Halbierung der Treibhausgase bis 2050
ernsthaft in Betracht. Daheim schaut das Ganze dann sowieso wieder
ganz anders aus. Die USA haben ja auch an der Konferenz von Kyoto
teilgenommen und sich dort ganz ernsthaft zu eigenen Reduktionszielen
verpflichtet nur wurde diese Zusage der Regierung Bill Clintons vom
Kongress unter George Bush halt nicht ratifiziert. Es fällt schwer zu
glauben, dass die jetzt abgegebene Zusage Bushs schwerer wiegt.
Zumal das G-8-Treffen von Heiligendamm eines der lahmen Enten war:
Nicht weniger als drei der acht Gipfelteilnehmer wissen definitv,
dass sie 2009, wenn das Klima-Versprechen umgesetzt werden soll,
nicht mehr im Amt sein werden: In den USA und in Russland finden 2008
Präsidentenwahlen statt, und beide Amtsinhaber dürfen nicht wieder
kandidieren. Und für Grossbritanniens Tony Blair war Heiligendamm
sowieso nur noch eine Station seiner langen Abschiedstour, die in
drei Wochen ihr Ende findet. Was diese drei in Sachen Klimaschutz
zugesagt haben, wird man 2008 und 2009 ihren Nachfolgern wohl
nochmals abringen müssen.
Auch die zwischen dem neuen französischen Präsidenten Nicolas
Szarkozy und Tony Blair am Rande des Treffens ausgemachte gemeinsame
Linie zur Revision des EU-Verfassungsvertrages wird wohl nicht mehr
als eine Randnotiz der Geschichte bleiben.
Bleibt als Fazit des Gipfels eine gestärkte Angela Merkel, die durch
aussenpolitische Erfolge ihr innenpolitisches Gewicht vermehrt. Und
eine angenehme Atmosphäre zwischen den Teilnehmern.
Ob das Gipfel-Kosten von 100 Millionen rechtfertigt, darf diskutiert
werden.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 60 117/305 oder /280
http://www.wirtschaftsblatt.at

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