• 08.06.2007, 17:24:42
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Andreas Unterbergers Tagebuch

Der Gipfel und die Medien

Wien (OTS) - Der Gipfel und die Medien

Gestern konnte ich die Medien rühmen, weil sie bei der Besetzung des
Operndirektors einen positiven Einfluss geübt haben. Heute aber ist
wieder eine ihrer problematischen Rollen anzusprechen: Gäbe es sie in
ihrer Gier nach bunten, dynamischen Bildern nicht, dann hätten rund
um den Gipfel der G-8 keine Gewalttaten stattgefunden, hätten weder
teure Sperrzäune errichtet werden müssen, noch wären hunderte
Menschen verletzt worden oder gar in Lebensgefahr geraten. Die
Demonstranten wären nämlich daheim geblieben. Ihr Ziel ist ja immer
nur, Aufmerksamkeit zu erregen: mit oft sehr widersprüchlichen oder
unausgegorenen Ideen, mit dem Ausdruck postpubertärer Frustrationen,
oder auch nur mit kreativ-heiterer Selbstdarstellung junger
Lebenslust.

Keine Frage: Das konkrete Ergebnis des G-8-Gipfels war -
erwartungsgemäß - flau. Dennoch ist es immer gut, wenn man so oft wie
möglich miteinander spricht. Eine Folge: Die (fast globale) Erwärmung
zwischen Washington und Moskau.

Das, was sich außerhalb des Zauns abspielte, zeigte jedenfalls
keinerlei Alternativen auf: Dort gab es zwar viele Action, aber keine
konsistenten Konzepte. Europas Gewerkschafter und Bauern etwa fordern
nackten Protektionismus gegen die Konkurrenz aus der Dritten Welt.
Umgekehrt will diese dringend mehr Nahrungsmittel nach Europa und in
die USA exportieren dürfen. Ähnliche Widersprüche, die nur durch
oberflächliches Protest-Gedröhn zugedeckt wurden, zeigen sich auch
beim Thema Afrika: Allen Analysen zufolge sind das größte Problem
dieses Kontinents Korruption und die Unfähigkeit der Regierungen.
Massive westliche Hilfe für bestimmte Länder würde daher korrupte
Systeme stützen - ohne dass den dort lebenden Menschen geholfen wäre.

Man sollte aber auch einmal offen sagen: Der Zustand der Welt hat
sich zuletzt trotz aller forcierter Panikmache verbessert. Heute
hungern weniger Menschen als früher; die Kriegsgefahr war schon viel
größer; fast ganz Asien baut mit Tempo kapitalistischen Wohlstand
auf. Die Sorgenliste ist dennoch lang: Afrika, große Teile
Lateinamerikas, Drogen, Massenmigration, Fundamentalismus. Eigentlich
sollten die G8 jeden Monat drei Tage in Ruhe über all das diskutieren
(können).

http://www.wienerzeitung.at/tagebuch

Rückfragehinweis:
Wiener Zeitung
Sekretariat
Tel.: 01/206 99-478
mailto:[email protected]

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